{"id":303,"date":"2017-03-29T22:00:00","date_gmt":"2017-03-29T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/03\/29\/ein-vierteljahrhundert-ludwig-museum-koblenz\/"},"modified":"2017-03-29T22:00:00","modified_gmt":"2017-03-29T21:00:00","slug":"ein-vierteljahrhundert-ludwig-museum-koblenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/03\/29\/ein-vierteljahrhundert-ludwig-museum-koblenz\/","title":{"rendered":"Ein Vierteljahrhundert Ludwig Museum Koblenz"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape. Koblenz<\/strong>. 2017 wird das Ludwig Museum Koblenz ein Vierteljahrhundert alt. Genauer: Am 18. September j\u00e4hrt sich die Er\u00f6ffnung der Kunstinstitution am Deutschen Eck zum 25. Mal. Sie ist in einem der \u00e4ltesten Geb\u00e4ude von Koblenz untergebracht, dem anno 1250 erbauten Deutschherrenhaus, widmet sich indes vornehmlich der allerj\u00fcngsten Kunst. Bei allj\u00e4hrlich einem halben Dutzend Ausstellungen wird \u00fcberwiegend das Schaffen noch lebender Meister und mit Erfolg nachr\u00fcckender junger K\u00fcnstler aus aller Welt pr\u00e4sentiert. Kurzum: Gegenwartskunst ist Programmschwerpunkt im Koblenzer Ludwig Museum.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-300\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Ludwig-ok.jpg\" style=\"height:299px; width:450px\" width=\"450\" height=\"299\" \/><\/p>\n<p>Es ist quasi der Jungspund unter den Hochkultur-Einrichtungen in der Rhein-Mosel-Stadt. Landesmuseum auf der Festung Ehrenbreitstein, Mittelrhein-Museum, Stadttheater, Rheinische Philharmonie: Sie alle sind Jahrzehnte, gar Jahrhunderte \u00e4lter \u2013 was die Bedeutung des Koblenzer Spr\u00f6\u00dflings der weltweiten, auf den in Koblenz geborenen K\u00f6lner Kunstsammler Peter Ludwig (1925 \u2013 1996) zur\u00fcckgehenden Museumsfamilie nicht mindert. Im Gegenteil. Mit der Konzentration auf die Bildende Kunst der Gegenwart nimmt das Haus seinen speziellen Platz von eigenem Stellenwert im&nbsp; Spektrum der K\u00fcnste am Ort ein.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/vollbild\/public\/Reifenscheid.jpg?itok=SBk6qWN1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-301\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Reifenscheid.jpg\" style=\"float:right; height:220px; margin:5px; width:191px\" width=\"191\" height=\"220\" \/> <\/a> Wir sind zum Gespr\u00e4ch verabredet mit Prof. Dr. Beate Reifenscheid. Auch f\u00fcr sie steht heuer ein kleines Jubil\u00e4um an, ein Dienstjubil\u00e4um: Seit 20 Jahren bekleidet sie das Amt der Direktorin im Ludwig Museum Koblenz; damit ist sie nach eigenem Bekunden eine der am l\u00e4ngsten dasselbe Haus leitenden Museumschefinnen im weiten Rund. Nach gro\u00dfen Feierlichkeiten zum Museumsgeburtstag gefragt, winkt sie ab: \u201eDie Ressourcen sind knapp.\u201d Eine d\u00fcnne Finanzierungsdecke ist das Dauerproblem des Museums seit Gr\u00fcndung. Lieber steckt man 2017 Geld und Personalkraft wieder in interessante Ausstellungen. So endete Mitte M\u00e4rz die Schau \u201ePrague Power Boost\u201d mit Arbeiten von Kristof Kintera, Josef Achrer und Marek Cihal, dreier bemerkenswerter K\u00fcnstler der j\u00fcngeren und mittleren Generation aus der Tschechischen Republik.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Ausstellung im Jubil\u00e4umsjahr befasst sich seit 26. M\u00e4rz (bis 21. Mai) mit dem US-amerikanischen Maler Howard Kanovitz. Dieser Altmeister der Pop Art und des Hyperrealismus, erl\u00e4utert Reifenscheid, sei eine Ausnahme im Reigen der pr\u00e4sentierten K\u00fcnstler, denn er ist schon tot; gestorben 2009 wenige Tage nach seinem 80. Geburtstag. Die Koblenzer Schau ist die erste museale Einzelausstellung, die sich seit 1980 in Deutschland wieder mal mit Kanovitz befasst.<\/p>\n<p>Mit der am 11. Juni er\u00f6ffnenden Ausstellung \u201eChina Dialogue\u201d (bis 13.8.) setzt das Ludwig Museum dann eine von Beate Reifenscheid hier ins Leben gerufene Tradition fort: besonderes Augenmerk auf die Entwicklungen in der neueren und neuesten Kunstszene Chinas. Es hat \u00fcber die Jahre in Koblenz eine Reihe von Pr\u00e4sentationen mit Arbeiten chinesischer Gegenwartsk\u00fcnstler gegeben. Die 2017er steht im Zeichen des 45-j\u00e4hrigen Kulturaustausches zwischen Deutschland und China. Sie wird Beitr\u00e4ge von etwa 18 K\u00fcnstlern im und ums Deutschherrenhaus versammeln, von Reifenscheid aus 28 ausgew\u00e4hlt, die derzeit gemeinsam in Shanghai ausstellen. Sie alle verbindet, dass sie seit 1985 in Deutschland studiert haben, sp\u00e4ter nach China zur\u00fcckgekehrt sind, seither dort arbeiten und lehren.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-302\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Kanovitz.jpg\" style=\"height:340px; width:450px\" width=\"450\" height=\"340\" \/><\/p>\n<p>Woher r\u00fchrt dieses gro\u00dfe Interesse in Koblenz f\u00fcr junge chinesische Kunst? Nun kommt die Museumsleiterin regelrecht ins Schw\u00e4rmen: \u201eChina ist ein unglaublich vitales Land, was die Kunst anbelangt. Die Leute sind richtig hungrig nach Kunst, auch und gerade nach Zeitgen\u00f6ssischem. Es gibt dort gigantische Kunstakademien, die sehr, sehr viele K\u00fcnstler ausbilden. Und diejenigen, die dann schon ein bisschen Fu\u00df gefasst haben, werden enorm unterst\u00fctzt.\u201d Wie so oft beim Einparteien-Reich der Mitte irritieren die Ambivalenzen: Einerseits eine hochspannende, experimentierfreudige, innovative und massiv gef\u00f6rderte Szene junger Kunst; andererseits strenge Reglementierung und Unterdr\u00fcckung regimekritischer K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Die am 27. August beginnende Folgeausstellung tr\u00e4gt den Titel \u201eTony Cragg \u2013 Sculptures and Watercolours\u201d (bis 22.10.). Und genau darum geht es auch: Um die Beziehung zwischen den Skulpturen, f\u00fcr die der britische, in Deutschland lebende Bildhauer ber\u00fchmt ist, und seine weniger bekannten Bleistiftzeichnungen sowie Farbaquarelle. Die Anbahnung dieser Ausstellung begann bereits vor vier Jahren mit einer von Beate Reifenscheid mitorganisierten G\u00fcnther-Uecker-Ausstellung in der kubanischen Hauptstadt Havanna. Damit war der Weg gespurt f\u00fcr Folgeunternehmungen. So wird im dortigen Museo Nacional de Bellas Artes von April bis Mitte Juni auch die Cragg-Schau gezeigt \u2013 dann sofort verladen und per Schiff Richtung Deutsches Eck auf den Weg gebracht.<\/p>\n<p>Im Ludwig Museum ist man etwas nerv\u00f6s angesichts gleich zweier Ausstellungen, deren Exponate jeweils direkt zuvor an anderen Enden der Welt pr\u00e4sentiert werden \u2013 mal in Shangai, mal in Havanna \u2013 und die bis kurz vor den Koblenzer Er\u00f6ffnungsterminen auf den Weltmeeren herumschippern. \u00dcbrigens, f\u00fcr ausw\u00e4rtige Liebhaber skulpturaler Modernekunst bietet sich im Sp\u00e4tsommer eine interessante Zwei-Stationen-Tour ins n\u00f6rdliche Rheinland-Pfalz an: Verbinden lassen sich Besuche der Ausstellungen \u201eTony Cragg\u201d im Ludwig Museum Koblenz und \u201eHenry Moore\u201d im Arp Museum Remagen-Rolandseck.<\/p>\n<p>Zum Jahresende hin folgen zwei Ausstellungen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Afrika auseinandersetzen. Am 5. November startet die Schau \u201eWanderer zwischen den Welten\u201d mit Arbeiten des algerisch-franz\u00f6sischen Installationsk\u00fcnstlers und Fotografen Kader Attai. Sein Oeuvre ist ein hochpolitisches, untersucht die Verwundungen und Verletzungen, die der Kolonialismus nicht-westlichen Kulturen, aber auch den eigenen westlichen geschlagen hat. Ethik und \u00c4sthetik verbinden sich bei Attai zu einer Konzeptkunst, die Begriffe wie W\u00fcrde und Identit\u00e4t mit durch Krieg, Hunger, Flucht gepr\u00e4gten Menschenschicksalen verbindet. Ab 12. November wird parallel zu dieser Ausstellung eine Werkauswahl aus Ruth Baumgartes farbgewaltigem Afrika-Zyklus gezeigt. Farbe und Licht sind die wesentlichen Elemente ihrer figurativen Bilder, die eigenes Erleben Afrikas und dazu Imaginiertes verweben. Beide Pr\u00e4sentationen dauern bis Mitte Januar 2018.<\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.ludwigmuseum.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.ludwigmuseum.org<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 13. Woche im M\u00e4rz 2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Koblenz. 2017 wird das Ludwig Museum Koblenz ein Vierteljahrhundert alt. Genauer: Am 18. September j\u00e4hrt sich die Er\u00f6ffnung der Kunstinstitution am Deutschen Eck zum 25. Mal. Sie ist in einem der \u00e4ltesten Geb\u00e4ude von Koblenz untergebracht, dem anno 1250 erbauten Deutschherrenhaus, widmet sich indes vornehmlich der allerj\u00fcngsten Kunst. 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