{"id":332,"date":"2014-11-23T23:00:00","date_gmt":"2014-11-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/11\/23\/rein-ins-postwachstumsleben\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:15","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:15","slug":"rein-ins-postwachstumsleben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2014\/11\/23\/rein-ins-postwachstumsleben\/","title":{"rendered":"Rein ins Postwachstumsleben"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. In Lutz Seilers Roman \u201eKruso\u201d hat mich folgender Satz regelrecht angefallen und nicht mehr losgelassen: \u201eIch m\u00f6chte einen Platz auf der Welt, der mich aus allem heraush\u00e4lt.\u201d Es war, als schalte er in der Tr\u00fcbnis meiner j\u00fcngsten Stimmungen das Licht dieser Erkenntnis an: Schnauze voll vom ekligen Weltengang \u2013 von Wachstumswahn und Wandlung des Menschen zur verbl\u00f6deten Konsummaschine, von Auszehrung der Freiheit durch Finanzkapital und Bigdata&#8230; Erst recht die Schnauze voll von der Verarsche, dies sei \u201eFortschritt\u201d. Ich m\u00f6chte einen Platz auf der Welt, der mich aus allem heraush\u00e4lt.<\/p>\n<p>\u201eNix da, verpissen geltet nicht! Der Herr Querdenker haben blo\u00df den November-Blues\u201d, platzt Freund Walter in die Melancholie und watscht mir einen Satz von Harald Martenstein auf die Backen: \u201eMan sollte sich mit den Starken anlegen, man sollte mit jedem Text, mit vollen Segeln in den Shitstorm hineinsteuern.\u201d Ist doch sinnlos, mein Lieber. Schau Dir blo\u00df den Weihnachstrubel an: Der Kapitalismus hat die Quadratur des Kreises hingekriegt, er hat die Deutschen zum geizigsten Schn\u00e4ppchenj\u00e4ger-Volk auf Erden gemacht und l\u00e4sst sie zugleich so viel Geld wie nie zuvor noch f\u00fcr die deppertsten Konsumg\u00fcter verschwenden.<\/p>\n<p>\u201eJa, ja, ja, der Neoliberalismus frisst Hirne, Herzen, Leiber; manipuliert W\u00fcnsche, Lebenspl\u00e4ne, Gl\u00fccksgef\u00fchle; deformiert Mit- und Zwischenmenschlichkeit. Schreib&#8216; weiter \u2013 denn verloren haben wir erst, wenn keiner mehr merkt, was vor sich geht und niemand mehr \u00f6ffentlich Ansto\u00df daran nimmt.\u201d So spricht der Freund zornig, und w\u00e4hrend er spricht hauen meine Finger schon wieder munter in die Tasten. Dann sagt er dies: Abseits des Mainstreams g\u00e4be es inzwischen eine Menge Leute, die mit dem Postwachstumsleben einfach schon mal anfangen. Die nicht l\u00e4nger auf Politik und Wirtschaft warten, weil denen zu allem sowieso nur einfiele, nach noch mehr Wachstum zu schreien. Obwohl doch jeder Vern\u00fcnftige wisse, dass Umverteilung und Reduktion das Gebot der Stunde sein m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Und Walter erz\u00e4hlt vom Spa\u00df, den es macht, die Konsumeinfl\u00fcsterer auflaufen zu lassen. Wie? Durch Verhalten nach folgenden Regeln: Die beste Kaufentscheidung ist, nicht zu kaufen. Die n\u00e4chstbesten Kaufentscheidungen sind, kleiner und weniger kaufen, nur Reparierbares kaufen, prim\u00e4r regional kaufen, \u00f6fter gemeinsam kaufen und das Gekaufte gemeinsam nutzen. Nur kaufen, was man nach reiflicher \u00dcberlegung tats\u00e4chlich braucht und\/oder dauerhaft wertsch\u00e4tzt. Andere Gewohnheiten ein\u00fcben, die L\u00e4ngernutzung von G\u00fctern den Vorzug geben vor Neuanschaffung. Selber machen, woran man Freude hat, es zu machen; etwa Obst\/Gem\u00fcse ziehen, Socken stricken oder Genossenschaften gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Klingt etwas abstrakt, aber Walter und ich tragen an einem schlie\u00dflich (feucht)fr\u00f6hlichen Abend 1000 praktische Ideen zusammen, die zeigen: Jeder kann auf seine Weise \u2013 und ohne tausende Euro f\u00fcr neue \u201eSpartechnik\u201d auszugeben \u2013 einsteigen in den Ausstieg aus dem Wachstumskarussell. Wird die Welt dadurch besser? Schlechter jedenfalls nicht. Was garantiert besser wird, ist das eigene Lebensgef\u00fchl. Denn: Sich weniger vom Lohn f\u00fcr unsinniges Neuzeug abluchsen zu lassen, macht gute Laune, n\u00fctzt der Umwelt und unseren Nachfahren. Gleich t\u00f6nt Wehgeschrei aus allen Oberetagen: W\u00fcrden Millionen so verfahren, das Wachstumsmodell w\u00e4re im Eimer. Dazu Walter: \u201eDas ist der Sinn der Sache.\u201d Und jetzt ein Shitstorm der Wachstumsfraktion.<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 48. Woche im November 2014)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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