{"id":314,"date":"2019-02-02T23:00:00","date_gmt":"2019-02-02T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/02\/02\/die-kunst-des-erwin-wortelkamp\/"},"modified":"2019-02-02T23:00:00","modified_gmt":"2019-02-02T22:00:00","slug":"die-kunst-des-erwin-wortelkamp","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/02\/02\/die-kunst-des-erwin-wortelkamp\/","title":{"rendered":"Die Kunst des Erwin Wortelkamp"},"content":{"rendered":"<p><em>Vortrag auf der Festung Ehrenbreitstein am 3. Februar 2019 im Rahmen der Finissage zur Ausstellung \u201eErwin Wortelkamp. Wehrhaft oder was gilt es zu verteidigen\u201c. (Unkorrigiertes Redemanuskript)<\/em><\/p>\n<h4><span style=\"font-size:14px\">Meine Damen und Herrn, liebe Kunstfreunde,<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-size:14px\">nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich jetzt 15 Min\u00fctchen eine nette, liebe, brave Verabschiedungs-Rede auf die Wortelkamp-Ausstellung halten. Aber das l\u00e4ge mir nicht und w\u00fcrden Sie von mir wohl auch nicht erwarten. Vor allem aber w\u00e4re ein solch wohliges Harmoniebad weder dem Charakter des K\u00fcnstlers, noch dem Wesen seiner Werke angemessen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Also: Es hat soeben der schaffende K\u00fcnstler gesprochen, jetzt spricht der interessierte Betrachter seiner Kunst. Das sind zwei durchaus verschiedene Blickwinkel, die zu sehr unterschiedlichen Anschauungen f\u00fchren (K\u00d6NNEN). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Das Verlangen nach Freiheit der Kunst umfasst stets zwei Freiheiten. Auf der einen Seite ist das die Freiheit des K\u00fcnstlers, zu schaffen und \u00f6ffentlich zu pr\u00e4sentieren, was immer er mag und selbst f\u00fcr richtig h\u00e4lt. Auf der anderen Seite kann, darf und soll der Betrachter, der Rezipient, das Publikum f\u00fcr sich die Freiheit in Anspruch nehmen, den Werken der Kunst nahezutreten mit je eigenem Blick, eigenem Begreifen, eigenem Interpretieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Seit gut drei Jahrzehnten predige ich: Wer bei der Erstbegegnung mit einem Kunstwerk sofort und vorneweg die Frage aufwirft \u201eWas will der K\u00fcnstler uns sagen?\u201c, der stellt einfach die FALSCHE Frage zum falschen Zeitpunkt. Denn just diese Frage beraubt einen augenblicklich der eigenen Freiheit als Betrachter. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Sie verbaut das Wunderbare der Erstbegegnung des Rezipienten mit dem Werk. Und was ist dieses Wunderbare? Es ist die individuell-intime Beziehung, die zwischen beiden entstehen kann, wenn der Betrachter das Werk erstmal nur unvoreingenommen auf sich wirken l\u00e4sst. Wenn er sich dann bewusst zu machen versucht, was er, der Hinschauer SELBST im Werk sieht oder sehen will. Wenn er zu begreifen bem\u00fcht ist, was das WERK ihm sagt oder sagen kann, was es mit ihm macht oder machen k\u00f6nnte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Ich wei\u00df nicht, wie sich das bei Erwin Wortelkamp verh\u00e4lt. Aber ich wei\u00df von manchem K\u00fcnstler, f\u00fcr den das ein ausgesprochen schwieriger Moment ist: Diese Spanne, w\u00e4hrend der das Ergebnis seines Schaffens IN DER BEGEGNUNG MIT DEM PUBLIKUM sich vom Einfluss seines Sch\u00f6pfers l\u00f6st. Denn selbstredend ist es nie garantiert, dass die Betrachter just dasselbe im Kunstwerk sehen, was der K\u00fcnstler hat ausdr\u00fccken wollen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Nehmen wir als Beispiel jene raue, graue Holzstrebe, die Wortelkamp drau\u00dfen hoch \u00fcber dem Hauptweg der Festung zwischen zwei noch h\u00f6here Festungsmauern gekeilt hat. Als ich diesen \u201eQuerbalken\u201c entdeckte, schoss mir unwillk\u00fcrlich \u2013 und in v\u00f6lliger Unkenntnis dessen, was der K\u00fcnstler vielleicht damit sagen will \u2013 folgender Eindruck durch den Kopf: Dieses Holz st\u00fctzt die Mauern nicht, es <u>wehrt sich gegen sie<\/u>. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Anno 1970 hat Wortelkamp schonmal etwas \u00e4hnliches gemacht. Im \u00d6rtchen Monschau quetschte sich bei einer Stra\u00dfenaktion in einer schmalen Gasse ein riesiger transparenter Luftballon zwischen zwei alte Fachwerkh\u00e4user, die sich \u00fcber Jahrhunderte in leichter Schieflage einander zuneigt hatten. Schon das alte Schwarz-wei\u00df-Foto, das es davon gibt, erzeugt eine ganz andere Wirkung als die Querbalkenkonstruktion drau\u00dfen auf dem Festungsweg: Der Ballon wirkt wie ein freundlicher Helfer, der die alten Gem\u00e4uer st\u00fctzt und vor dem Umfallen bewahrt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Hier hingegen auf der Festung, entsteht bei besagtem Querbalken ein ganz anderer Eindruck: Festungsarchitektonisch ist die besagte Engstelle des Hauptweges gedacht als Mausefalle f\u00fcr den Feind. Dicht zusammengedr\u00e4ngt sollten Angreifer sich dort kaum bewegen k\u00f6nnen, sollten sich klein, ungesch\u00fctzt, bedroht f\u00fchlen \u2013 und dann tats\u00e4chlich von obenherab beidseitig bombardiert werden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Indem das Kunstwerk nun ANDR\u00dcCKT gegen die Enge, andr\u00fcckt gegen das Bestreben der gewaltigen Festungsmauern, f\u00fcr die Menschen unten den Himmel zu verd\u00fcstern, gewinnt dieses Werk <u>an diesem Ort<\/u> F\u00dcR MICH eine um Menschlichkeit k\u00e4mpfende, wehrhafte Bedeutung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Das ist <u>meine<\/u> Interpretation <u>dieser<\/u> Arbeit Wortelkamps an <u>dieser<\/u> Stelle da drau\u00dfen. Und um ehrlich zu sein: Es interessiert mich in solchen Augenblicken des Entdeckens und ersten Schauens auch nicht, was der K\u00fcnstler mir vielleicht sagen will. Dieser Moment geh\u00f6rt ganz allein der intimen Begegnung zwischen dem Werk und mir, dem Betrachter. Sp\u00e4ter freilich kann es umso interessanter werden, zu h\u00f6ren, welche Bedeutung der K\u00fcnstler dem Werk zugedacht hatte und was die Kunsthistoriker dazu meinen. Aber das ist dann erst der zweite oder dritte Schritt der Rezeption.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Jeder von Ihnen hier im Saal mag dem besagten Querholz eine andere Bedeutung zugesprochen haben \u2013 so ihnen das Werk \u00fcberhaupt ins Auge gefallen ist. An einem anderen Ort anders eingesetzt, w\u00fcrde dasselbe Holzst\u00fcck eine v\u00f6llig andere Bedeutung bekommen. Will sagen: Wortelkamps Werke, jedenfalls die meisten, ver\u00e4ndern ihre Bedeutung je nach Umgebung, in der sie pr\u00e4sentiert werden. <u>Was von ihrem Erschaffer gewollt ist! <\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Wo Erwin Wortelkamp zu Gange ist, muss man folglich stets auch die Umgebung, in der seine Werke ausgestellt sind oder eingesetzt werden, genau im Auge behalten. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Ich bin hier oben auf der Festung drau\u00dfen und drinnen einigen seiner Arbeiten wiederbegegnet, die ich teils in vorherigen Jahren bei einer Gruppenausstellung im Arp-Museum sah oder die im Landesmuseum Mainz 2016 \u2013 oder war\u2018s 2017? \u2013 in die dortige Dauerausstellung eingef\u00fcgt waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Jedesmal wirkten sie anders und hatten eine v\u00f6llig andere Bedeutung. So traf man beispielsweise im Mainzer Museumsaufzug auf eine kleineren Vertreter aus Wortelkamps K\u00f6pfe-Reihe. Verschreckt, verloren oder sich versteckend stand jene schrundige, verwundete, maltr\u00e4tierte vage Kopfform aus Holz, Erden und hineingetriebenen Eisenst\u00fccken in der glitzernden Kabine. Ein leidendes H\u00e4ufchen Elend, quasi leise weinend auf die zivilisatorische Kehrseite des Glitzerns weisend. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Einen solchen Kopf haben wir auch hier oben. Da drau\u00dfen steht er. Aber hier versteckt er sich nicht, sondern steht zentral vor allen Augen. Er ist um vieles gr\u00f6\u00dfer als sein Geschwisterchen damals im Mainzer Museumsaufzug \u2013 aber er ist nicht weniger verwundet. So wird dieser Kopf dort drau\u00dfen in der FESTUNGS-Umgebung von mir verstanden als anklagendes Mahnmal, das in lauter, auch w\u00fctender Nachdr\u00fccklichkeit ruft: Oh <u>Mensch, sieh und bedenke, was du dir antust!<\/u> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Da die Umgebung hier oben eine sehr besondere ist, nimmt so manche Wortelkamp-Arbeit hier eben auch einen besonderen Charakter an. Ich bin mir relativ sicher, dass Wortelkamp wahrscheinlich in viel st\u00e4rkerem Ma\u00dfe, als die meisten von uns anderen das mittlerweile tun, die Festung Ehrenreitstein als Festung wahrgenommen hat: Nach ihrer Architektur als einstige Kriegsmaschine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Und so nehmen seine hier ausgestellten Arbeiten, vor allem die im Au\u00dfenbereich, immer wieder Bezug auf das in Architektur gegossene milit\u00e4rische Wesen ihrer diesmaligen Umgebung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Zuerst sind sie vor allem St\u00f6r- oder Stolpermomente im gewohnten Umgebungsbild. Sie irritieren den Hinseher, stellen in Frage, was ihm seit langem und bis eben noch als selbstverst\u00e4ndlich galt. Zugleich \u00f6ffnen sie oft den Weg zu neuen Blickhorizonten und damit auch neuen Denkarten. Ich empfinde es als grundlegenden Wesenszug von Wortelkamps Kunst, dass sie das Gewohnte, das Dominante, den Mainstream \u00e4sthetisch wie inhaltlich st\u00f6rt, an ihm r\u00fcttelt, ihn unterminiert. Kurzum: Diese Kunst wollte immer und will noch immer die kritische Befragung der Welt provozieren. Insofern ist sie wehrhaft \u2013 wehrt sich in der Festungsumgebung gegen die kriegerische Wehrhaftigkeit einer Architektur, die urspr\u00fcnglich auch feudalen Herrschaftsanspruch untermauerte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">\u201eSchau her, so k\u00f6nnte es auch sein\u201c singt ein zart und sch\u00f6n geschwungenes Grauholz in befriedender Utopie-\u00c4sthetik, das dort an einer d\u00fcsteren Wehrmauer h\u00e4ngt. \u201eHier stehe ich, und trotze unbewaffnet euren Kanonen\u201c signalisiert die Zweibeinige Schwarzholzskulptur vor den Schie\u00dfscharten einer Festungsbatterie (siehe Foto auf ihrer Einladung). Derart k\u00f6nnten wir alle Au\u00dfenkunstwerke der Reihe nach abschreiten und noch einmal schauen, in welch spannender Beziehung sie zum steinernen Preu\u00dfen-Bollwerk stehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Meine Damen und Herrn,<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schwierig es f\u00fcr Erwin Wortelkamp war, die Innenpr\u00e4sentation in der hiesigen R\u00e4umlichkeit aufzubauen. Denn die beiden Flure mit den immergleichen Kasemattenalkoven schr\u00e4nken die M\u00f6glichkeiten eines beziehungsreichen Kommunikationsverh\u00e4ltnisses zwischen Werken und Umgebung doch betr\u00e4chtlich ein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Und ich kann mir deshalb auch gut vorstellen, wie schwierig es f\u00fcr die anderen Beteiligten bisweilen war, mit Erwin Wortelkamp diesen Weg zu gehen. Denn dieser Mann ist genau wie viele seinerWerke: Querk\u00f6pfig, manchmal sperrig, irritierend, verst\u00f6rend, kantig, resolut, provokant \u2013 also widerst\u00e4ndig und wehrhaft eben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Seine Kunstwerke m\u00fcssen hier im Innenraum etwas machen, was sie nicht wirklich gewohnt sind: Sie m\u00fcssen <u>miteinander<\/u> kommunizieren, sich <u>aufeinander<\/u> beziehen, sich <u>aneinander<\/u> reiben. Sie m\u00fcssen auch nach Art einer musealen Lebenswerkausstellung die Entwicklung ihrer selbst von den 1960\/70ern bis heute darstellen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">\u201eNa und\u201c, k\u00f6nnten SIE einwenden. \u201eSo ist das nunmal bei Werkausstellungen im Museum.\u201c Stimmt, und es ist ja auch die Innenausstellung sehr sch\u00f6n geworden. Zugleich aber ist sie an nicht wenigen Stellen quasi eine kunsthistorische Abstraktion. Eine Abstraktion, die so manches Exponat \u2013 klar, das geht nicht anders \u2013 losgel\u00f6st von seinem urspr\u00fcnglichen Element zeigt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Nehmen wir als Beispiel die Meditationskabine oben. Jenen nach allen Seiten offenen Kasten aus einem Metallgest\u00e4nge. Etliche solcher K\u00e4sten hatte Wortelkamp w\u00e4hrend der 1970er in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen und Formaten gebaut. Dann stellte er sie in den \u00f6ffentlichen Raum, in Frankenthal beispielsweise mitten in ein Kaufhaus \u2013 auf dass Passanten sich hineinstellen, um mit sich und mit der jeweiligen Umgebung etwas Beruhigendes oder Aufregendes anzufangen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Die Kastenrahmen waren damals Teil \u00f6ffentlicher Aktionskunst, die selbst vor dem Wormers Luther-Denkmal nicht halt machte: Auch dem steirnernen Reformator wurde im Fr\u00fchjahr 1971 eine Meditationskabine verpasst. Was \u2013 sie k\u00f6nnen es sich vorstellen \u2013 in Worms, sagen wir mal: auf ein durchaus geteiltes Echo stie\u00df. Nun steht so eine Kabine hier im Museum, und man wei\u00df nicht recht: Ist das Kunst, oder haben die Handwerker den Rest einer Verpackungskiste stehen lassen? <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Dem Werk fehlt sein ureigentliches Lebensumfeld. Und so geht es anderen Werken ebenfalls. Einige gewinnen in der spezifischen musealen Pr\u00e4sentationsform der Festungsgew\u00f6lbe ganz neue, teils sehr ansprechende Wirkungen. Etwa die zu Gruppen gestellten H\u00e4nde oder die Holzarbeit \u201eLiegende\u201c und der aus ihr herausges\u00e4gte Kopf. Andere Exponate bleiben prim\u00e4r kunsthistorische Dokumente. Das gilt nicht zuletzt f\u00fcr die \u00fcberwiegend metallenen Arbeiten aus der Fr\u00fchphase sowie die Zeugnisse von Wortelkamps damaliger kritischer Performance-Auseinandersetzung mit den Wohnbatterien der fr\u00fchen Republikzeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Meine Damen und Herrn, von mir altem Gesellschaftskritiker und Grantler wird der Herr Wortelkamp als quasi Verwandter im Geiste hoch gesch\u00e4tzt. Gleichwohl k\u00f6nnte es sein , dass er mit meinen hier vorgetragenen Interpretationen und Deutungen seiner Arbeit teilweise oder v\u00f6llig \u00fcberkreuz liegt. Das kann passieren, wenn die Freiheit des K\u00fcnstlers und die Freiheit des Betrachers aufeinander sto\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">In diesem Falle sei allerdings angemerkt: Einen nicht unerheblichen Anschub daf\u00fcr, Wortelkamps Kunst in ihrer Beziehung zu der sie jeweils umgebenden Welt zu betrachten, erhielt ich von Wortelkamp selbst. Wie das zuging, sei zum Abschluss meiner kleinen Ansprache kurz erz\u00e4hlt: <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Es mag drei oder vier Jahre her sein. Da f\u00fchrte mich Erwin Wortelkamp an einem eisig kalten Wintertag hoch droben im Westerwald durch seine \u201eIm Tal\u201c genannte Landschaft mit Kunst. Gut drei Stunden waren wir unterwegs \u2013 auf den Spuren der Wechselwirkungen zwischen Arbeiten von 50 namhaften K\u00fcnstlern mit der umgebenden Natur. Dieses \u201eIm Tal\u201c ist ein \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliches Gesamtkunstwerk aus vielen k\u00fcnstlerischen wie landschaftlichen Teilen \u00fcber mehrere Quadratkilometern \u2013 gewachsen \u00fcber drei Jahrzehnte unter der \u00c4gide Wortelkamps gleich hinter seinem Westerw\u00e4lder Wohn- und Arbeitshaus. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Und dort lehrte der K\u00fcnstler mich, den erb\u00e4rmlich frierenden Kulturjournalisten, genauer zu schauen: auf Blicklinien zu achten, auf kleine Schneisen im Wald oder auf Parallelen zwischen einem Kunstwerk, der n\u00e4chsten Stra\u00dfe und der Horizontlinie. Er wies mich auf nonverbale Kommentare manchen Werkes zur Umgebung oder auch zum n\u00e4chsten und \u00fcbern\u00e4chsten Werk hin. Er stie\u00df mich buchst\u00e4blich mit der Nase auf Verflechtungen aus Kunst mit benachbarter Landwirtschaft. Und vieles mehr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Genauer schauen und widerst\u00e4ndiger denken: Das ist es nach meinem Daf\u00fcrhalten vor allem, was Betrachter von der Wortelkamp\u2018schen Kunst lernen k\u00f6nnen. Und das ist nicht wenig gerade in heutiger Zeit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px\">Danke f\u00fcr ihre Aufmerksamkeit. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag auf der Festung Ehrenbreitstein am 3. Februar 2019 im Rahmen der Finissage zur Ausstellung \u201eErwin Wortelkamp. Wehrhaft oder was gilt es zu verteidigen\u201c. (Unkorrigiertes Redemanuskript) Meine Damen und Herrn, liebe Kunstfreunde, nat\u00fcrlich k\u00f6nnte ich jetzt 15 Min\u00fctchen eine nette, liebe, brave Verabschiedungs-Rede auf die Wortelkamp-Ausstellung halten. 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