{"id":435,"date":"2019-09-12T22:00:00","date_gmt":"2019-09-12T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/09\/12\/das-kleine-deutschland-ist-so-klein-gar-nicht\/"},"modified":"2019-09-12T22:00:00","modified_gmt":"2019-09-12T21:00:00","slug":"das-kleine-deutschland-ist-so-klein-gar-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/09\/12\/das-kleine-deutschland-ist-so-klein-gar-nicht\/","title":{"rendered":"Das &#8222;kleine&#8220; Deutschland ist so klein gar nicht"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> \u201eDas kleine Deutschland will allein die Welt vor dem Klimawandel retten. Lachhaft. Das Land tr\u00e4gt ohnehin kaum 2 Prozent zum weltweiten CO2-Aussto\u00df bei. Selbst wenn wir die unter gr\u00f6\u00dften Opfern auf 0 reduzieren w\u00fcrden, t\u00e4te das gar nichts helfen.\u201c U.a. mit dieser Argumentation wird in der hiesigen Klimadiskussion immer wieder versucht, Forderungen nach einer \u00f6kologischen Wende und durchgreifendem Klimaschutz l\u00e4cherlich zu machen oder ad absurdum zu f\u00fchren. Die Argumentation ist allerdings falsch bzw. irref\u00fchrend. Weil \u2026<\/p>\n<p>1. Deutschland mag ein \u201ekleines\u201c Land sein, zugleich ist es aber eine der \u201egr\u00f6\u00dften\u201c Industrienationen auf dem Planeten und langj\u00e4hriger Exportweltmeister. Berechnete man den CO2-Aussto\u00df aller in Deutschland und\/oder von deutschen Unternehmen produzierten und in alle Welt verkauften Automobile nebst anderen Verbrennungsanlagen, aus besagten 2 Prozent w\u00fcrde schnell eine zweistellige Zahl. H\u00e4tten Teile der deutschen Industrie, vorneweg die Autoindustrie, die Zeichen der Zeit nicht verschlafen, sie k\u00f6nnte l\u00e4ngst Exportweltmeister alternativer Mobilit\u00e4ts-, Energieerzeugungs- und Energieeinsparungstechniken sein, statt die Welt anhaltend mit klimasch\u00e4dlicher Technik zu \u00fcberschwemmen.<\/p>\n<p>2. Das vermeintlich kleine Deutschland ist eine der \u00e4ltesten gro\u00dfen Industrienationen auf der Welt. Es hat gegen\u00fcber s\u00e4mtlichen Schwellenstaaten und Entwicklungsl\u00e4ndern rund 200 Jahre Vorsprung beim Anreichern der Atmosph\u00e4re und der irdischen CO2-Senken mit dem Klimagas. In summa ist der deutsche Beitrag zur inzwischen eingetretenen globalen CO2-\u00dcberf\u00fcllung also gewaltig. Diese Erblast verpflichtet heute zu besonderen Anstrengungen.<\/p>\n<p>3. Es ist irref\u00fchrend, den Eindruck vermitteln zu wollen, Deutschland laufe mit seinen Klimaschutz-Ans\u00e4tzen dem Rest der Welt einsam und allein weit voraus. In vielen Bereichen ist eher das Gegenteil der Fall. So sind etwa die skandinavischen L\u00e4nder auf fast allen Ebenen des \u00f6kologischen Umbaus ihrer Gesellschaften wesentlich weiter. In vielen Teilbereichen laufen umweltgerechte Anstrengungen und Umbauten in der Schweiz, in \u00d6sterreich, in den baltischen Staaten, in Kanada, Neuseeland, in etlichen US-Bundesstaaten etc. Deutschland l\u00e4ngst den Rang ab. Selbst in der einen oder anderen Ecke Afrikas ist man weiter als hierzulande (zB radikales Platikt\u00fctenverbot in Tansania). Und auf einem Feld ist Deutschland sogar weltweites Schlusslicht: beim klimaschonenden Tempolimit. Wir sind also in sachen Klimaschutz weder allein noch weit voraus.<\/p>\n<p>4. Die Argumentation vom \u201ekleinen Deutschland\u201c folgt f\u00fcr den Weltma\u00dfstab dem St. Floriansprinzip, das auch in der innerdeutschen Klimadiskussion st\u00e4ndig bem\u00fcht wird: Jeder CO2-Verursacher (zB die Flugwirtschaft) pocht darauf, dass sein Beitrag zur Summe des hiesigen CO2-Aussto\u00dfes doch vergleichsweise nur sehr klein sei \u2013 im Verh\u00e4ltnis zur wirtschaftlichen und lebensartlichen Wichtigkeit geradezu marginal. Verkannt wird dabei: Es gibt nicht den einen K\u00f6nigsweg zum Klimaschutz und nicht den einen Hauptverursacher des Klimawandels. Demgem\u00e4\u00df ist Klimaschutz eine Angelegenheit, bei der hier daheim wie letztlich auch im Weltma\u00dfstab an ALLEN Schrauben und Schr\u00e4ubchen geh\u00f6rig gedreht werden muss.<\/p>\n<p>5. Jeder inl\u00e4ndischen Kritik an bundesdeutschen Verh\u00e4ltnissen wurde von interessierten Seiten seit jeher entgegengehalten: So schlimm k\u00f6nne es nicht sein, da doch viele L\u00e4nder und zahllose Menschen auf der Welt die Bundesrepublik Deutschland als erstrebenswertes Modell ansehen. In der Tat versuchen viele L\u00e4nder und Bev\u00f6lkerungen seit Jahrzehnten zu Lebensart und Lebensstandard der westlichen Industrienationen aufzuschlie\u00dfen. Inzwischen wird, nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Klimawandels, allerdings offenkundig, dass dieser Weg auch und gerade die Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder in eine Sackgasse f\u00fchren d\u00fcrfte. Weshalb es nun vor allem den industriell am weitesten entwickelten L\u00e4ndern aufgegeben ist, daraus einen Ausweg zu finden. Auf dass ein neues, ein \u00f6kologisches Modell entstehe, das demonstriert: Es geht auch anders. <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eDas kleine Deutschland will allein die Welt vor dem Klimawandel retten. Lachhaft. Das Land tr\u00e4gt ohnehin kaum 2 Prozent zum weltweiten CO2-Aussto\u00df bei. 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