{"id":4313,"date":"2023-07-04T05:49:00","date_gmt":"2023-07-04T04:49:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=4313"},"modified":"2023-07-18T20:26:13","modified_gmt":"2023-07-18T19:26:13","slug":"ueber-das-festkonzert-50-jahre-staatsorchester-rheinische-philharmonie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2023\/07\/04\/ueber-das-festkonzert-50-jahre-staatsorchester-rheinische-philharmonie\/","title":{"rendered":"\u00dcber das Festkonzert 50 Jahre Staatsorchester Rheinische Philharmonie"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>ape. Koblenz.<\/strong><\/em> Ein knapp tausendk\u00f6pfiges Auditorium fand am Wochenende zum Festkonzert in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle zusammen. Es feierte gemeinsam mit der Rheinischen Philharmonie den 50. Jahrestag von deren Umwandlung in ein Staatsorchester des Landes Rheinland-Pfalz. Mit jenem Akt der Verstaaltlichung, den die damaligen Orchestermitglieder sehnlich herbeigew\u00fcnscht hatten, endete am 1. Juli 1973 das zwar sehr produktive, doch immer wieder existenziell gef\u00e4hrdete Dasein des 1945 wiedergegr\u00fcndeten Klangk\u00f6rpers, der sich 1946 als selbstverwalteter Verein organisiert hatte.<\/p>\n<p>Erste \u00dcberraschung an diesem Festabend: Der Altersdurchschnitt des Publikums ist niedriger als gew\u00f6hnlich bei abendlichen Klassikkonzerten. Viele j\u00fcngere Leute sind gekommen. Darunter erfreulicher Weise auch etliche, die wom\u00f6glich erstmals ein solches Konzert besuchen und mit den Gepflogenheiten dort noch nicht so vertraut sind. Weshalb sie ihrer Beeindruckung durch eben Geh\u00f6rtes mit un\u00fcblich spontanem Beifall nach jedem St\u00fccksatz Ausdruck verleihen. Was wiederum bei den erfahrenen Besuchern zu Stirnrunzeln f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Zweite \u00dcberraschung: Das musikalische Programm selbst &#8212; dem vielleicht die ungew\u00f6hnliche Publikumszusammensetzung teils zu verdanken ist. Gemeinhin werden bei Orchesterjubil\u00e4en eher Gro\u00dfwerke der Klassik aufgerufen. In Koblenz w\u00e4re das gem\u00e4\u00df der \u00f6rtlichen Orchestergeschichte wohl eine Beethoven-Sinfonie und etwas von Mendelssohn-Bartholdy oder Bruch, dazu ein Mahler oder Bruckner. Und obenauf ein St\u00fcck aus der klassischen Moderne, um die Verbindung des Klangk\u00f6rpers auch zur Gegenwart zu demonstrieren. Entgegen solchen Erwartungen besteht das Programm an diesem Abend indes durchweg aus Kompositionen des 20. Jahrhunderts \u2013 denen man augenzwinkernd das verbindende Motto verpassen k\u00f6nnte: V\u00f6llig losgel\u00f6st von der Erde schwebt ein Raumschiff.<\/p>\n<p>In gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Besetzung musiziert die Rheinische unter dem ebenso stringenten wie Dynamik und Farbigkeit fein ziselierenden bis mit wuchtigem Pathos aufsch\u00e4umenden Dirigat ihres Chefdirigenten Benjamin Shwartz zum Auftakt jenes 1961 so spektakul\u00e4re Avantgardest\u00fcck \u201eAtmosph\u00e8res\u201c von Gy\u00f6rgy Ligeti. Das hatte Regisseur Stanley Kubrick dann als einen der Soundtracks f\u00fcr sein legend\u00e4res Filmopus \u201e2001 \u2013 Odyssee Im Weltraum\u201c quasi zweckentfremdet. Womit aber zugleich Ligetis ungew\u00f6hnliche Klangwelt auch einem breiten Publikum serviert wurde. Popul\u00e4rer H\u00f6hepunkt des Konzerts ist das j\u00fcngste Werk an diesem Abend, John Williams\u2019 1997 zusammengestellte Konzertsuite aus seinen Filmmusiken zur Space-Opera \u201eStar Wars\u201c. Fast jede und jeder im Saal kennt die pathetische Titelmusik, die Poesie des Prinzessin-Leia-Motivs, das auch mit hintergr\u00fcndigem Humor ausgestattet Joda-Thema und sowieso den knackig-dramatisch das B\u00f6se versinnbildlichenden Imperial March.<\/p>\n<p>Den Abend beschlie\u00dft ein weiteres und hier das \u00e4lteste \u201eWeltraumwerk\u201c: die Komposition \u201eDie Planeten\u201c von Gustav Holst, uraufgef\u00fchrt anno 1918 in London, in deren siebten und letzten Satz die M\u00e4dchenkantorei der Singschule Koblenz sph\u00e4rische Vokalkl\u00e4nge webt. So hintereinander geh\u00f6rt, stammen etliche Inspirationen f\u00fcr die Star-Wars-Musik ohrenscheinlich aus diesem Werk, das freilich das kompositorisch reifere, komplexere, motivisch vielgestaltigere ist \u2013 und auch Klassikfreunde zu packen vermag, die mit Williams\u2019 teils eher schlicht gewirkter filmischer Effektmusik weniger anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die dritte \u00dcberraschung an diesem Abend bringt eine der beiden angenehm kurzen Festreden mit sich. Erwartungsgem\u00e4\u00df w\u00fcrdigt Landeskulturministerin Katharina Binz die Leistungen der Rheinischen Philharmonie als eine der tragenden S\u00e4ulen des Musiklebens im n\u00f6rdlichen Landesteil sowie als hochkar\u00e4tiger Botschafter \u00fcberregional wie auch im Ausland. Dass G\u00fcnter M\u00fcller-Rogalla, Intendant der Rhenischen Philharmonie, an zentraler Stelle seiner Rede ausgerechnet die unsch\u00f6nste Phase in der 50-j\u00e4hrigen Staatsorchester-Geschichte noch einmal aufgreift, die 2003 vom Land betriebene sogenannte Orchesterstrukturreform, erstaunt denn doch.<\/p>\n<p>Zwar habe sich diese Sache vor seiner Zeit in Koblenz abgespielt, aber noch im Nachhinein m\u00f6chte er den damaligen Orchestermitgliedern wie den Musikfreunden und der hiesigen \u00d6ffentlichkeit danken, dass sie seinerzeit mit ihrem breiten Protest das unsinnige Vorhaben scheitern lie\u00dfen. Vom Negativen schl\u00e4gt er den Bogen zum Positiven: Heute sei die Lage eine ganz andere, die Zusammenarbeit mit dem Ministerium ausgezeichnet, der Bestand des Orchesters unangefochten und die Mittelausstattung sehr ordentlich. Damit k\u00f6nne das Staatsorchester Rheinische Philharmonie mit seinen jetzt 75 Musizierenden aus 18 Nationen allerhand Gutes machen. Also rosige, gedeihliche Perspektiven auch f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre? So hoffen und w\u00fcnschen wir \u2013 keineswegs v\u00f6llig losgel\u00f6st von der Erde.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. Ein knapp tausendk\u00f6pfiges Auditorium fand am Wochenende zum Festkonzert in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle zusammen. Es feierte gemeinsam mit der Rheinischen Philharmonie den 50. Jahrestag von deren Umwandlung in ein Staatsorchester des Landes Rheinland-Pfalz. Mit jenem Akt der Verstaaltlichung, den die damaligen Orchestermitglieder sehnlich herbeigew\u00fcnscht hatten, endete am 1. Juli 1973 das zwar sehr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[298,295],"tags":[9],"archiv":[324,331],"archiv_inhaltlich":[262,266],"class_list":["post-4313","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kultur","category-kunstsparten","tag-freier-lesetext","archiv-324","archiv-2023-07","archiv_inhaltlich-kunstsparten","archiv_inhaltlich-musik-konzerte"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4313"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4314,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4313\/revisions\/4314"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4313"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4313"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4313"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=4313"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=4313"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}