{"id":403,"date":"2016-11-08T23:00:00","date_gmt":"2016-11-08T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/11\/08\/was-nun\/"},"modified":"2016-11-08T23:00:00","modified_gmt":"2016-11-08T22:00:00","slug":"was-nun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/11\/08\/was-nun\/","title":{"rendered":"Was nun?"},"content":{"rendered":"<p><em>ape.<\/em> Ein Schock ist das Ergebnis der US-Pr\u00e4sidentschaftswahl eigentlich nur f\u00fcr die Demoskopie: Sie lag in der Schlussphase reihum falsch. Eine b\u00f6se \u00dcberraschung ist das Ergebnis f\u00fcr jene, die auf Basis der Demoskopie sowie teils betriebsblinder Lageeinsch\u00e4tzung auf einen sicheren, satten Clinton-Sieg bauten. Traurig und besorgniserregend ist der Wahlausgang f\u00fcr alle, die auf eine Niederlage Trumps GEHOFFT hatten, nun aber ihre schlimmsten Bef\u00fcrchtungen best\u00e4tigt finden. Was wird nun? In US-Amerika, im Rest der Welt?<\/p>\n<p><!--break--><\/p>\n<p>Hier einige Gedanken am Morgen nach der Wahlnacht:&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n1.<br \/>\nJa, Trump ist gef\u00e4hrlich &#8211; weil noch nicht klar ist, wieviel seiner irrwitzigen Wahlkampf-Demagogie faktischen Eingang in die pr\u00e4sidiale Politik finden wird. Von ersten M\u00e4\u00dfigungen ist zu h\u00f6ren; was dran ist, wird man sehen.<\/p>\n<p>2.<br \/>\nWie wir bei Obama erleben konnten, sind die Spielr\u00e4ume eines US-Pr\u00e4sidenten begrenzt, wenn Senat, Repr\u00e4sentatenhaus und andere Staatsinstitutionen nicht mitziehen. Bleibt also die Frage, wie sehr die staatstragenden US-Institutionen den Pr\u00e4sidenten Trump &#8222;einhegen&#8220; wollen, k\u00f6nnen, m\u00fcssen. Der republikanische Anti-Obama-Reflex f\u00e4llt nun weg, wird wom\u00f6glich ersetzt durch die tiefe Abneigung vieler Republikaner gegen Trump.<\/p>\n<p>3.<br \/>\nDie Trump-Pr\u00e4sidentschaft sieht die USA vor der seltsamen&nbsp; und ungewohnten Situation, dass die Wallstreet und die US-(Welt)Konzerne mit den meisten \u00f6konomischen und isolationistischen Ank\u00fcndigungen des designierten Pr\u00e4sidenten nicht einverstanden sind. Auch hier bleibt die Frage nach der &#8222;Einhegung&#8220; Trumps &#8211; in diesem eigent\u00fcmlichen Fall eben durch die Macht und die Interessen des nach wie vor auf Globalisierungskurs segelnden Kapitals.<\/p>\n<p>4.<br \/>\nDie mehrfache tiefe Spaltung der US-Gesellschaft ist signifikant. Und sie verl\u00e4uft im Volk NICHT zwischen denen, die die Herrschaft des Establishments und &#8222;die Arroganz der Macht&#8220; satt haben, und solchen, die einem &#8222;Weiter so&#8220; anh\u00e4ngen w\u00fcrden. Das Gef\u00fchl, nur die Wahl zwischen &#8222;Pest und Cholera&#8220; zu haben, ist auf allen Seiten sehr stark ausgepr\u00e4gt. Trump ist es nach altbekannter Populistenmanier gelungen, den Unwillen vieler \u00fcber die Herrschaftskaste aus Geld und Politik auf die S\u00fcndenbock-M\u00fchle aus Rassenhass und Fremdenangst zu leiten und mit nationalchauvenistischer Tr\u00e4umerei aufzuladen.<\/p>\n<p>5.<br \/>\nNach ersten Wahlanalysen laufen die haupts\u00e4chlichen Spaltungslinien in der US-Bev\u00f6lkerung zwischen a) wei\u00df und nichtwei\u00df, b) alt\/\u00e4lter und jung c) weniger oder mehr gebildet, d) christlich-konservativ und liberal weltoffen. Der durchschnittliche Trump-W\u00e4hler ist danach wei\u00df, \u00e4lter als 45, christkonservativ sozialisiert, h\u00f6chstens mittelm\u00e4\u00dfig gebildet. Stadt-\/Landverteilung, Geschlecht und Sozialstatus sind noch etwas unklar. Der Frauenanteil ist unter den Trumpw\u00e4hlern wohl kleiner; der Zuspruch aus der wei\u00dfen Working-poor-Schicht wom\u00f6glich geringer als auch in den hiesigen Medien gemeinhin angenommen.<\/p>\n<p>6.<br \/>\nDie reale Kriegsgefahr, die von einer Trump-Pr\u00e4sidentschaft ausgeht, d\u00fcrfte nicht gr\u00f6\u00dfer sein als die bisherige &#8211; die freilich schon gro\u00dfe genug ist. Denn das US-Volk ist in G\u00e4nze kriegsm\u00fcde. S\u00e4belrasseln und Feindpropaganda k\u00f6nnten allerdings zunehmen: Wie Putin, Erdogan und andere braucht Trump Feindbilder, um von den inneren Widerspr\u00fcchen abzulenken.<\/p>\n<p>7.<br \/>\nTrump wird seinen W\u00e4hlern bei fast gar keinem Thema liefern k\u00f6nnen, was er versprach. Was sich dann aus all den entt\u00e4uschten Hoffnungen f\u00fcr die US-Gesellschaft und US-Politik ergibt, ist im Augenblick v\u00f6llig offen.<\/p>\n<p>8.<br \/>\nTrumps Wahlsieg k\u00f6nnte die europ\u00e4ischen Rechtspopulisten befl\u00fcgeln. Wenngleich weder der Front National in Frankreich noch etwa die AfD in Deutschland ihre Begeisterung \u00fcber die Type Trump vorerst an die gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngen d\u00fcrften. Denn zu vielen Westeurop\u00e4ern, selbst rechtskonservativen, ist Trumps Gebaren gar zu suspekt. K\u00f6nnte sein, dass die hiesigen Rechtspopulisten eher Mahnungen nach der Devise von sich geben: &#8222;So kann es kommen, wenn ihr auf uns nicht h\u00f6rt und baut.&#8220;<br \/>\nNachtrag am 10.11.2016: Hier irrte ich wohl. Es bleibt beim ersten Satz als Gewissheit: Trumps Wahlsieg befl\u00fcgelt die europ\u00e4ischen Rechtspopulisten. Marine Le Pen, Geert Wilders und die Frau von Storch bejubeln den US-Wahlausgang als Durchbruch in eine neue (ihre) weltweite \u00c4ra.<\/p>\n<p>9.<br \/>\nF\u00fcr die demokratische Politik in Europa ergeben sich m.E. aus dem US-Wahlergebnis zwei haupts\u00e4chliche Herausforderungen:<br \/>\na) Europa muss sich darauf einrichten, eine von den USA unabh\u00e4ngigere Politik zu betreiben.<br \/>\nb) Die b\u00fcrgerlich-demokratischen und die linken Parteien der alten Welt werden verst\u00e4rkt Sorge tragen m\u00fcssen, die sozialen Verwerfungen in ihren L\u00e4ndern aufzuheben oder wenigstens sp\u00fcrbar zu mildern &#8211; nicht zuletzt, um der rechtspopulistischen Verf\u00fchrung das Wasser abzugraben.<\/p>\n<p>10.<br \/>\nWas den \u00f6ffentlichen Disput \u00fcber rechtspopulistische Tendenzen in Westeuropa und Deutschland angeht: Wir sollten dem Rechtspopulismus nicht auf den Leim gehen und uns die nicht die Schlammschlacht als Form der politischen Auseinandersetzung aufzwingen lassen. Wir sollten die Reduzierung auf &#8222;postfaktisches&#8220; Stimmungskrakeel verweigern und der Demagogie standhaft, entschieden, ausdauernd im Geiste der Aufkl\u00e4rung begegnen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nAndreas Pecht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Ein Schock ist das Ergebnis der US-Pr\u00e4sidentschaftswahl eigentlich nur f\u00fcr die Demoskopie: Sie lag in der Schlussphase reihum falsch. Eine b\u00f6se \u00dcberraschung ist das Ergebnis f\u00fcr jene, die auf Basis der Demoskopie sowie teils betriebsblinder Lageeinsch\u00e4tzung auf einen sicheren, satten Clinton-Sieg bauten. 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