{"id":419,"date":"2019-06-17T22:00:00","date_gmt":"2019-06-17T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/06\/17\/was-einem-montags-widerfahren-kann\/"},"modified":"2019-06-17T22:00:00","modified_gmt":"2019-06-17T21:00:00","slug":"was-einem-montags-widerfahren-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/06\/17\/was-einem-montags-widerfahren-kann\/","title":{"rendered":"Was einem montags widerfahren kann"},"content":{"rendered":"<p>17 Uhr, Aufbruch nach Mainz. Auf dem Kritikerdienstplan steht ein Tanzst\u00fcck am Staatstheater. Die 20 Meter vom Haus zum Auto bergen Gefahren. Ein Dussel hat seine Gartenschuhe genau vor der Haust\u00fcr geparkt. Ich stolpere dr\u00fcber und st\u00fcrze kopf\u00fcber ins Kr\u00e4uterbeet. Der umgeknickte Fu\u00df tut weh, ein Ellbogen ebenfalls, doch man will nicht j\u00e4mmerlich erscheinen: \u201eNix passiert\u201c; ab zum Dienst.<\/p>\n<p>Dichter Verkehr auf der A3. Wegen endloser LKW-Kolonnen rechts fahre ich mittig; muss dann mal nach links, um drei \u00fcberholende Laster zu \u00fcberholen. Urpl\u00f6tzlich taucht im R\u00fcckspiegel ein alter A3-Bekannter auf: der Gro\u00dfkotz im Ferrari. Dessen dr\u00e4ngender Fahrstil ist Ausdruck seiner festen&nbsp; \u00dcberzeugung, dass die linke Spur nur f\u00fcr ihn gebaut wurde. Der Typ kann mich mal \u2013 ich bringe meinen \u00dcberholvorgang unger\u00fchrt zuende. Seine Rache folgt sogleich: Er gibt Vollstoff, die Krawallkiste r\u00f6hrt auf wie ein Jumbojet beim Durchstarten. Ich erschrecke schier zu Tode.<\/p>\n<p>Einfahrt in die Landeshauptstadt. Stop an der beampelten F\u00fc\u00dfg\u00e4ngerkreuzung, warten auf Gr\u00fcn. Bald bleiben alle Fu\u00dfl\u00e4ufigen stehen &#8230; bis auf einen Herrn mittleren Alters. Den Kopf tief \u00fcbers Smartphone gebeugt, stapft er unger\u00fchrt weiter und mir, dem eben Anfahrenden, schnurstracks vor die K\u00fchlerhaube. Vollbremsung meinerseits. Kurze Irritation seinerseits \u2013 und sofort zieht er mit stierem Blick aufs Apparar\u00e4tchen weiter seines Weges. Ich breche kopfsch\u00fcttelnd \u00fcber dem Lenkrad zusammen, die Fu\u00dfg\u00e4nger am Stra\u00dfenrand lachen lauthals \u00fcber die hier Wirklichkeit gewordene Smartphone-Karikatur.<\/p>\n<p>Ich bin fr\u00fch dran, spaziere noch etwas durch die Innenstadt. Auf dem Domplatz wird mein Blick gefangen von einer zauberischen Erscheinung: Da steht versonnen eine junge Frau im luftig-lichten Sommerkleidchen, deren rabenschwarzes Langjahr bis \u00fcber den Rocksaum hinunter f\u00e4llt. Was nicht an etwaig gewagter K\u00fcrze des Rockes liegt, vielmehr reicht ihre Haarpracht bis zu den Kniekehlen. Und mit einem mal kann ich nicht anders als der Frau ma\u00dfvoll n\u00e4herzutreten und begleitet von einer ihre Erscheinung deutenden Handbewegung zu bemerken: \u201eDas schaut sehr h\u00fcbsch aus.\u201c Misstrauen pr\u00e4gt ihren ersten Blick. Dann sieht sie den friedvoll l\u00e4chelnden, harmlosen Wei\u00dfhaarigen, l\u00e4chelt ihrerseits, sagt leise \u201edanke\u201c \u2013 und jeder geht wohlgemut seiner Wege.<\/p>\n<p>Hernach ruft der Dienst zum ernsten Tanzst\u00fcck. Dazu hier noch nichts, das will erst begr\u00fcbelt sein. Heimfahrt in der Nacht \u00fcber die A3. LKW reiht sich an LKW, obwohl s\u00e4mtliche Parkpl\u00e4tze und Rastst\u00e4tten ebenfalls von LKW bis zum Bersten geflutet sind. Daheim schlie\u00dflich dies: Der Kerl legt sich gegen Mitternacht zu Bette, entschlummert flugs \u2013 hockt indes schon kurz nach drei Uhr quicklebendig wieder am K\u00fcchentisch und wei\u00df wenig mit sich anzufangen. Montag war, Vollmond ist. <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17 Uhr, Aufbruch nach Mainz. Auf dem Kritikerdienstplan steht ein Tanzst\u00fcck am Staatstheater. Die 20 Meter vom Haus zum Auto bergen Gefahren. 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