{"id":319,"date":"2015-08-25T22:00:00","date_gmt":"2015-08-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/08\/25\/in-der-hitze-der-nacht\/"},"modified":"2015-08-25T22:00:00","modified_gmt":"2015-08-25T21:00:00","slug":"in-der-hitze-der-nacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2015\/08\/25\/in-der-hitze-der-nacht\/","title":{"rendered":"In der Hitze der Nacht"},"content":{"rendered":"<p>ape. Wenn Sie das hier lesen, sind die Hitzewellen des 2015er Sommers wom\u00f6glich schon ausgestanden. Ob der Herbst ein goldiger oder grauer wird, wei\u00df niemand. Denn ehrw\u00fcrdige Bauernregeln gelten nicht mehr. Zwar ist das Wetter f\u00fcr die n\u00e4chsten paar Tage bisweilen etwas zuverl\u00e4ssiger vorhersagbar, ansonsten aber g\u00e4nzlich unberechenbar, weil Jahrhunderte alte Wahrschheinlichkeits-Beobachtungen mitsamt G\u00f6tterbeschw\u00f6rungen im menschengemachten Klimadurcheinander halt nix n\u00fctzen. So bleibt f\u00fcrs allf\u00e4llige Plaudern \u00fcbers Wetter neben der verl\u00e4sslichsten aller Wetter-Apps (Blick aus dem Fenster) nur das j\u00fcngst Erlebte.<\/p>\n<p>Bestens erinnerlich sind heuer die Hitzetage 30plus bis 40. Fast mehr noch die N\u00e4chte, in denen Schlaf zum d\u00f6sigen Bad im eigenen Saft wurde. Was die Tage angeht, so hat jetzt hoffentlich auch der Letzte kapiert, warum s\u00fcdl\u00e4ndische Kulturen von Alters her anders ticken als hiesige: Langsamkeit ist bei Gluttemperaturen ebenso pure \u00dcberlebenstechnik wie die ausgedehnte Siesta. Und ob die summarische Wirtschaftsbilanz \u00fcber den Sommer unter solcher Praxis mehr leidet als unter technischer Vollklimatisierung, das hat noch keiner ausgerechnet. \u00d6kologisch indes ist klar: Vollklimatisierung stellt wegen des horrenden Energieverbrauchs einen gravierenden R\u00fcckschritt dar gegen\u00fcber Langsamkeit, Siesta, Hitzefrei.<\/p>\n<p>In einer dieser N\u00e4chte, da selbst Nacktheit auf statt im Bett nichts half, obendrein stechlustigen Besuchern derart allzu viel Angriffsfl\u00e4che geboten ward, trieb es mich vom verschwitzten Lager. Was tun nachts um dreie? F\u00fcr gute Lekt\u00fcre ist das Hirn zu tr\u00e4ge und zu solcher Stunde w\u00e4re das fr\u00fchere Testbild wohl die interessantere Alternative im TV-Programm. Also den PC hochgefahren, um einige Foren abzuklappern, auf denen \u00d6ffentlichkeit aktuelle Ereignisse diskutiert. Ich h\u00e4tte es besser gelassen! Nach 30 Minuten dachte ich bei der Zeile \u201eIn der Hitze der Nacht\u201d nur noch an den gleichnamigen 1967er-Film \u00fcber eine von dumpfem Rassismus durchseuchte US-Kleinstadt. Ich war geneigt, jedes Vertrauen in Vernunft und Menschlichkeit eines Teils meiner Landsleute vollends fahren zu lassen.<\/p>\n<p>Das Thema Fl\u00fcchtlinge dominierte den Diskurs. Ach was Diskurs; das war oft brutalstes Gekeife wider die humane Selbstverst\u00e4ndlichkeit, hilfsbed\u00fcrftigen Menschen zu helfen, eben weil sie Menschen sind. Ich mag nicht wiederholen, welche Uns\u00e4glichkeiten da gesagt werden, mal in braunrassistischer Offenheit, mal in scheinbar gem\u00e4\u00dfigter \u201eSorge ums Vaterland\u201d. Ich will hier nur daran erinnern, dass 100 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung in der ersten, dritten oder x-ten Generation Abk\u00f6mmlinge von Migranten sind. Und ich will daran erinnern, dass noch niemals (!!) in der Menschheitsgeschichte irgendjemand mit welchen Mitteln auch immer die Wanderung von Menschen, ja ganzen V\u00f6lkern verhindern konnte \u2013 die sich fern einer gef\u00e4hrdeten, gebeutelten, elenden Heimat \u00dcberleben, Schutz, Auskommen, ein bisschen Gl\u00fcck erhofften.<\/p>\n<p>Flucht, Wanderung, Migration und stets aufs Neue Vermischung der V\u00f6lker sind eine ewige Eigenschaft unserer Spezies: seit dem Zuzug des Homo sapiens von Afrika her; seit der Einwanderung von Kelten, Germanen, Goten nach Mittel- und Westeuropa; seit den gro\u00dfen Wanderbewegungen w\u00e4hrend Industrialisierung, Kolonialismus und infolge neuzeitlicher Kriege; seit dem Westzug von fast vier Millionen Ostdeutschen nach dem Mauerfall \u2026<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 35.\/36. Woche im August\/September 2015)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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