{"id":356,"date":"2019-03-19T23:00:00","date_gmt":"2019-03-19T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/03\/19\/weltweit-angesehen-das-gitarrenfestival-koblenz\/"},"modified":"2019-03-19T23:00:00","modified_gmt":"2019-03-19T22:00:00","slug":"weltweit-angesehen-das-gitarrenfestival-koblenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/03\/19\/weltweit-angesehen-das-gitarrenfestival-koblenz\/","title":{"rendered":"Weltweit angesehen: das Gitarrenfestival Koblenz"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Biermann_0.jpg\" title=\"Foto: Torsten Jander\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-354\" alt=\"Foto: Torsten Jander\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Biermann_0.jpg\" style=\"float:right; height:480px; margin:5px; width:319px\" title=\"Foto: Torsten Jander\" width=\"319\" height=\"480\" \/> <\/a> Seit den fr\u00fchen 1990ern gibt es in Koblenz allj\u00e4hrlich ein Ereignis, von dem die breite \u00d6ffentlichkeit daheim zwar nur wenig Notiz nimmt, das aber in einem speziellen musikalischen Fach weltweit h\u00f6chstes Ansehen genie\u00dft: das International Guitar Festival &amp; Academy. Im jetzt 27. Jahrgang belegt das Festival im Juni eine gute Woche lang (2.6. &#8211; 10.6.) die gesamte Rhein-Mosel-Halle sowie das Kurf\u00fcrstliche Schloss. Dann kommen wieder Gitarristen vornehmlich der klassischen und jazzigen Richtung aus rund 50 L\u00e4ndern nach Koblenz, um zu lehren, zu lernen und zu konzertieren. Darunter finden sich renommierte Gro\u00df- und Altmeister aus dem Zupf-Fach, die hier mit den hoffnungsvollsten und besten Nachwuchstalenten zusammenkommen.<\/p>\n<p>Etwa 200 junge Gitarristen nehmen an den Meisterkursen und Workshops des Festivals teil, lernen dort von drei Dutzend hochkar\u00e4tigen Dozenten. Insgesamt 26 Konzerte bietet das Festival der interessierten \u00d6ffentlichkeit \u2013 von den Beitr\u00e4gen zum Wettbewerb des Festivals \u00fcber Solorecitals etwa Manuel Barruecos, Marcin Dyllas, David Russells und anderen bis hin zu gro\u00df besetzten Nachmittags- und Abendkonzerten.<\/p>\n<p>Einer der H\u00f6hepunkte 2019 ist am 9. Juni die Ehrenpreis-Verleihung des Festivals f\u00fcr das Lebenswerk an Wolf Biermann. Passend zum 30. Jahrestag des deutschen Mauerfalls wird damit ein Mann gew\u00fcrdigt, der auf ganz eigene nachdenkliche, kritische, renitente Art die Geschichte Deutschlands und der deutschen Teilung begleitet hat. Der deshalb einst von der DDR-F\u00fchrung zwangsausgesiedelt wurde. Wobei der Preis, erkl\u00e4rt Festivalgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Georg Schmitz, weniger dem politischen Engagement Biermanns gelte, sondern vor allem seiner hohen Kunst als Poet und insbesondere als Gitarrist. Mit seinem innovativen, die M\u00f6glichkeiten des Instruments auf immer neue Weise erprobenden und ausweitenden Spiel, und mit seinem unverwechselbaren markanten Gesang hat der Liedermacher Biermann auch der deutschen Liedkultur ganz neue Dimensionen er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>\u00dcber die Auszeichnung gerade f\u00fcr die musikk\u00fcnstlerische Seite seines Schaffens habe der jetzt schon 82-j\u00e4hrige Gitarrenbarde sich besonders gefreut, erz\u00e4hlt Schmitz. F\u00fcr das Festkonzert zur Preisverleihung in der Rhein-Mosel-Halle will er selbst nach Koblenz kommen und auch einige seiner St\u00fccke selbst vortragen. Daneben werden am Abend des 9. Juni namhafte Musiker und teils langj\u00e4hrige Weggef\u00e4hrten des Koblenzer Gitarrenfestivals Musik von und f\u00fcr Wolf Biermann spielen, darunter Olaf van Gonnissen, Hubert K\u00e4ppel, Nora Buschmann, Hans Werner Huppertz oder Frank Haunschild. Dieser Ehrenpreis des Festivals f\u00fcr ein Lebenswerk wird \u00fcbrigens nicht jedes Jahr vergeben, sondern nur unregelm\u00e4\u00dfig zu besonderen Anl\u00e4ssen an Zeitgenossen, die sich auf herausragende Weise um die Gitarrenkunst verdient gemacht haben. Nach Pepe &amp; Celin Romero, Konrad Ragossnig, John D\u2019Addario und Bernard Maillot ist Biermann erst der f\u00fcnfte Preistr\u00e4ger in 27 Jahren.<\/p>\n<h4>Ganz unscheinbare Anf\u00e4nge<\/h4>\n<p>Wir sind mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und Gr\u00fcnder des International Guitar Festivals &amp; Academy, Georg Schmitz in seinem Neuwieder B\u00fcro zum Gespr\u00e4ch \u00fcber Anf\u00e4nge und Geschichte der Unternehmung verabredet. Wie so oft stellt sichj auch in diesem Fall heraus: Die Anf\u00e4nge waren ausgesprochen unscheinbar und den ersten paar Durchl\u00e4ufen konnte kein Mensch ansehen, dass daraus mal ein Ereignis von internationalem Gewicht entstehen w\u00fcrde. Denn eigentlich sollte\/wollte Schmitz nur einen kleinen Event f\u00fcr Kammermusik und Jazz anl\u00e4sslich des 20. Geburtstages der Musikschule Koblenz, seiner damaligen und heutigen Arbeitsstelle, organisieren. Der Geburtstag wurde dann auch gefeiert mit einem Klassik-, einem Jazz- und einem Teilnehmerkonzert der von Beginn an mitveranstalteten Meisterkurse. Als Dozenten der ersten Stunde waren f\u00fcrs klassische Fach auch Hubert K\u00e4ppel und der Jazzer Frank Haunschild dabei.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Dylla.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-355\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Dylla.jpg\" style=\"float:right; height:455px; margin:5px; width:565px\" width=\"1024\" height=\"826\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Dylla.jpg 1024w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Dylla-480x387.jpg 480w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/Dylla-768x620.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a>Die Sache war gut gelaufen, und als das Folgejahr sich dem Ende n\u00e4herte, stand die Frage im Raum: Was tun \u2013 eine Neuauflage versuchen, mit wem, in welchem Rahmen, unter welcher Tr\u00e4gerschaft? \u201eVon einem speziellen Gitarrenfestival war da noch lange nicht die Rede\u201c, erinnert sich Schmitz. \u201eWir wollten einfach ein kleines, feines und qualitativ anspruchsvolles Musikfestival machen.\u201c Weil nun aber Schmitz selbst von Hause Gitarrist und Gitarrenlehrer ist, ebenso K\u00e4ppel und Haunschild es sind, bekam die Sache von Jahr zu Jahr mehr einen gitarristischen Schwerpunkt \u2013 und wuchs. Nach dem zweiten Durchlauf zog das Festival f\u00fcr drei Jahre auf den Lahnsteiner Hof Aspich um, wo oft die K\u00fche eine pittoreske Begleitstimme zur Musikkunst muhten. Dann wieder R\u00fcckkehr nach Koblenz; jetzt wurde der alte Rathaussaal zur zentralen Konzertst\u00e4tte des Festivals. Dort gab denn auch Pepe Romero sein erstes Solokonzert am Ort. Bis zum zehnten Jahr war schlie\u00dflich die Gitarre das un\u00fcbersehbar dominante Instrument des inzwischen als Verein organisierten und eingetragenen Festivals geworden.<\/p>\n<p>Im siebten Jahr hatte man auch in der Koblenzer Stadtf\u00fchrung begonnen zu ahnen, dass da ein Pfund heranw\u00e4chst, das der Rhein-Mosel-Stadt kulturell gut zu Gesicht steht. Erstmals gab es einen st\u00e4dtischen Zuschuss von 5000 Mark. Schmitz erinnert sich dankbar an die zu jener Zeit einsetzende Zusammenarbeit mit Bert Fl\u00f6ck, damals Chef der Koblenz-Touristik. Der \u00f6ffnete nicht nur den Weg f\u00fcr das Festival in die Rhein-Mosel-Halle, sondern \u201ezeigte mir auch, wie man das machen muss mit dem Managment und der B\u00fcrokratie; dar\u00fcber wusste ich ja fast gar nichts.\u201c Im elften Jahr kam schlie\u00dflich \u00fcber den seinerzeitigen Mainzer Kulturstaatssekret\u00e4r Joachim Hofmann-G\u00f6ttig die Festivalf\u00f6rderung durch das Land ins Laufen. Von dort flossen nun rund 5000 Euro in die Vereinskasse. Dass daraus ein feste St\u00fctze wird, daf\u00fcr sorgt seither der Kultursommer des Landes.<\/p>\n<h4>Rheinische Philharmonie seit 15 Jahren dabei<\/h4>\n<p>Mehr noch: Das Staatsorchester Rheinische Philharmonie stieg als orchestrale Verst\u00e4rkung ins Gitarrenfestival ein. Seit 15 Jahre schon ist nun das gro\u00dfe Konzert \u201eFriday Night for Guitar &amp; Orchestra\u201c einer der Festival-H\u00f6hepunkte. Und Schmitz schw\u00e4rmt geradezu vom \u201efantastischen und durchaus nicht selbstverst\u00e4ndlichen Einf\u00fchlsverm\u00f6gen, das dieses Orchester beim Zusammenwirken mit Sologitarre jedesmal wieder an den Tag legt\u201c. L\u00e4ngst ist das Koblenzer Guitar Festival mit seinem Konzert- und Akademieangebot eine feste Gr\u00f6\u00dfe in der internationalen Gitarrenszene geworden. Der gro\u00dfe Saal der Rhein-Mosel-Halle ist nicht mehr zu gro\u00df, weitere S\u00e4le hier und im Schloss werden belegt; die Kurse der Akademie verteilen sich auf R\u00e4umlichkeiten in der ganzen Stadt. Die Liebfrauenkirche ist Austragungsort der \u201eMusik zur Marktzeit\u201c. In der Citykirche am Jesuitenplatz findet die festliche musikalische Pfingstmesse in Kooperation mit den Arnsteiner Patres statt, deren Kollekte f\u00fcr einen wohlt\u00e4tigen Zweck eingesetzt wird.<\/p>\n<h4>Qualit\u00e4t und Kontinuit\u00e4t<\/h4>\n<p>Wie kommt es, dass eine anfangs unscheinbare lokale Initiative zu einem weltweit be- und geachteten Ereignis wird und sich \u00fcber 27 Jahre nicht nur h\u00e4lt, sondern stetig w\u00e4chst? Georg Schmitz hat daf\u00fcr eine einfache und klare Antwort: \u201eNie nachlassen im k\u00fcnstlerisch hohen Qualit\u00e4tsanspruch und auf verl\u00e4ssliche Kontinuit\u00e4t bauen \u2013 auch wenn\u2018s manchmal schwierig wird.\u201c Und schwierig wurde es schon das eine oder andere Mal in der bald drei Jahrzehnte w\u00e4hrende Gechichte dieses Festivals, vor allem wenn der Vereinsvorsitzende finanziell mit privaten Mitteln L\u00fccken f\u00fcllen oder Garantien abgeben musste. Bei der inzwischen erreichten Gr\u00f6\u00dfenordnung des Festivals ist solch eine Struktur nicht mehr vertretbar. Weshalb 2017 der Verein in eine Ggmbh mit sechs Gesellschaftern und Schmitz als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer umgewandelt wurde. Sie und die regelm\u00e4\u00dfig 30 bis 40 Helfer aus dem F\u00f6rderkreis des Festivals machen ihre Arbeit ehrenamtlich.<\/p>\n<p>Das Er\u00f6ffnungskonzert am 2. Juni (18 Uhr, Rhein-Mosel-Halle) mit Anton Bruckners gewaltiger 7. Sinfonie weist auf zwei Aspekte hin. Zum einen steht da ein rein orchestraler Gro\u00dfklassiker auf dem Programm und spielt die Gitarre \u00fcberhaupt keine Rolle. Schmitz erkl\u00e4rt das so: \u201eWir wollen nach wie vor kein lupenreines Festival nur f\u00fcr Gitarrenmusik sein, sondern eines f\u00fcr anspruchsvolle Musik.\u201c Zum anderen wird das Konzert bestritten vom Orchester der Hochschule f\u00fcr Musik Mainz. Darin sowie in einigen anderen Auftritten von Musikstudierenden aus Mainz manifestiert sich eine neue Kooperation des Guitar Festivals: N\u00e4mlich mit der Mainzer Hochschule, wo Dozenten des Koblenzer Festivals jetzt einen Masterstudiengang f\u00fcr Gitarre betreuen. So zieht auch im 27. Jahr das Koblenz International Guitar Festival &amp; Akademie immer weitere Kreise. <strong>Andreas Pecht<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size:12px\">Foto 1 (oben): Wolf Biermann. Foto Torsten Jande<br \/>\nFoto2 (unten): Marcin Dylla 2018 mit der Rheinischen Philharmonie. Foto: Harald Wittig<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.koblenzguitarfestival.de\">Infos: www.koblenzguitarfestival.de<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit den fr\u00fchen 1990ern gibt es in Koblenz allj\u00e4hrlich ein Ereignis, von dem die breite \u00d6ffentlichkeit daheim zwar nur wenig Notiz nimmt, das aber in einem speziellen musikalischen Fach weltweit h\u00f6chstes Ansehen genie\u00dft: das International Guitar Festival &amp; Academy. Im jetzt 27. Jahrgang belegt das Festival im Juni eine gute Woche lang (2.6. &#8211; 10.6.) 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