{"id":420,"date":"2019-06-17T22:00:00","date_gmt":"2019-06-17T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/06\/17\/mit-zeitgenoessischem-auf-neuen-wegen\/"},"modified":"2019-06-17T22:00:00","modified_gmt":"2019-06-17T21:00:00","slug":"mit-zeitgenoessischem-auf-neuen-wegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/06\/17\/mit-zeitgenoessischem-auf-neuen-wegen\/","title":{"rendered":"Mit Zeitgen\u00f6ssischem auf neuen Wegen"},"content":{"rendered":"<p><em>ape.Koblenz.<\/em> Urauff\u00fchrungen aktueller Kompositionen haben im Klassikbetrieb vor allem abseits der Musikmetropolen noch immer Seltenheitswert. Es hei\u00dft, das Publikum sei noch nicht bereit f\u00fcr die oft atonalen Sch\u00f6pfungen von Gegenwartsk\u00fcnstlern in der durch Ligeti, Henze, Messiaen, Berio, Boulez und anderen gepr\u00e4gten Linie moderner Kunstmusik. Sollte diese seit Jahrzehnten gepflegte Einsch\u00e4tzung sich als \u00fcberholt erweisen? Der begeisterte Applaus spricht daf\u00fcr, mit dem die Urauff\u00fchrung eines Trompetenkonzerts des K\u00f6lner Komponisten Wilfried Maria Danner durch die Rheinische Philharmonie Koblenz jetzt aufgenommen wurde.<\/p>\n<p>\u201eAuf neuen Wegen\u201c ist das Sonntagskonzert im Koblenzer Stammhaus des Orchesters programmatisch betitelt, bei dem das etwa 20-min\u00fctige Werk Danners erstmals \u00f6ffentlich erklingt. Gerahmt wird es von Mendelssohn Bartholdys \u201eDie Hebriden\u201c, Haydens Trompetenkonzert Es-Dur und der ersten Beethoven-Sinfonie. Unter Garry Walkers Dirigat werden die St\u00fccke \u2013 die zu ihrer Zeit auf je eigene Weise neue Wege gingen \u2013 sch\u00f6n durchh\u00f6rbar, pr\u00e4zise und mit feinen, emotionalen Farbenkontrasten einnehmend musiziert. Den Solopart \u00fcbernimmt bei Haydn wie beim&nbsp; Urauff\u00fchrungswerk als Gast der Trompeter Reinhold Friedrich, international hoch angesehener Spezialist f\u00fcr Neue und Alte Musik gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<p>Ihm hat Danner sein in f\u00fcnf Abschnitte gegliedertes Trompetenkonzert&nbsp; \u201eherzlichst zugeeignet\u201c. Zugleich verlangt er dem Solisten ein denkbar breites Spektrum an Ausdruckformen und Spieltechniken ab: von kr\u00e4ftezehrenden Fl\u00fcgen in fast schmerzhafte Diskantlagen \u00fcber virtuose Tempol\u00e4ufe, Flatterlippen und Mehrfachzungenschlag bis hin zu ganz zart durchs Blech gehauchten Schnurr-, Blubber-, Streichelt\u00f6nen. Und wo Danner vage Br\u00fccken zum Jazz schl\u00e4gt, f\u00fchlt man sich nicht zuf\u00e4llig an Miles Davis erinnert.<\/p>\n<p>Die von der Rheinischen Philharmonie beim 62-j\u00e4hrigen K\u00f6lner in Auftrag gegebene Komposition tr\u00e4gt den Titel \u201eApparition \u2013 zoom, \u00e9clairs &#8230;ad infinitum&#8230;\u201c. Will wohl sagen: Fl\u00fcchtiges Erscheinen, kurz n\u00e4her betrachtet, blitzartiges Aufleuchten, endlos sich fortsetzend. Und so erlebt der Zuh\u00f6rer das Werk auch: Als komplexes Konstrukt aus zahllosen Klangentwicklungen, die mal nur momenthaft aufscheinen, mal ineinander greifen und aufeinander aufbauen. Zwei ruhige Abschnitte sind als Notturno gekennzeichnet, nehmen in Andeutungen mehrfach Bezug auf das Eingangsmotiv des Adagiettos in der 5. Mahler-Sinfonie.<\/p>\n<p>Danner scheut den tonalen Wohlklang keineswegs. Doch gilt er ihm allenfalls als gleichberechtigter Partner atonaler Kl\u00e4nge wie jener Klangexperimente, die diese Komposition f\u00fcrs Auditorium&nbsp; ungemein spannend machen. Klassisches Kammerorchester erweitert um Akkordeon, Celesta, Keyboard, E-Bass, Saxophon, allerhand Schlagwerk; dazu bei Streichern und Bl\u00e4sern ungew\u00f6hnliche Spielweisen; alle zusammen in wechselnder Kommunikation mit der Solotrompete: Der f\u00fcnft\u00f6nige Dissonanzakkord, den der Komponist durch mannigfache Modulationen f\u00fchrt, bis zur Unkenntlichkeit wuchern oder schrumpfen l\u00e4sst, \u00f6ffnet so st\u00e4ndig neue, erstaunende, interessante bis verst\u00f6rende wie bet\u00f6rende T\u00fcren im H\u00f6rhorizont.<\/p>\n<p>\u201eGebt uns mehr davon!\u201c scheint der Publikumszuspruch im G\u00f6rreshaus sagen zu wollen. Dem entsprechen die Pl\u00e4ne von Philharmonieintendant G\u00fcnther M\u00fcller-Rogalla und Chefdirigent Walker: Die n\u00e4chste zeitgen\u00f6ssische Komposition ist f\u00fcr die Saison 2020\/21 bei einem anderen Gegenwartskomponisten in Auftrag gegeben, weitere Urauff\u00fchrungen sollen im Zwei-Jahres-Rhythmus folgen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<em> Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape.Koblenz. Urauff\u00fchrungen aktueller Kompositionen haben im Klassikbetrieb vor allem abseits der Musikmetropolen noch immer Seltenheitswert. Es hei\u00dft, das Publikum sei noch nicht bereit f\u00fcr die oft atonalen Sch\u00f6pfungen von Gegenwartsk\u00fcnstlern in der durch Ligeti, Henze, Messiaen, Berio, Boulez und anderen gepr\u00e4gten Linie moderner Kunstmusik. Sollte diese seit Jahrzehnten gepflegte Einsch\u00e4tzung sich als \u00fcberholt erweisen? 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