{"id":407,"date":"2016-09-30T22:00:00","date_gmt":"2016-09-30T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/09\/30\/aufstieg-und-fall-der-maya\/"},"modified":"2016-09-30T22:00:00","modified_gmt":"2016-09-30T21:00:00","slug":"aufstieg-und-fall-der-maya","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/09\/30\/aufstieg-und-fall-der-maya\/","title":{"rendered":"Aufstieg und Fall der Maya"},"content":{"rendered":"<p><em>ape\/Speyer. <\/em>Ein Fotopanorama im Entree zur aktuellen Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer zeigt ein endloses Dschungeldach, aus dem wie verloren die Spitzen dreier Tempelt\u00fcrme ragen. Das Bild symbolisiert die beiden zentralen Fragen, die sich mit der Maya-Zivilisation in Mittelamerika verbinden. Wie konnte sich in solch menschenfeindlicher Umgebung eine Hochkultur entwickeln? Und: Warum ist sie im 9. Jahrhundert nach Christus untergegangen? Die gewichtige Ausstellung \u201eMaya \u2013 Das R\u00e4tsel der K\u00f6nigsst\u00e4dte\u201d sucht Antworten.<\/p>\n<p><!--break--><\/p>\n<p>Die tonnenschwere Kalksteinskulptur eines Mannes mit der Maske des Jaguargottes f\u00fchrt in die Welt der \u201eklassischen Maya-Epoche\u201d. Auf diese Phase vom 3. bis ins 9. Jahrhundert konzentriert sich die 250, vor allem aus mittelamerikanischen Museen entliehenen, Exponate umfassende Schau. Es war die Zeit, da die Kultur der Maya sich in Form zahlloser Stadtstaaten mit je eigenem \u201eGottk\u00f6nig\u201d \u00fcber einen Raum erstreckte, der vor allem Tieflandgebiete der heutigen Staaten Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador umfasste.<\/p>\n<p>Die vom Bonner Univers\u00e4tsprofessor Nikolai Grube betreute Schau st\u00fctzt sich auf j\u00fcngste Erkenntnisse der Wissenschaft. Weshalb von ihm geleitete arch\u00e4ologische Forschungen in der Maya-Stadt Uxul jetzt zur multimedialen Pr\u00e4sentation aufbereitet werden konnten. Bauweise, Bewirtschaftung, Lebensart bei Hofe wie im Volke dieser einstigen 6000-Einwohner-Stadt sind per Originalexponaten, 3-D-Rekonstruktionen und Filmen nachvollziehbar. Und bald wird deutlich: Den Erfahrungen ihrer Ahnen folgend \u2013&nbsp; die schon im 2. Jahrtausend v. Chr. auf der Halbinsel Yukatan sesshaft&nbsp; wurden \u2013 behandelten die Maya Regenw\u00e4lder lange als nachhaltig zu bewirtschaftende Ressource.<\/p>\n<p>Mais war Grundlage der Maya-Zivilisation. Speyer zeigt ein opulentes Sortiment Maiskolben aus jener Zeit. Alle sind sie farbig: rot, schwarz, gr\u00fcn oder buntgemischt. Keiner ist durchgehend gelb wie die moderne Z\u00fcchtung. Mais wurde in Kombination mit Bohnen und K\u00fcrbis angebaut auf Gartenfl\u00e4chen innerhalb der St\u00e4dte sowie im Umfeld auf kleinparzelligen, eng an die Landschaft angepassten \u00c4ckern. Logisch, dass der Mais-Gott mit seinem kolbenf\u00f6rmigen Kopfschmuck neben dem Jaguargott des Krieges auf vielen ausgestellten Kalksteinstelen und kunstvoll im Codex-Stil bemalten Keramiken eine herausragende Rolle spielt.<\/p>\n<p>Immer wieder Kalkstein. Er war Segen und Fluch f\u00fcr die Maya. In ihn mei\u00dfelten sie Ehrungen f\u00fcr ihre G\u00f6tter sowie fig\u00fcrliche und mit hochentwickelter Hieroglyphenschrift geschriebene Lobpreisungen auf die Gottk\u00f6nige. Mit ihm bauten sie Tempel, Pal\u00e4ste, Villen, Vorratsh\u00e4user. Doch dieses Gestein hat eine unangenehme Kehrseite: Es l\u00e4sst Wasser schnell versickern. Und weil das Siedlungsgebiet der Maya quasi auf einem Kalksteinbrocken lag, war mitten im Regenwald saisonale Wasserknappheit eine immerw\u00e4hrende Herausforderung. In D\u00fcrrezeiten wurde das zur existenziellen Bedrohung.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind f\u00fcr die Endphase der klassischen Maya-Periode strenge D\u00fcrren nachweisbar. Was die in der Forschung lange vorherrschende Annahme st\u00fctzt, die durch starkes Bev\u00f6lkerungswachstum und Intensivierung der Landschaftsnutzung bis hin zum Raubbau geschw\u00e4chten K\u00f6nigsst\u00e4dte seien schlie\u00dflich Opfer klimatischer Ver\u00e4nderungen geworden. Die Speyerer Ausstellung folgt nun einem Erkl\u00e4rungsansatz mit anderer Gewichtung. OriginAusstellung in Speyer \/ Besprechungale Hieroglyphen-Inschriften, Keramikmalereien, T\u00fcrsturzschnitzerein oder filigran gearbeitete Kleinfiguren als Grabbeigaben zeichnen nicht nur das Bild streng hierarchischer&nbsp; Stadtgesellschaften. Aus ihnen ergibt sich zugleich, dass die Maya-Klassik ab 500 n. Chr. eine endlosen Serie von Kriegen zwischen den dominanten Gro\u00dfst\u00e4dten Tikal und Calakmul durchlitt.<\/p>\n<p>Ergebnis: Niedergang beider \u201eSuperm\u00e4chte\u201d und nun allf\u00e4llige Kriege jeder gegen jeden unter den vormals mit ihnen verb\u00fcndeten Kleinm\u00e4chten. Schlie\u00dflich brach das Gottk\u00f6nigtum vollends zusammen und, so Nicolai Grube, \u201emit ihm jede Ordnung in den Stadtstaaten\u201d. Rund 100 Jahre sp\u00e4ter hatte der Dschungel die \u00fcberwiegend verlassenen St\u00e4dte zur\u00fcckerobert \u2013 weshalb die ebenso sinnlich ansprechende wie lehrreiche Ausstellung schlie\u00dft mit einer Installation, in der Rankpflanzen Reste der Maya-Klassik \u00fcberwuchern. <em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape\/Speyer. Ein Fotopanorama im Entree zur aktuellen Ausstellung des Historischen Museums der Pfalz in Speyer zeigt ein endloses Dschungeldach, aus dem wie verloren die Spitzen dreier Tempelt\u00fcrme ragen. Das Bild symbolisiert die beiden zentralen Fragen, die sich mit der Maya-Zivilisation in Mittelamerika verbinden. Wie konnte sich in solch menschenfeindlicher Umgebung eine Hochkultur entwickeln? 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