{"id":340,"date":"2014-03-24T23:00:00","date_gmt":"2014-03-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/03\/24\/wir-brauchen-keine-millionen\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:16","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:16","slug":"wir-brauchen-keine-millionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/03\/24\/wir-brauchen-keine-millionen\/","title":{"rendered":"Wir brauchen keine Millionen"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. Nach dem bayerischen Fu\u00dfballkr\u00f6sus m\u00fcssen auch wir gestehen: Walter und ich sind Gl\u00fccksspieler, Zocker. Immerhin keine Abzocker. Wir haben niemanden gesch\u00e4digt, erst recht den Staat nicht, sondern nur uns selbst. Drei Euro f\u00fcr jeden jede Woche, gesetzt in einer aussichtslosen Wette, aus 49 Zahlen 6 richtige zu erraten. Abz\u00fcglich einiger Kleingewinne hat uns das in 20 Jahren zusammen 5000 Euro gekostet \u2013 gezahlt an die staatliche Lottogesellschaft und damit wenigstens keinem Spekulanten in den Gierhals gestopft. Zum Trost verbuchen wir die verlorenen Eins\u00e4tze als freiwilligen Steuerzuschlag zwecks F\u00f6rderung des Allgemeinwohls.<\/p>\n<p>Es sind nicht ganz 5000. Denn wir lassen stets die Finger vom Spiel, wenn der Jackpot \u00fcber drei Millionen klettert. Das mag jeder Reiz-Reaktions-Logik widersprechen, war aber zwischen uns vom ersten Tippschein an vereinbart. Und zwar aus folgendem, zugegeben von purem Aberglauben herr\u00fchrendem Grund: Es m\u00f6chte sein, dass der Teufel uns gem\u00e4\u00df der Wahrscheinlichkeitsrechnung jeden durchschnittlichen Gewinn verwehrt \u2013 um dann \u00fcberraschend mit einem prallen Jackpot nach unseren Seelen zu greifen.<\/p>\n<p>\u201eNiemand, der auf Millionengewinn hofft, wird verstehen, was du meinst\u201d, brummt Walter. Kreuzgewitter, was ist denn daran so schwer zu begreifen? Also anders formuliert: Was sollte unsereins mit 8, 10 oder 20 Millionen anfangen? Champus (mag ich nicht) gluckern und von g\u00fcldenen Tellern Kaviar (mag ich nicht) futtern. Das kleine Westerwaldh\u00e4uschen (liebe ich) gegen eine Prachtvilla (mag ich nicht) in bester Rheinlage tauschen. Eine Nobeldatsche auf den Kanaren erwerben (ist mir zu umst\u00e4ndlich). Ins regionale Establishment (langweilig) aufsteigen und den Gro\u00dfb\u00fcrger im feinen Zwirn geben (ach Gottchen). Die Puppen tanzen lassen (zu herzlos). Durch Investieren aus dem Geld mehr Geld machen (v\u00f6llig sinnlos)&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Mein alter Lektor pflegte einst irgendeinen noch \u00e4lteren Gelehrten mit dem Satz zu zitieren: \u201eMacht macht b\u00f6se.\u201d Und meine Oma selig hatte stets den Spruch zur Hand: \u201eReichtum verdirbt den Charakter.\u201d Bei Marxens ihr&#8217;m Karl hie\u00df es: \u201eDas Sein bestimmt das Bewusstsein.\u201d Da wird nun mancher der ein bisschen Reichen und M\u00e4chtigen am Mittelrhein entschieden widersprechen. Ach, Kinners: Ich bin \u00fcber die Jahre etlichen von euch immer wieder begegnet, traf dabei nicht selten auf flei\u00dfige, kluge, umg\u00e4ngliche Unternehmer und Apparatschiks.<\/p>\n<p>Ich habe manchen aufsteigen sehen \u2013 und mehrfach erlebt, dass sich dabei peu a peu Habitus, Denken, Empfinden, Handeln ver\u00e4ndern. Mit einigen plaudere und trinke ich bis heute gerne, aber untergebener Angestellter wollte ich bei keinem sein. Walter hebt mahnend den Zeigefinger: \u201eDavor, Mister Querdenker, sind auch wir nicht gefeit. Mit ein paar Milli\u00f6nchen im Kreuz oder auf erh\u00f6hter Machtposition schmeckt die Welt halt anders als in den Niederungen. W\u00e4rest du Million\u00e4r w\u00fcrden deine Kommentare wom\u00f6glich die Lage der Nation nicht mehr nach dem Stand der sozialen Gerechtigkeit bemessen, sondern die Kapitalm\u00e4rkte zum Ma\u00df aller Dinge machen.\u201d<\/p>\n<p>Herr, bewahre mich vor dem Pferdef\u00fc\u00dfigen! Weshalb wir Lotto spielen nicht um reich zu werden. Wir tippen blo\u00df f\u00fcrs Tr\u00e4umen vom kleinen Gl\u00fcck: mit ein paar zehntausend Euro Gewinn bei etwas weniger Arbeitsstress und etwas mehr Unabh\u00e4ngigkeit uns m\u00f6glichst treu zu bleiben. Dummes Spiel, bl\u00f6des Laster? Ja nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 13. Woche im M\u00e4rz 2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Nach dem bayerischen Fu\u00dfballkr\u00f6sus m\u00fcssen auch wir gestehen: Walter und ich sind Gl\u00fccksspieler, Zocker. Immerhin keine Abzocker. Wir haben niemanden gesch\u00e4digt, erst recht den Staat nicht, sondern nur uns selbst. Drei Euro f\u00fcr jeden jede Woche, gesetzt in einer aussichtslosen Wette, aus 49 Zahlen 6 richtige zu erraten. 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