{"id":311,"date":"2019-01-25T23:00:00","date_gmt":"2019-01-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/01\/25\/mit-schmackes-helolaulaaf\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:12","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:12","slug":"mit-schmackes-helolaulaaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2019\/01\/25\/mit-schmackes-helolaulaaf\/","title":{"rendered":"Mit Schmackes: Helolaulaaf!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape<\/strong>. Doch, ja: Ich war mal begeisterter Fasenachter, Karnevalist, Jeck, oder wie ihr die Dollerei-Aktivisten nennen m\u00f6gt. Ist lange her und hatte mit einem richtig ernsten Kinderwunsch zu tun. Endlich durfte ich mal \u00e4u\u00dferlich der werden, der ich in meiner Fantasie immer war: ein Indianer. Mit Federschmuck, Fransenanzug und Kriegsbemalung konnte ich f\u00fcr ein paar Tage der Umgebungsbagage die stolze Verachtung des Apachen entgegen schleudern; konnte dem knurzigen Nachbarn die Flinte unter die Nase halten und ihn mit einem \u201ewei\u00dfer Mann ist b\u00f6ser Mann\u201c verknurren.<\/p>\n<p>Vielleicht r\u00fchrt von diesem kindlichen Ernst f\u00fcr die Verkleidung jene giftige Opposition gegen alles Karnevalsgehabe, die mich nachher im Jugendalter befiel. Obwohl man als Pubertierender ja die Augen nicht lassen konnte von den gleichaltrigen oder \u00e4lteren kurzberockten Funkenmariechen, galt einem doch das ganze Garde- und Uniformged\u00f6hns als Ausbund von Militarismus. Hinzu kam, dass seinerzeit die Sitzungen der Saalfastnacht dem J\u00fcngling vorkamen wie Standesversammlungen der klein- und gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Hautevolee. Und lange dominierten ja auch dementsprechende B\u00fcttenreden die Szenerie. Protokoller, Till, d\u00e4 Schutzmann, Rumpelstielzchen und Co. \u2013 es war f\u00fcr unsereinen ein Graus, wenn die Honoratiorenstammtischler in bem\u00fchten Reimen philosophierten, politisierten, gar den Dadaisten gaben.<\/p>\n<p>Erst sehr viel sp\u00e4ter erkl\u00e4rte mir ein Professor f\u00fcr Volkskunde, was es mit der Jeckerei ureigentlich auf sich hat. Schon vor 5000 Jahren wurde etwa in Babylon Fastnacht gefeiert. Und zwar als ausgelassenes Fest der Gleichheit, wie eine alte Inschrift bezeugt: F\u00fcr die betreffenden sieben Tage \u201esind M\u00e4chtige und Niedere gleich\u201c. Der hohe Amtsrat geht zum Schwof in die Bauernkneipe, die Bauern bringen mal Schwung in den Ratskeller. Und vor allem auf den Stra\u00dfen vermischen sich Klassen, Geschlechter, Generationen zum lustvoll-bukolischen Treiben. Aus jener fernen Epoche hat sich einiges erhalten, trotz mehrfachen Verbots der Fastnacht in Mittelalter und Neuzeit.<\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert kam am Rhein die n\u00e4rrische Uniformhuberei auf, gedacht als Vorhohnepipelung mal der franz\u00f6sischen Besatzer, mal der Preu\u00dfen \u2013 in der Stra\u00dfenfastnacht meist jedwede Obrigkeit deftig verarschend. Sobald ich diesen urspr\u00fcnglich renitenten Charakter des rheinischen Mummenschanzes begriff, wandelte sich meine Einstellung zur Fastnacht betr\u00e4chtlich. Was allerdings nichts \u00e4nderte an der bald leidigen Erfahrung, dass viele Karnevalisten von dieser Tradition gar nichts wissen oder anz\u00fcgliche Witzchen, schunkelfreudige Liedchen und den besoffenen Kopp schon f\u00fcr Renitenz halten.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Wegen dunnemals \u00fcberbordender Feierlaune bis hin zu \u201eMassenr\u00fcpelei und Sittenlosigkeit\u201c bei der volkst\u00fcmlich-anarchischen Stra\u00dfenfastnacht gr\u00fcndete in K\u00f6ln das B\u00fcrgertum 1823 ein \u201eFestordnendes Comite\u201c. Andere St\u00e4dte zogen nach mit Bem\u00fchungen, die Fastnacht in geordnete Bahnen zu zwingen. Zwei Mittel wurden vor allem eingesetzt: die Erfindung der Saalsitzungen mit ihrer ritualisierten Vergn\u00fcgungsorganisation sowie die Einf\u00fchrung reglementierter Offizialumz\u00fcge. Macht das noch Spa\u00df? Die einen sagen so, die andern so. Freund Walter jedenfalls wird wieder eintauchen in l\u00fcstliche Narrenanarchie. Und ich? Ich werde mir via TV manche Sitzung reinziehen, dem B\u00fcrgertum aufs Maul schauen, mich oft gr\u00fcn und blau \u00e4rgern, gelegentlich aber auch Schreien vor Vergn\u00fcgen.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 4.\/5. Woche im Januar 2019)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Doch, ja: Ich war mal begeisterter Fasenachter, Karnevalist, Jeck, oder wie ihr die Dollerei-Aktivisten nennen m\u00f6gt. Ist lange her und hatte mit einem richtig ernsten Kinderwunsch zu tun. Endlich durfte ich mal \u00e4u\u00dferlich der werden, der ich in meiner Fantasie immer war: ein Indianer. 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