{"id":372,"date":"2019-04-04T22:00:00","date_gmt":"2019-04-04T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/04\/04\/ideen-fuer-das-welterbe-oberes-mittelrheintal\/"},"modified":"2019-04-04T22:00:00","modified_gmt":"2019-04-04T21:00:00","slug":"ideen-fuer-das-welterbe-oberes-mittelrheintal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/04\/04\/ideen-fuer-das-welterbe-oberes-mittelrheintal\/","title":{"rendered":"Ideen f\u00fcr das Welterbe Oberes Mittelrheintal"},"content":{"rendered":"<p><em>ape.<\/em> 2029 wird das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal Austragungsregion der Bundesgartenschau (Buga). Nun drehen sich viele \u00dcberlegungen darum, wie nicht nur das mehrmonatige Event von Bingen bis Koblenz in zehn Jahren selbst zu einem Erfolg werden kann. Vielmehr steht die Frage im Raum: Welche nachhaltigen, \u00fcber die Buga hinaus die Region vorw\u00e4rts bringenden Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen, sollen, m\u00fcssen im Vorfeld in Angriff genommen werden? Allseits verbindet sich mit den langfristigen Vorbereitungen auf die kommende Gartenschau die Hoffnung, es m\u00f6gen damit dauerhaft positive Strukturentwicklungen f\u00fcr die gesamte Region einhergehen, wie sie f\u00fcr Koblenz im Umfeld und Nachgang zur dortigen Buga 2011 bilanziert werden konnten. Vor diesem Hintergrund fand unl\u00e4ngst in der Koblenzer Festung Ehrenbreitstein ein Tagung statt mit Vortr\u00e4gen von Wissenschaftlern und Fachleuten aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, \u00d6sterreich und der Schweiz unter der \u00dcberschrift: \u201eOberes Mittelrheintal \u2013 Zum Umgang mit einer europ\u00e4ischen Kulturlandschaft\u201c.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/5-Rheinstein.jpg\" title=\"Burg Rheinstein im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-366\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/5-Rheinstein.jpg\" style=\"height:367px; margin:5px; width:480px\" title=\"Burg Rheinstein im Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal\" width=\"480\" height=\"367\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Wie das Leitthema signalisiert, ging es nicht ausdr\u00fccklich um die Bundesgartenschau 2029. Denn auch ohne dieses tempor\u00e4re Gro\u00dfprojekt ist rund zwei Jahrzehnte nach Aufnahme des Oberen Mittelrheintals in die Unesco-Welterbeliste eine Perspektivendiskussion f\u00fcr die Region \u00fcberf\u00e4llig. Gleichwohl schwingt die Buga im Hintergrund der Tagung stets mit. Schlie\u00dflich schlagen nun bei allen \u00dcberlegungen weit \u00fcber 100 Millionen Euro zu Buche, die in Vorbereitung auf die Gartenschau in die Region flie\u00dfen sollen. Zudem, dies unterstreicht Rainer Zeimentz von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, \u201ehaben wir jetzt einen Termin, eine Deadline, 2029.\u201c Dadurch w\u00fcrden Denkans\u00e4tze, Projekte, Planungen per se ernsthafter, gerieten unter Konkretisierungsdruck. Und darum geht es bei der Tagung, die gemeinsam von der Entwicklungsagentur, der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) Rheinland-Pfalz sowie dem Rheinischen Verein f\u00fcr Denkmalpflege und Landschaftsschutz veranstaltet wurde: Um Ideen, Denkans\u00e4tze, auch Anregungen von au\u00dferhalb f\u00fcr den k\u00fcnftigen Umgang mit dieser Kulturlandschaft von europ\u00e4ischem Rang und globaler Bedeutung.<\/p>\n<h5><strong>Bewahrung und Entwicklung zugleich<\/strong><\/h5>\n<p>Der rheinland-pf\u00e4lzische Kulturminister Konrad Wolf h\u00e4ngt in seinem Begr\u00fc\u00dfungsbeitrag die Veranstaltung sehr hoch, nennt sie \u201eAuftakt f\u00fcr den Prozess hin zur BUGA 2029\u201c. Und er formuliert einen Anspruch, der im Laufe des Tages st\u00e4ndig eine Rolle spielt; der sich zwar leicht sagt, aber in der Praxis schwer umzusetzen ist: \u201eBewahrung und Entwicklung m\u00fcssen gleicherma\u00dfen realisiert werden.\u201c Das kulturelle Erbe sei zu erhalten, die Region solle aber auch attraktiv bleiben\/werden f\u00fcr Einheimische wie Besucher. Dazu geh\u00f6re der Wiedererkennungswert einer Stadt oder Region, der zugleich f\u00fcr die dort lebenden Menschen \u201eBeheimatung\u201c herstelle. F\u00fcr den Minister steht die Attraktivit\u00e4t des Mittelrheintales an sich ebenso au\u00dfer Frage wie dessen weltweit hoher Bekanntheitsgrad. Er erinnert nochmal an die 2000-j\u00e4hrige Geschichte der Region, die sich in ihren Denkm\u00e4lern widerspiegelt. Er ruft Carl Zuckmayer als Zeugen daf\u00fcr auf, dass das Rheintal seit jeher eine zentrale europ\u00e4ische Verkehrsader ist, ein weltoffener Austauschraum und Schmelztiegel \u2013 wie dies in Zuckmayers Theaterst\u00fcck \u201eDes Teufels General\u201c von Harras mit seinem ber\u00fchmten Monolog \u00fcber den Rhein als \u201eder gro\u00dfen V\u00f6lkerm\u00fchle, der Kelter Europas\u201c zum Ausdruck gebracht wird. Und Wolf verweist darauf, dass Schutz und Entwicklung der Region eine Querschnittsaufgabe sind, die viele Fachbereiche ber\u00fchrt und das Miteinander vieler Partner erfordert.<\/p>\n<p>Schon d<a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2-Loreley.jpg\" title=\"Am Felsen der Loreley\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-367\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/2-Loreley.jpg\" style=\"float:right; height:165px; margin:5px; width:220px\" title=\"Am Felsen der Loreley\" width=\"220\" height=\"165\" \/><\/a>ie Fachtagung selbst stand mit ihren drei Veranstaltern und sehr unterschiedlichen Referenten im Zeichen eines keineswegs selbstgef\u00e4lligen, sondern produktiven, teils auch streitbaren Miteinander. Dies macht ein Zwiegespr\u00e4ch deutlich zwischen Thomas Metz, dem Generaldirektor der GDKE, und Matthias M\u00fcller, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Rheinischen Vereins. Als gemeinsames Anliegen benennen sie den Erhalt des Weltkulturerbes f\u00fcr die Menschheit sowie dessen Entwicklung f\u00fcr die Menschen, die in der Welterberegion leben. M\u00fcller sieht dabei seinen Verein in der Rolle des Beraters, des denkmalpflegerischen Gewissens f\u00fcr die politischen Akteure. N\u00f6tigenfalls wolle der Rheinische Verein auch \u201eStachel in deren Fleisch\u201c sein. Denn nat\u00fcrlich sollten die Landschaft versch\u00f6nert und abgeh\u00e4ngte Orte gepuscht werden. Aber: Konflikte zwischen Kulturraum und Wirtschaftsraum seien sorgsam anzupacken; bisweilen k\u00f6nne es auch vern\u00fcnftiger sein, von dieser oder jener Aufh\u00fcbschungsma\u00dfnahme zugunsten des Welterbeerhalts Abstand zu nehmen. Metz sieht das \u00e4hnlich, setzt indes f\u00fcr seine Landesinstitution GDKE einen anderen Schwerpunkt. Seine prim\u00e4re Fragestellung lautet: Wie k\u00f6nnen wir Denkmalobjekte f\u00fcr die Menschen erschlie\u00dfen? Auf welche Weise k\u00f6nnen wir sie einerseits erhalten, andererseits mit Qualit\u00e4t weiterentwickeln? Beide Herren geben ihrer Hoffnung Ausdruck, die Tagung m\u00f6ge Ideen und Anregungen bieten, die man nachher unter anderem den Buga-Machern mit an die Hand geben kann.<\/p>\n<h5><strong>Alte Defizite und gute Fortschritte<\/strong><\/h5>\n<p>Solche Ideen gibt es im weiteren Verlauf des Tages eine Menge. Manche bleiben interessante Anregung, in welche Richtung man auch mal nachdenken k\u00f6nnte. Andere sind dem Charakter nach direkte Aufforderung, was im Tal sofort oder zeitnah zu machen sei. Nicht wenige der vorgetragenen Aspekte erinnern den Chronisten an Diskussionen, die bereits im Umfeld der Beantragung und schlie\u00dflichen Verleihung des Unesco-Welterbestatus f\u00fcr das Obere Mittelrheintal Anfang des 21. Jahrhunderts gef\u00fchrt wurden. Wenn der St\u00e4dteplaner und Welterbe-Experte Michael Kloos von Kirchturmperspektive und noch immer vorhandenem Mangel an gemeinsamem Identit\u00e4tsgef\u00fchl der Orte und Bewohner im Welterbegebiet spricht, wenn er Verl\u00e4rmung, Leerst\u00e4nde, Erneuerungstau bei der touristischen und gastronomischen Infrastruktur beklagt: Dann kommt einem das doch ziemlich bekannt vor. Will sagen: Einige Probleme haben sich gewisserma\u00dfen seit 2002 erhalten.<\/p>\n<p>Kloos bel\u00e4sst es nicht bei der Klage, verweist vielmehr auch auf allerhand gelungene Fortschritte, die st\u00e4rker ins Bewusstsein ger\u00fcckt werden m\u00fcssten. Er nennt den Ostein\u2018schen Park \u00fcber R\u00fcdesheim, Ma\u00dfnahmen des Natur- und Kulturlanschaftsschutzes wie die Pflege alter Obstanbaukulturen und das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen der Verbuschung auf den Steilh\u00e4ngen. Er spricht von der gestalterischen Aufwertung mancher Talorte sowie strukturellen Verbesserungen in Koblenz und Bingen. Er avisiert die Fertigstellung eines Managementplans f\u00fcr dieses \u201egr\u00f6\u00dfte Weltkultuerbe in Deutschland mit seinem vielgestaltigen Aufbau\u201c f\u00fcr 2021. Dieser Plan soll im Verbund mit einer \u201eKulturlandschaftsvertr\u00e4glichkeitsstudie\u201c alle die Region betreffenden Entscheidungsprozesse f\u00fcr s\u00e4mtliche Beteiligten transparenter und besser planbar machen. Schlie\u00dflich lenkt Kloos die Aufmerksamkeit auf einen gewichtigen Umstand, der bei den weiteren Anstrengungen im und f\u00fcr das Mittelrheintal besonders zu beachten sei. Das Tal ist kein einheitlicher Raum, sondern weist \u00f6konomisch, strukturell und soziologisch ein geh\u00f6riges Binnengef\u00e4lle zwischen den \u201eTorst\u00e4dten\u201c \u2013 Bingen im S\u00fcden, Koblenz im Norden \u2013 und seinem l\u00e4ndlichen, kleinteiligen, auch demografisch \u00fcberalternden Mittelst\u00fcck auf.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Pfalzgrafenstein-c-GDKE.jpg\" title=\"Die im Strom: Pfalzgrafenstein. Foto: GDKE\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-368\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Pfalzgrafenstein-c-GDKE.jpg\" style=\"height:344px; width:516px\" title=\"Die im Strom: Pfalzgrafenstein. Foto: GDKE\" width=\"1024\" height=\"682\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Pfalzgrafenstein-c-GDKE.jpg 1024w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Pfalzgrafenstein-c-GDKE-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Pfalzgrafenstein-c-GDKE-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/> <\/a><\/p>\n<h5><strong>Heimat ist immer lokal und regional<\/strong><\/h5>\n<p>\u201eMuss Landesplanung Heimat k\u00f6nnen?\u201c, fragt unorthodox Martin Orth, Abteilungsleiter Landesplanung im Mainzer Innenministerium. Er setzt sich mit dem Begriff \u201eHeimat\u201c auseinander, der im Grunde eine ideelle symbolische Landschaft meint, sich freal aber prim\u00e4r stets auf lokale und regionale R\u00e4ume bezieht. In Rheinland-Pfalz gebe es einen gelassenen, positiven Heimatbegriff, so Orths These. Sie bezieht sich unter anderem auf die kritisch heimatverbundene Weltoffenheit etwa von Carl Zuckmayer und Anna Seghers oder die Hunsr\u00fccker \u201eHeimat\u201c-Filme von Edgar Reitz. Wie schon Minister Wolf formuliert er einen komplexen, in der Realtit\u00e4t selten v\u00f6llig reibungsfreien Anspruch. Danach umfasst Heimat zugleich dauerhaften Schutz des nat\u00fcrlichen und historischen Erbes, plus Tourismus, plus wirtschaftliche Ausssch\u00f6pfung der regionalen Potenziale. Ziel landesplanerischer Bem\u00fchungen sei die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Landesteilen. Dazu geh\u00f6re die Erfassung und Definition schutzw\u00fcrdiger R\u00e4ume sowie ihrer potenziellen Beeintr\u00e4chtigungen. Orth nennt als Beispiel die Vulkaneifel, die inzwischen dabei sei, sich von einer Region der Steinbr\u00fcche in eine \u201eGesundregion\u201c zu verwandeln. Er spricht vom Problem der \u201eBesatzung der Landschaft mit Windkraftanlagen\u201c und der Gef\u00e4hrdung sch\u00fctzenswerter Sichtachsen. Rechtsverordnungen, die Einrichtung von Pufferzonen, der Einsatz neuer Technologien k\u00f6nnen nach Ansicht des Referenten hier hilfreich sein. Vor allem aber komme es darauf an, durch b\u00fcrgerschaftliche Beteiligung das Gef\u00fchl zu st\u00e4rken, dass B\u00fcrger \u00fcber die Gestaltung ihrer Heimat mitbestimmen.<\/p>\n<h5><strong>Spannendes aus \u00d6sterreich und der Schweiz<\/strong><\/h5>\n<p>F\u00fcr Letzteres pl\u00e4diert auch Gabriele Preisinger mit ihrem Bericht \u00fcber die Entwicklung der nieder\u00f6sterreichischen Region \u201eR\u00f6merland Carnutum\u201c. Dabei handelt sich um einen relativ kleinen l\u00e4ndlichen Grenzlandstrich zwischen den gewaltig boomenden St\u00e4dten Wien und dem slowakischen Bratislava. 26 Orte und \u00d6rtchen mit insgesamt 80 000 Einwohnern waren dort unter einen Hut zu bringen, um ein gedeihliches, zukunftsf\u00e4higes Fortkommen aller zu erm\u00f6glichen \u2013 und zugleich Bestand sowie Eigenst\u00e4ndigkeit der Region gegen\u00fcber dem expansiven Fl\u00e4chenhunger der beiden benachbarten Metropolen zu behaupten. Wie konnte das gelingen? Frau Preisingers Kernaussage dazu: \u201eWir denken und besprechen alle alles gemeinsam.\u201c Gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche B\u00fcrgerbeteiligung auch zwecks Zusammenf\u00fchrung der Expertise von Wissenschaft und B\u00fcrgern sei ihr Bestreben, jede touristische Investition m\u00fcsse am Ende den Einheimischen dienen, ihre Leitlinie. Eines der organisatorischen Elemente daf\u00fcr ist der sogenannte \u201eZukunftsrat\u201c. Das nach dem Zufallssprinzip zusammengesetzte B\u00fcrgergremium tritt immer dann in Aktion und muss geh\u00f6rt werden, wenn es um die Weiterentwicklung des R\u00f6merlandes Carnutum geht.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Stolzenfels-cGDKE-Pfeuffer.jpg\" title=\"Schloss Stolzenfels bei Koblenz. Foto: GDKE\/Pfeuffer \"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-369\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Stolzenfels-cGDKE-Pfeuffer.jpg\" style=\"height:347px; margin:5px; width:520px\" title=\"Schloss Stolzenfels bei Koblenz. Foto: GDKE\/Pfeuffer \" width=\"1024\" height=\"683\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Stolzenfels-cGDKE-Pfeuffer.jpg 1024w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Stolzenfels-cGDKE-Pfeuffer-480x320.jpg 480w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Stolzenfels-cGDKE-Pfeuffer-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Ein anderes Beispiel, \u00fcber das sich im Hinblick auf den Mittelhrein zumindest nachzudenken lohnt, steuert ein Winzer aus der Schweiz zur Koblenzer Tagung bei. Am\u00e9d\u00e9e Mathier hat im Wallis eine f\u00fcnfeinhalb Hektar gro\u00dfe brachliegende Steillagen-Rebfl\u00e4che gekauft und rekultiviert. Genauer gesagt: Er hat mit Freunden und Bekannten bei einem gem\u00fctlichen Weinabend die Idee f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Aktiengesellschaft ausgeheckt und umgesetzt, die das Terrassenareal mit seinen vier Kilometern Natursteinmauer erwirbt, wieder ert\u00fcchtigt und die dortige Weinbau-Tradition reaktiviert. Mathier berichtet von enormen Schwierigkeiten und sehr viel Arbeit, aber auch von dem Gl\u00fcck, das er beim Wiedererstehen eines St\u00fcckes Heimat immer wieder empfindet. Inzwischen liefern die Terrassenwingerte einige tausend Flaschen anspruchsvollen \u00d6kowein. Gleichwohl verzichten die Mitaktion\u00e4re auf Gewinnaussch\u00fcttung \u2013 um noch mehr f\u00fcr die Pflege und Rettung dieser extremen Kulturlandschaft tun zu k\u00f6nnen. N\u00e4chster Schritt: Es sollen weitere Hektar Weinbergs-Brache hinzugekauft werden.<\/p>\n<p>\u201eStolzer Blick zur\u00fcck, volle Kraft nach vorn.\u201c Mit diesem vom Fu\u00dfballclub Borussia M\u00f6nchengladbach entlehnten Slogan n\u00e4hert sich Marketingspezialist Richard R\u00f6hrhoff dem Tagungsthema \u201eOberes Mittelrheintal \u2013 Zum Umgang mit einer europ\u00e4ischen Kulturlandschaft\u201c. Er pl\u00e4diert daf\u00fcr, die alte Marke romantischer Mittelrhein neu \u201eaufzuladen\u201c. Ausfl\u00fcgler und Urlauber hier m\u00fcssten Spa\u00df haben, m\u00fcssten etwa den Besuch auf einer Burg oder der Festung Ehrenbreitstein als Aufenthalt in einer heilen Welt erleben k\u00f6nnen. Und f\u00fcr Kinder\/Jugendliche sollten die historischen Bauten zur Abenteuerwelt werden. Der Marketingmann insistiert nachdr\u00fccklich auf die Entwicklung einheitlicher Qualit\u00e4tsstandarts f\u00fcr Gastronomie und Hotellerie in Richtung \u201eErlebniswelten\u201c.<\/p>\n<h5><strong>Ist unser Kulturerbe \u201eenkeltauglich\u201c?<\/strong><\/h5>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8-Ehrenbreitstein.JPG\" title=\"Festung Ehrenbreitstein Kobloenz\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-370\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8-Ehrenbreitstein.JPG\" style=\"float:right; height:146px; margin:5px; width:220px\" title=\"Festung Ehrenbreitstein Kobloenz\" width=\"800\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8-Ehrenbreitstein.JPG 800w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8-Ehrenbreitstein-480x319.jpg 480w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/8-Ehrenbreitstein-768x511.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/> <\/a> Von einer ganz anderen, hochinteressanten, obendrein in Gegenwart und Zukunft immer wichtiger werdenden Seite geht die Kunsthistorikerin Barbara Wetzel das Tagungsthema an. Sie fragt: Wie \u201eenkeltauglich\u201c ist unser Umgang mit dem kulturellen Erbe eigentlich? Will sagen: Sind die jetzigen Verantwortlichen sich des Umstandes bewusst, dass sie \u00fcber ein Erbe sprechen und Weichenstellungen daf\u00fcr vornehmen, f\u00fcr das etwa heutige Grundsch\u00fcler und deren sp\u00e4tere Kinder anno 2070 oder 2100 die Verantwortung haben? Dann werden hier, so Wetzel, 40 oder 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung mit Migrationshintergrund leben. Wie vermittelt man ihnen das kulturelle Erbe ihrer neuen Heimat? Aber auch, wie vermittelt man es deutschst\u00e4mmigen Kindern, die in einer vernetzten Globalkultur gro\u00df geworden sind? Die Professorin forscht an der Universt\u00e4t Dortmund seit langem an praktischen Versuchen, Kindern und Jugendlichen unterschiedlichster sozialer, ethnischer und kultureller Herkunft das Kulturerbe ihrer hiesigen Heimat respektive Wahlheimat nahezubringen.<\/p>\n<p>Eine von Barbara Wetzels Maximen lautet: Denkm\u00e4ler an den Orten, wo wir leben, sind kulturelles Erbe f\u00fcr jeden, der hier lebt. Und sie nimmt theoretisch wie praktisch Bezug auf den Geist der Unesco-Welterbekonvention. Danach ist Vielfalt ausdr\u00fccklich erw\u00fcnscht und werden s\u00e4mtliche Welterbest\u00e4tten auf diesem Planeten nicht als gruppenspezifisches Eigentum betrachtet, sondern als Kulturerbe der menschlichen Allgemeinheit. Interessanterweise, so berichtet sie, ist dieser Blick gemischten Kindergruppen unterschiedlicher Herk\u00fcnfte sehr gut zu vermitteln. Mehr noch: Da die Kinder beispielsweise einen besuchten Dom, ein Schloss oder einen Barockgarten aus verschiedenen Kulturperspektiven deuten, wird die gemeinsame Erkundung solcher Kulturdenkm\u00e4ler zu einem spannenden, Br\u00fccken schlagenden, auch integrativen Prozess. Der Dom etwa wird bald nicht mehr verstanden als blo\u00df christliche Gebetsst\u00e4tte, sondern als zugleich s\u00e4kulares Kunstwerk und Kulturerbe aller hier lebenden Menschen, ja \u00fcberhaupt aller Menschen. Diese Erfahrung ist als Wertema\u00dfstab auch \u00fcbertragbar auf zahllose religi\u00f6s, politisch, ethnisch, national vorgepr\u00e4gte Welterbest\u00e4tten rund um den Globus.<\/p>\n<h5><strong>Die Dauerkrise: Verl\u00e4rmung des Welterbes<\/strong><\/h5>\n<p>Die Tagung auf der Festung Ehrenbreitstein schlie\u00dft mit einem der schwierigsten und \u00e4rgerlichsten Aspekte rund um das Obere Mittelrheintal: der Verkehrslage. Zuerst referiert der Verbandsdirektor Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord, Thomas M\u00fcller, \u00fcber die Situation der Nahverkehrsz\u00fcge auf beiden Rheinseiten. Die Zugtaktung scheint mit 60 Minuten, teils sogar 30 Minuten gar nicht so schlecht. An weitere Verdichtungen sei gedacht; auch die St\u00e4rkung einiger Busverbindungen vom Rheintal hinauf auf die H\u00f6hen stellt M\u00fcller in Aussicht.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Mittelrheintal-Laerm-c-Jens-Weber.jpg\" title=\"Verl\u00e4rmung des Mittelrheintals durch zwei Bundesstra\u00dfen, zwei europ\u00e4ische Schienenstr\u00e4nge und die Bundeswasserstra\u00dfe Rhein auf engstem Raum. Foto: Jens Weber\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-371\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Mittelrheintal-Laerm-c-Jens-Weber.jpg\" style=\"height:235px; margin:5px; width:510px\" title=\"Verl\u00e4rmung des Mittelrheintals durch zwei Bundesstra\u00dfen, zwei europ\u00e4ische Schienenstr\u00e4nge und die Bundeswasserstra\u00dfe Rhein auf engstem Raum. Foto: Jens Weber\" width=\"480\" height=\"221\" \/> <\/a><\/p>\n<p>Als letzter Referent gibt auch der bekannte Trierer Verkehrs- und Raumentwicklungsexperte Heiner Monheim der Zugtaktung im Tal keine allzu schlechten Noten. Mit fast allen \u00fcbrigen Verkehrsaspekten ggeht er allerdings geh\u00f6rig ins Gericht. Er res\u00fcmiert noch einmal, dass sich ausgerechnet hier im Welterbegebiet auf engstem Raum die h\u00f6chste Dichte an Bundesverkehrswegen dr\u00e4ngt: zwei Bundesstra\u00dfen, zwei stark befahrene Schienenstr\u00e4nge der europ\u00e4ischen Nord-S\u00fcd-Achse, zudem die Bundeswasserstra\u00dfe Rhein. Alle drei sind wesentliche Ursache der schier unertr\u00e4glichen Verl\u00e4rmung des Tales, die manche Anstrengung zu dessen Entwicklung schon im Ansatz zum Scheitern verurteilt. Deshalb und auch im Hinblick auf die Buga 2029 h\u00e4lt Monhaupt herzlich wenig davon, sich in Sachen L\u00e4rm jetzt auf die Diskussion um den Bau einer alternativen Schienentrasse au\u00dferhalb des Tals zu kaprizieren. Selbst wenn es daf\u00fcr vom Bund irgendwann vielleicht eine Zustimmung g\u00e4be, w\u00fcrde dieses Projekt \u00fcberhaupt erst in einigen bis etlichen Jahrzehnten wirksam werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h5><strong>Forderung nach niederschwelligen Sofortma\u00dfnahmen<\/strong><\/h5>\n<p>Der Trierer Professor pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr einfach machbare niederschwellige Sofortma\u00dfnahmen, \u201edie nur ein paar Millionen Euro kosten w\u00fcrden\u201c. Er schl\u00e4gt bauchhohe L\u00e4rmschutzmauern \u00fcberall dort vor, wo \u00fcbermannshohe L\u00e4rmschutzw\u00e4nde wegen der N\u00e4he zwischen Orten und Schiene nicht m\u00f6glich sind. Er fordert Gummipuffer unter den Schienen zur D\u00e4mpfung des Schwingungsl\u00e4rms. Und er schl\u00e4gt vor, die Fahrtgeschwindigkeit der G\u00fcterz\u00fcge sp\u00fcrbar zu reduzieren. \u201eDas ist f\u00fcr die Wirtschaft, die Rohstoffe und Produkte per Bahn transportieren l\u00e4sst, kein gro\u00dfes Problem\u201c, so Monhaupt. \u201eDie Wirtschaft braucht vor allem Planungssicherheit, will wissen und garantiert haben, wann ihre G\u00fcter am Ziel ankommen. Die Transportgeschwindigkeit selbst spielt dabei keine Hauptrolle.\u201c Auch f\u00fcr die Ortsdurchfahrten der beiden Bundesstra\u00dfen h\u00e4lt der Verkehrsexperte eine Tempolimit bei 30 Km\/h f\u00fcr sinnvoll.<\/p>\n<p>Doch auch jenseits des L\u00e4rmthemas sieht er reichlich Handlungsbedarf. An beiden Stromufern verlaufen europ\u00e4ische Radwanderwege, doch eine nennenswerte Radwander-Infrastruktur gibt es dort nicht: keinen Verleihservice, keine Reparaturstationen, keine sicheren und angenehmen Radabstellpl\u00e4tze etwa an den Bahnh\u00f6fen und sowieso kaum radtaugliche Abstecherwege zu den Burgen. Eine andere Krux des Oberen Mittelrheintales gelte es zu entsch\u00e4rfen: Die Trennung vieler Orte vom Rheinufer durch Bundesstra\u00dfe und Gleisanlage. Denn wo will der Besucher, Urlauber, Tourist im Rheintal auf jeden Fall hin? An den Rhein eben. Doch mancherorts ist das ein umst\u00e4ndliches, schwieriges, bisweilen gef\u00e4hrliches Unterfangen. Weshalb Monhaupt darauf dr\u00e4ngt, bis zur Buga mindestens 20 neue, lichte, freundliche Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccken von den Ortslagen zum Flussufer zu bauen. Und eine weitere Trennung ist dem Mobilit\u00e4tsfachmann ein Dorn im Augen: diejenige zwischen Ortszentren im Tal und quasi abgeschnittenen Ortsteilen auf der H\u00f6he. Da br\u00e4uchte es ein paar intelligente L\u00f6sungen.<\/p>\n<p>Vortr\u00e4ge und Diskussionen vom Morgen bis zum fr\u00fchen Abend haben auf dieser Tagung zwar keine fertige Blaupause f\u00fcr den k\u00fcnftigen Umgang mit dem Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal erbracht. Doch Ideen, Denkanregungen, Handlungsvorschl\u00e4ge gab es zuhauf. Die gilt es nun weiter zu spinnen, zu er\u00f6rtern, abzuw\u00e4gen und auch recht z\u00fcgig auf Praxistauglichkeit zu pr\u00fcfen. Denn wie gesagt: Die Deadline steht \u2013 2029. Und das ist schon bald.<\/p>\n<p><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 2029 wird das Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal Austragungsregion der Bundesgartenschau (Buga). Nun drehen sich viele \u00dcberlegungen darum, wie nicht nur das mehrmonatige Event von Bingen bis Koblenz in zehn Jahren selbst zu einem Erfolg werden kann. 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