{"id":395,"date":"2016-12-27T23:00:00","date_gmt":"2016-12-27T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/12\/27\/30-jahre-kammermusik-fuer-rheinland-pfalz\/"},"modified":"2016-12-27T23:00:00","modified_gmt":"2016-12-27T22:00:00","slug":"30-jahre-kammermusik-fuer-rheinland-pfalz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/12\/27\/30-jahre-kammermusik-fuer-rheinland-pfalz\/","title":{"rendered":"30 Jahre Kammermusik f\u00fcr Rheinland-Pfalz"},"content":{"rendered":"<p>ape. <em>Vor f\u00fcnf Jahren blickte ein Artikel an dieser Stelle auf ein Vierteljahrhundert \u201eVilla Musica\u201d zur\u00fcck und w\u00fcrdigte die Bedeutung der Landesstiftung f\u00fcr die Musikkultur in Rheinland-Pfalz. Damals hatte gerade Klaus Arp die k\u00fcnstlerische Leitung der Institution an Alexander H\u00fclshoff abgegeben. \u00dcber ihn hie\u00df es im seinerzeitigen Text: \u201eDer in der Pfalz aufgewachsene Cellist markiert eine Verj\u00fcngung der Villa Musica aus den eigenen Reihen heraus: H\u00fclshoff war einer ihrer allerersten Stipendiaten und machte seinen Weg als gefragter Solo-Cellist, Kammermusik-Partner und Professor der Folkwang-Universit\u00e4t in Essen. Er wird auf dem Bisherigen aufbauend auch eine neue Handschrift einbringen wollen.\u201d Ein halbes Jahrzehnt sp\u00e4ter bin ich mit dem heute 47-j\u00e4hrigen H\u00fclshoff in Schloss Engers verabredet \u2013&nbsp; um im Gespr\u00e4ch zu ergr\u00fcnden, wie sich diese Handschrift ausgewirkt hat.<\/em><\/p>\n<p><!--break--><\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Stipendiaten.jpeg\" title=\"Stipendiaten der Villa Musica konzertieren\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-393\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Stipendiaten.jpeg\" style=\"height:344px; width:480px\" title=\"Stipendiaten der Villa Musica konzertieren\" width=\"480\" height=\"344\" \/> <\/a> \u201e\u00d6ffnen\u201d hei\u00dft einer seiner zentralen Begriffe. Der f\u00e4llt immer wieder: Sei es im Hinblick auf die Auswahl von Lehrpersonal und Stipendiaten f\u00fcr die Kammermusik-Akademie der Villa Musica, auf&nbsp; Konzertprojekte oder den Umgang mit bew\u00e4hrte Kooperationen respektive neuen; sei es die Herangehensweise an die musikalische Arbeit selbst oder sei es die&nbsp; Erweiterung der traditionellen Kammermusikpraxis in Richtung auch der Fusion mit Folk, Jazz und neuer elektronischer Musik. Denn H\u00fclshoff ist fest davon \u00fcberzeugt: \u201eLange in sich ruhende, geschlossene Systeme sind nicht \u00fcberlebensf\u00e4hig.\u201d Weshalb er vor f\u00fcnf Jahren die Zeit f\u00fcr reif hielt, mit dem System eines quasi festen Lehrk\u00f6rpers aus im Kern den immergleichen Dozenten zu brechen. \u201eIch will dieses System gar nicht kritisieren, denn f\u00fcr eine gewisse Zeitspanne war es sinnvoll und unumg\u00e4nglich\u201d, sagt H\u00fclshoff. Gleichwohl kam geh\u00f6rige Unruhe in der Landestiftung auf, als mit seinem Amtsantritt mancher Gepflogenheit und Bindung die Schlussrunde gel\u00e4utet wurde.<\/p>\n<p>Villa Musica? In klassikmusikalischen Kreisen nicht nur Deutschlands ist diese jetzt 30 Jahre alte rheinland-pf\u00e4lzische Institution weithin bekannt und hat einen guten Ruf. Seit Gr\u00fcndung 1986 haben etwa 3000 (laut Malu Dreyer) 18- bis 28-j\u00e4hrige Musikertalente in deren Kammermusik-Akademie Fortbildung, F\u00f6rderung, k\u00fcnstlerische Reifung erfahren. Sie sind nachher selbst Lehrende an Musikhochschulen im In- und Ausland geworden, sind Mitglieder renommierter Orchester oder haben als Solisten in der gro\u00dfen Musikwelt re\u00fcssiert. Um einige aus der letztgenannten Gruppe anzuf\u00fchren: Martin Stadtfeld, Nils M\u00f6nkemeyer, Viviane Hagner, Sergej Krylov, Alexander Melnikov, Isabelle Faust, Mark Bouchkov, das Schumann-Quartett. Sie alle und noch viel mehr haben als Stipendiaten der Villa Musica drei Jahre lang in drei Wochenkursen pro Jahr unter Anleitung hochkar\u00e4tiger Altmeister Konzertprogramme erarbeitet \u2013 und diese dann auch zum Abschluss jeder Woche vor Publikum quer durch Rheinland-Pfalz aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Alexander-Huelshoff-c-Villa-Musica.jpeg\" title=\"Alexander H\u00fclsoff (c)Villa Musica\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-394\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Alexander-Huelshoff-c-Villa-Musica.jpeg\" style=\"float:right; height:204px; margin:5px; width:220px\" title=\"Alexander H\u00fclsoff (c)Villa Musica\" width=\"1024\" height=\"952\" \/> <\/a> \u201eKurs und Konzert\u201d: Dieses seit jeher f\u00fcr die Villa Musica typische Prinzip hat auch H\u00fclshoff beibehalten, ja intensiviert. Grob gerechnet 4500 Konzerte haben Villa-Stipendiaten \u00fcber 30 Jahre an den unterschiedlichsten Spielst\u00e4tten in gro\u00dfen St\u00e4dten und kleinen bis kleinsten Orten vom Oberwesterwald bis in die S\u00fcdpfalz gegeben. Bei einem permanenten Bestand von 100 Stipendiaten \u201egibt es das ganze Jahr \u00fcber Kurse, also auch das ganze Jahr \u00fcber Konzerte\u201d, erkl\u00e4rt der k\u00fcnstlerische Leiter. Angestrebt seien 140 Auftritte pro Jahr, heuer sind es 160 \u2013 zwei bis drei je Kurs an verschiedenen Orten. 40 Spielorte weist das Konzertprogramm 2016\/17 aus, 60 \u00f6rtliche Mitveranstalter sind gelistet. \u201eAuf diese Weise versorgen wir das gesamte Land mit hochwertiger Kammermusik\u201d, so H\u00fclshoff. Solch stetes Engagement in hoher Qualit\u00e4t hinterl\u00e4sst Spuren, auch wenn Kammerkonzerte von Natur aus keine auff\u00e4lligen Gro\u00dfevents sind. Welche Bedeutung f\u00fcr Lebensqualit\u00e4t und -gef\u00fchl einer Region sie tats\u00e4chlich haben, w\u00fcrde manch einer wohl erst begreifen, wenn es keine mehr g\u00e4be.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n\u201eHerzst\u00fcck der Villa Musica ist die Kammermusik-Akademie in Schloss Engers\u201d, sagt H\u00fclshoff. Allerdings erst seit 1995 und nach vorheriger Grundsanierung des Schlosses am Rhein bei Neuwied. Bis dahin waren die Kurse verteilt u.a. aufs Herz-Jesu-Kloster in Neustadt\/Weinstra\u00dfe, Kloster Machern an der Mosel, Burg Namedy bei Andernach sowie gelegentlich das Mainzer Villa-Musica-Stammhaus in einer alten Jugendstilvilla. Seit 1995 also t\u00f6nen durchs 250 Jahre alte Gem\u00e4uer des kurtrierisch-f\u00fcrstlichen Lustschlosses Streicher, Bl\u00e4ser, S\u00e4nger \u2013 musikalisch fortgeschrittene junge Menschen, die w\u00e4hrend ihrer Kurswochen dort auch zusammen leben. Aus ganz Europa hatten sich 550 f\u00fcr die 2016er Stipendien beworben, gut 200 waren zum Vorspiel eingeladen worden, 32 wurden schlie\u00dflich angenommen.<\/p>\n<p>Die Anspr\u00fcche sind hoch, denn hier geht es nicht um Grundausbildung, sondern um Spitzenf\u00f6rderung; H\u00fclshoff spricht von der Villa Musica als \u201eKaderschmiede\u201d. Demgem\u00e4\u00df sucht er auch Jahr um Jahr in der weiten Musikwelt nach geeigneten und entsprechend hochkar\u00e4tigen Dozenten. Nicht jeder Musiker von Rang passt da automatisch hinein. Dynamik, Energie, Neugier und kreatives Potenzial der jungen Leute zu entfalten und zu nutzen f\u00fcr spannende, mutige, auch neuartige Werkinterpretationen, das ist nicht jedem gegeben. \u201eGenau das aber\u201d, begeistert sich H\u00fclshoff, \u201eist das immer wieder Faszinierende an der Arbeit mit dem Spitzennachwuchs. Die wollen was, wollen es wissen, spr\u00fchen vor Tatendrang.\u201d Eben das sp\u00fcrt und genie\u00dft dann auch der Konzertbesucher: Hochklassige Frische statt Routine, Begeisterung und Wagemut statt blo\u00dfer Pflichterf\u00fcllung.<\/p>\n<p>Doch wie bei allen Stiftungen, so ziehen auch am Horizont der Villa Musica dunkle Wolken auf, seit die Stiftungskapitalien kaum noch Zinserl\u00f6se erzielen. \u201eBis 2018 ist finanziell nocIm Gespr\u00e4ch mit Villa-Musica-Chef H\u00fclsoffh alles in trockenen T\u00fcchern\u201d, meint Alexander H\u00fclshoff. \u201eAb 2019 aber muss etwas geschehen, sonst&#8230;.\u201d. Sonst droht dem Kulturland ein kultureller Aderlass. Erinnert sei deshalb daran: Der Niedrigzins auf dem Kapitalmarkt ist politisch gewollt. Weshalb es auch politischen Willens bedarf, den daraus f\u00fcr die Kulturstiftungen resultierenden Existenzbedrohungen zu begegnen.<\/p>\n<p>Andreas Pecht<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Vor f\u00fcnf Jahren blickte ein Artikel an dieser Stelle auf ein Vierteljahrhundert \u201eVilla Musica\u201d zur\u00fcck und w\u00fcrdigte die Bedeutung der Landesstiftung f\u00fcr die Musikkultur in Rheinland-Pfalz. 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