{"id":434,"date":"2019-09-05T22:00:00","date_gmt":"2019-09-05T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/09\/05\/woher-die-schier-hysterische-angst-vor-dem-klimaschutz\/"},"modified":"2019-09-05T22:00:00","modified_gmt":"2019-09-05T21:00:00","slug":"woher-die-schier-hysterische-angst-vor-dem-klimaschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/09\/05\/woher-die-schier-hysterische-angst-vor-dem-klimaschutz\/","title":{"rendered":"Woher die schier hysterische Angst vor dem Klimaschutz?"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape.<\/strong><\/em> Es liegt mir fern, um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Zeitgenossen zu werben, die partout GLAUBEN WOLLEN, es g\u00e4be keinen Klimawandel oder keinen menschengemachten Klimawandel oder es sei alles nur halb so wild mit dem Klimawandel. Aber begreifen w\u00fcrde ich schon gerne, warum gar nicht mal wenige Leute mittlerweile hysterisch bis panisch auf fast jede \u00dcberlegung, Forderung, Bewegung zum Vorantreiben des Klimaschutzes reagieren. Warum sie beispielsweise die Forschungsergebnisse von tausenden Wissenschaftlern weltweit als blo\u00dfe Scharlatanerie abtun \u2013 obwohl sie sonst mit der Wissenschaft kein Problem haben.<\/p>\n<p>Beispiel: J\u00fcngere Erkenntnisse von Astronomen und Astro-Physikern \u00fcber die Existenz von Schwarzen L\u00f6chern im Universum oder Planeten in anderen Sonnensystemen werden nicht angezweifelt, obwohl noch keines Menschen Auge diese oder jene je wirklich gesehen hat. \u00c4hnliches gilt im Prinzip f\u00fcr die gesamte Molekularwissenschaft. Diesbez\u00fcglich ist das Vertrauen in die Wissenschaft so gro\u00df, dass deren indirekte Beweisf\u00fchrungen problemlos akzeptiert werden \u2013 obwohl die mathematische, physikalische, mikrochemische Dimension der Methode f\u00fcr die meisten Menschen verst\u00e4ndlicherweise ein Buch mit sieben Siegeln bleibt.<\/p>\n<p>In der Klimafrage hingegen werden die Ergebnisse leicht nachvollziehbarer unz\u00e4hliger objektiver Messreihen, systematischer Direktbeobachtungen, historischer Auswertungen, langfristiger Tendenz- und H\u00e4ufungserforschung etc. sowie inzwischen von Bauern, Winzern, Forstwirten, ja eigentlich jedermann selbst erfahrbaren\/erkennbaren Klimawandelph\u00e4nomenen geleugnet, angefeindet, ignoriert, verdr\u00e4ngt oder verharmlost. Stattdessen klammert man sich an mehr oder minder gewagte bis abstruse, selten mit objektivierbaren Daten hinterlegte THEORIEN \u00fcber vermeintlich nat\u00fcrliche Ursachen des Klimawandels oder eben seine Nichtexistenz. Keine dieser Theorien hielt bis dato einer ernsthaften wissenschaftlichen Verifizierung stand. Keine konnte den Klimawandel als nicht vorhanden beweisen, keine f\u00fcr das Ausma\u00df des jetzigen Klimawandels und seine bereits festgestellten Erscheinungsformen verantwortliche terrestrische oder extraterrestrische Naturursachen nachweisen.<\/p>\n<p>So gesehen, haftet dem verbissenen Leugnen oder Verharmlosen des menschengemachten Klimawandels, haftet der Weigerung, ihn als epochales \u00dcber- und Querschnittsproblem zu betrachten, ein ger\u00fcttelt Ma\u00df Irrationalit\u00e4t an. Was uns bei der Suche nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr dieses Verhalten bei einem Teil der Zeitgenossen unvermeidlich aufs Feld der Psychologie f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mal hypothetisch angenommen: Eines Tages w\u00fcrde ein anerkannter Biologie vor meinem seit Jahrzehnten \u00f6kologisch bewirtschafteten Gem\u00fcsegarten stehen und mir erkl\u00e4ren, dass meine Anbauart h\u00f6chst ungesunde Fr\u00fcchte hervorbringt und die Umwelt geh\u00f6rig sch\u00e4digt. Wie w\u00fcrde ich reagieren? Ich w\u00fcrde ihm kein Wort glauben \u2013 selbst wenn er Boden- und Luftmessdaten, Gem\u00fcseanalysen und ungute Blutbilder meiner sich aus diesem Garten ern\u00e4hrenden Familie vorlegte, die seine Aussage st\u00fctzen. Kurzum: Ich w\u00fcrde mir doch nicht vorhalten lassen, mein Lebtag falsch gelebt zu haben \u2013 sondern stattdessen nun hektisch bis verzweifelt nach jedem Strohhalm greifen, der den Befund des Biologen vermeintlich widerlegt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist dieses konstruierte Beispiel de facto absurd. Aber es bringt mich n\u00e4her heran an ein Begreifen des psychologischen Mechanismus\u2018, der bei allerhand Zeitgenossen zum Leugnen, Anfeinden, Ignorieren, Verdr\u00e4ngen, Verharmlosen der Erkenntnisse \u00fcber den Klimawandel und die daraus zu folgernden Konsequenzen f\u00fchrt: Man sieht sich pl\u00f6tzlich einer Entwicklung gegen\u00fcber, die bisherige und vielfach von Vorg\u00e4ngergenerationen \u00fcbernommene Lebensmaximen, Lebensziele, Lebensinhalt, Lebensart, Lebensgewohnheiten grunds\u00e4tzlich und absehbar auch ziemlich praktisch in Frage stellt. Bislang war das prim\u00e4re Streben der Menschen wie selbstverst\u00e4ndlich auf stete Vergr\u00f6\u00dferung von Auto, Wohnung, Guthaben und Erweiterung des Konsums auf allen Ebenen sowie Verbesserung der Lebensaussichten f\u00fcr die eigenen Kinder ausgerichtet. Bislang galt solches (Wachstums-)Streben als Existenzbedingung unserer Wirtschaftsweise und sowieso als ehrenwerte Maxime f\u00fcr das Indivdualverhalten nicht nur b\u00fcrgerlichen Daseins.<\/p>\n<p>Nun aber stellt sich heraus bzw. wird von Wissenschaftlern und Klimasch\u00fctzern \u201ebehauptet\u201c (und bewiesen), dass diese Lebensart falsch war\/ist \u2013 weil sie sich via Raubbau, Umweltzerst\u00f6rung, Klimasch\u00e4digung die Grundlage zum eigenen Fortbestehen nach bisherigem Zuschnitt selbst entzieht. Mehr noch: Dass diese \u00fcber Generationen gewohnte Lebensart, wenn sie weiter beibehalten bleibt, die Lebensbedingungen f\u00fcr Kinder, Enkel, Urenkel gravierend ins Negative verschiebt. Denn mit der Natur und den Naturgesetzen l\u00e4sst sich nicht verhandeln. Man mache sich nichts vor: Die Zumutung dieser Erkenntnis bedeutet f\u00fcr viele Menschen brachiale Ersch\u00fctterung ihres Weltbildes und ihres Selbstverst\u00e4ndisses von guter Art und bestem Sinn des eigenen Lebens. Solche Ersch\u00fctterung wird im Laufe der Zeit selbst noch mancher Zeitgenosse sp\u00fcren, der heute engagiertem Klimaschutz positiv gegen\u00fcber steht. Denn dass sich alles \u00e4ndern k\u00f6nne, ohne dass sich unsere Lebens- und Wirtschaftsart wirklich \u00e4ndert, ist schlechterdings unm\u00f6glich \u2013 auch wenn sehr viele politische Akteure derzeit so tun als ob.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <em>Andreas Pecht<\/em> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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