{"id":3556,"date":"2022-10-31T09:23:31","date_gmt":"2022-10-31T08:23:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/?p=3556"},"modified":"2022-11-01T11:36:41","modified_gmt":"2022-11-01T10:36:41","slug":"der-neue-autotrend-klein-langsam-nett-quergedanken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2022\/10\/31\/der-neue-autotrend-klein-langsam-nett-quergedanken\/","title":{"rendered":"Der neue Autotrend: klein, langsam, nett (&#8222;Quergedanken&#8220;)"},"content":{"rendered":"<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-875\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/quergedanken-logo.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"167\"> Es hat sich zwar noch nicht \u00fcberall rumgesprochen, ist aber eindeutig: Deutschland erlebt einen Epochenumbruch. Das ausgerechnet auf dem Feld seines scheinbar ewigen prim\u00e4ren Liebestriebes &#8211; dem automobilen. \u00dcber Generationen kannte dieser Trieb nur eine Richtung: Die Autos mussten von einem Kauf zum n\u00e4chsten immer gr\u00f6\u00dfer, immer st\u00e4rker, immer schneller werden. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Des deutschen Michels, auch vieler Michelinen, Streben nach immerw\u00e4hrendem Wachstum des eigenen Vehikels war ein schier mystisches Ph\u00e4nomen. Weit \u00fcber die praktische Bedeutung eines fahrbaren Untersatzes hinaus, wurde das Automobil zum Symbol f\u00fcr Erfolg, Ansehen, Status, Selbstwert, Sexappeal. Daran sollte der Umstieg vom Verbrenner aufs E-Auto nichts \u00e4ndern. Weshalb die Autoindustrie versuchte, mit ihrer Flotten-Elektrifizierung \u201evon oben\u201c \u2013 Vorrang f\u00fcr schnelle, opulente, protzige Modelle &#8212; die Vier-Rad-Begierden weiter anzuheizen. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Nun ist Schluss damit! Auch wenn es die Herrschaften in Wolfsburg, Ingolstadt, M\u00fcnchen nicht wahrhaben wollen. Im sp\u00e4ten 20. Jahrhundert mochte kaum noch jemand der Gro\u00dfeltern Gartenzwergsammlung vererbt bekommen. Eine \u00e4hnliche Trendwende erleben wir jetzt in der Autokultur: \u00dcberdimensionierte SUVs und Limousinen werden nicht nur als \u00f6kologischer Widersinn begriffen, sondern als piefiges Gemache, Getue, Protzgehabe belacht. Wer heute auf sich h\u00e4lt, Frau und Mann von Welt, reduziert, verkleinert. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Der Nobelpreistr\u00e4ger auf dem Fahrrad; die TV-Moderatorin in der Stra\u00dfenbahn; Minister*innen, Chef*innen, \u00c4rzt*innen, und jede Menge Normalos im Kleinwagen. Die Nachfrage nach kleinen Autos und Alternativen zum Auto \u00fcbersteigt l\u00e4ngst das Angebot. In der Industrie jedoch meint man blindlings weiter, mit dicken Kisten mehr Profit machen zu k\u00f6nnen. \u00dcbrigens: Wie es bei der automobilen Hardware einen Epochenumbruch gibt, so auch bei der Fahrweise: \u201eSpritzig-sportlich\u201c war gestern, \u201egem\u00e4chlich-flie\u00dfend\u201c hei\u00dft der neue Mainstream. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\u201e<span style=\"font-size: large;\">Du hast ja nicht mehr alle Tassen im Schrank!\u201c, zetert Freund Walter. \u201eDas genaue Gegenteil ist der Fall. Das Gros unserer Zeitgenossen ist v\u00f6llig beSUVen. Schimpft lauthals auf Benzin- und Strompreise, schei\u00dft aber drauf, wenn es um flott und gro\u00df geht. Die Zahl der immer fetteren Kisten &#8211; egal, ob Verbrenner oder elektrisch \u2013 steigt exorbitant, obwohl 90 Prozent der Leute so gro\u00dfe Innenr\u00e4ume\/Ladekapazit\u00e4ten und so viel Motorkraft gar nicht brauchen. Und hast du dir mal angeguckt, wie die neuen Vierrad-Viecher aussehen? Keine Spur Leichtigkeit, Sch\u00f6nheit, Chic. Es z\u00e4hlt nur noch das Aussehen nach Kraftprotz, Wuchtbrumme und Ich-Durchsetzung. Reine Brutalo-H\u00e4sslichkeit: gro\u00dfe Schnauze, Stiernacken, fetter Arsch. Und da schwadronierst du von automobilem Epochenumbruch. Geht\u2019s noch?\u201c<\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\"><span style=\"font-size: large;\">Wei\u00df ich doch, mein Lieber. Aber da Kritik am deutschen Autowahn seit Jahrzehnten vergeblich ist, versuche ich es jetzt mal auf jene Art, die die Autoindustrie seit jeher benutzt: Ich verkaufe positive Werte; fl\u00fcstere dem Publikum ein sch\u00f6neres Fahrgef\u00fchl, mehr Lebensqualit\u00e4t, gesteigertes Selbstwertgef\u00fchl und h\u00f6here Anerkennung ein, die einem durchs (neue) Auto zuteil werde. Ob das stimmt oder gelogen ist, hat in der Werbung ja noch nie eine Rolle gespielt. Nur hei\u00dfen meine Werte: kleiner, langsamer, netter. Trends, die es nicht gibt, muss man halt erzeugen, sagt eines der \u00e4ltesten Werbeprinzipien. Vielleicht klappt\u2019s. Darauf Walter: \u201epffffff\u201c. <\/span><\/p>\n<p class=\"western\" align=\"left\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es hat sich zwar noch nicht \u00fcberall rumgesprochen, ist aber eindeutig: Deutschland erlebt einen Epochenumbruch. 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