{"id":337,"date":"2014-06-23T22:00:00","date_gmt":"2014-06-23T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/06\/23\/heureka-der-ball-ist-rund\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:16","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:16","slug":"heureka-der-ball-ist-rund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/06\/23\/heureka-der-ball-ist-rund\/","title":{"rendered":"Heureka! Der Ball ist rund"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. \u201eDarf man Fu\u00dfball auch hassen?\u201d Mit dieser Schlagzeile ging mein Leib- und Seelenblatt \u201eDie Zeit\u201d in die erste WM-Woche. Hassen \u2013 das finde ich ein bisschen arg, verehrte Kollegen\/innen. Auch wenn angesichts der derzeitigen Massenwelle schier narrischer Liebe zur Kickerei die Betrachtung des emotionalen Gegenteils publizistisch nahe liegt. Nat\u00fcrlich darf man im Kopf alles. Die Gedanken sind frei, hierzulande ist es sogar das Wort. Trotzdem sollte sich dieser Tage jeder gut \u00fcberlegen, ob und wo er Abneigungen gegen Fu\u00dfball offenbart. Bei TV-Interviews unter sich vor Gro\u00dfleinw\u00e4nden in schwarz-rot-g\u00fcldener Kost\u00fcmierung vergn\u00fcgenden Fans war bisweilen zu h\u00f6ren: Deutsche, denen die WM mitsamt Abschneiden der deutschen Mannschaft schnurzpiepegal ist, seien \u201ebekloppt\u201d oder \u2013 da wird\u2019s nun doch etwas gruselig \u2013 \u201eundeutsch\u201d.<\/p>\n<p>Bekanntlich ist mein Interesse an dieser Sportart m\u00e4\u00dfig. Dennoch kann ich einem guten Spiel durchaus einiges abgewinnen. Als Zuseher, versteht sich. Selbst Ball und Mitspieler zu treten, k\u00e4me nie infrage. Grund: Ich bin bei zwischenmenschlichen Kulturtechniken (zu denen auch der Mannschaftssport geh\u00f6rt) zwar mit den H\u00e4nden recht geschickt, aber mit den Beinen leider ziemlich ungehobelt. Weshalb K\u00f6rpereinsatz, bei dem Handspiele mit Strafst\u00f6\u00dfen oder Rausschmiss geahndet werden, meine Sache nicht ist.<\/p>\n<p>Beim ersten WM-Spiel mit deutscher Beteiligung (kurz vor Verfassen dieses Textes) hielt sich das Genusspotenzial f\u00fcr mich in Grenzen. F\u00fchrungstor gegen Portugal durch Elfmeter in der 12. Minute, ab der 37. nur noch zehn demotivierte Gegenspieler, 3:0-Pausenstand: Damit war die Begegnung ergebnistechnisch zwar ein Fest f\u00fcr die Mannen aus Deutschland, aber hinsichtlich Spannung und Fu\u00dfballkunst nach der ersten H\u00e4lfte schon vorbei. Freund Walter, von der Fu\u00dfballeritis dauerinfiziert, f\u00fchrte dennoch die zweite Halbzeit hindurch Freudent\u00e4nze auf und gab lautstark die befremdliche Losung aus: \u201eUnd jetzt schlachten wir Portugal!\u201d Mir kommt das, mit Verlaub, unsportlich, ja unritterlich vor. Welche Ehre sollte gewinnen, wer einem bereits am Boden liegenden Gegner noch Tor um Tor reintritt. Es schossen dann \u201edie Unsrigen\u201d gottlob nur noch eines.<\/p>\n<p>Nachher, so ist zu h\u00f6ren, hat Portugals Boulevardpresse den Schiedsrichter aus Serbien als deutschfreundlichen Schieber durch den Fleischwolf gedreht. Was ungerecht ist: Der Mann urteilte hart, aber in der Sache tadellos. Die Schiedsrichterei ist halt ein undankbarer Job; bei umgekehrtem Spielverlauf h\u00e4tten \u201eBild\u201d und Co. wohl eine serbisch-portugiesische Verschw\u00f6rung angeprangert. \u00dcberhaupt scheint das eine Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit im Fu\u00dfball zu sein: Die Verliererseite sieht im Schiri den schuldigen Depp; und da immer einer verliert, bleibt der Unparteiische selten ungeschoren. Liebe macht eben blind, weshalb auch der Fu\u00dfballgemeinde die Hass-Frage gestellt werden kann: Darf man Schiedsrichter oder gegnerische Mannschaften oder Fu\u00dfballver\u00e4chter hassen?<\/p>\n<p>Oder mal andersrum gefragt: Kann man den Fu\u00dfball angesichts seiner kommerziellen und verbandspolitischen Verhurung noch mit hei\u00dfbl\u00fctiger Unschuld lieben? Jetzt ist es an Walter, auf den Tisch zu hauen: \u201eJa verdammt, man kann, darf, soll! Wir lassen uns doch von Werbefuzzis, miesen Gelds\u00e4cken und korrupten Funktion\u00e4ren den Spa\u00df am Spiel nicht verderben \u2013 solange der Ball rund ist und zwei Mannschaften eifrig um ihn ringen.\u201d Heureka!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 26.\/27. Woche im Juni 2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eDarf man Fu\u00dfball auch hassen?\u201d Mit dieser Schlagzeile ging mein Leib- und Seelenblatt \u201eDie Zeit\u201d in die erste WM-Woche. Hassen \u2013 das finde ich ein bisschen arg, verehrte Kollegen\/innen. Auch wenn angesichts der derzeitigen Massenwelle schier narrischer Liebe zur Kickerei die Betrachtung des emotionalen Gegenteils publizistisch nahe liegt. Nat\u00fcrlich darf man im Kopf alles. 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