{"id":290,"date":"2017-04-25T22:00:00","date_gmt":"2017-04-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/04\/25\/luther-und-hendrix-treffen-sich-im-kultursommer-rheinland-pfalz\/"},"modified":"2017-04-25T22:00:00","modified_gmt":"2017-04-25T21:00:00","slug":"luther-und-hendrix-treffen-sich-im-kultursommer-rheinland-pfalz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/04\/25\/luther-und-hendrix-treffen-sich-im-kultursommer-rheinland-pfalz\/","title":{"rendered":"Luther und Hendrix treffen sich im Kultursommer Rheinland-Pfalz"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape.<\/strong><em> Ja, was soll das denn? In einem ollen Hippie-Bully sitzen Martin Luther und Jimi Hendrix beisammen. Der Glaubensreformator lenkt, der Rockrevolution\u00e4r denkt. Beide schauen uns \u00fcber Zeitalter hinweg durch die Frontscheibe an, als wollten sie fragen: Was treibt ihr denn da? Geht&#8217;s noch?! Dies eigenwillige Bildmotiv ziert die Titelseite der Programmbrosch\u00fcre f\u00fcrs Er\u00f6ffnungswochenende des&nbsp; Kultursommers Rheinland-Pfalz 2017 vom 5. bis 7. Mai.<\/em><\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-288\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kuso1.jpg\" style=\"height:453px; width:455px\" width=\"455\" height=\"453\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kuso1.jpg 455w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kuso1-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/p>\n<p>Traditionell ist jedes Jahr eine andere Stadt Austragungsort der als vielgestaltiges Kulturfest angelegten Starttage zum landesweiten Festivalreigen. Im heuer 26. Jahrgang des KuSo fiel die Wahl nicht zuf\u00e4llig auf Bad Kreuznach mitsamt Bad M\u00fcnster am Stein-Ebernburg. Womit wir schon bei Luther w\u00e4ren und der Reformation. Derer wird 2017 all\u00fcberall gedacht, weil vor 500 Jahren der abtr\u00fcnnige M\u00f6nch seine 95 Thesen ans Portal der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt hatte. Warum dann Start des Landesfestivals in Kreuznach, wo der Oberreformator nie war, statt in Worms, wo er dem Kaiser die glaubensfeste Stirn bot mit den Worten: \u201eHier stehe ich und kann nicht anders\u201d? Das hat er zwar ebenso wenig gesagt wie die Kirchent\u00fcr in Wittenberg durch wildes Plakatieren verunziert, aber Geschichte braucht halt knackige Episoden zur eing\u00e4ngigen Kennzeichnung ihrer Epochen.<\/p>\n<p>So lautet denn auch das Motto des aktuellen Kultursommers Rheinland-Pfalz \u201eEpochen und Episoden\u201d. Luther und das Reformationsjubil\u00e4um werden musikalisch, theatralisch, literarisch und diskursiv bei etlichen der gut 200 Veranstaltungen aufgegriffen, die sich zwischen Mai und Oktober vom Oberwesterwald bis in die S\u00fcdpfalz unter der KuSo-Dachmarke einfinden und von der F\u00f6rderung aus dem vier Millionen Euro schweren KuSo-Budget profitieren. Doch zur\u00fcck zur Frage, warum Saisonstart an Nahe? Weil der seinerzeitige Hausherr der besagten Ebernburg nahe Kreuznach, Ritter Franz von Sickingen, seinen Stammsitz etlichen verfolgten Reformatoren als Schutz- und Diskursdomizil zur Verf\u00fcgung gestellt hatte. Darunter Ulrich von Hutten, Martin Butzer, Johann Schwebel, Caspar Aquila und andere Querk\u00f6pfe wider den r\u00f6mischen Katholizismus. Luther war auch eingeladen, schlug sich aber lieber von Worms aus ins Exil auf der fernen Wartburg durch. \u00dcberhaupt: Gefeiert wird ja das Reformationsjubil\u00e4um und kein runder Luther-Geburtstag. Und wir wollen mal nicht vergessen, dass die Lutheraner nur eine unter zahlreichen protestantischen Str\u00f6mungen waren und sind.<\/p>\n<p>Weshalb die Reformation in diesem KuSo landauf, landab eine gro\u00dfe Rolle spielt, wissen nur nun. Was aber treibt den frommen Luther in einen Blumenkinder-Bus und an die Seite von Hendrix? Das r\u00fchrt vom Eigensinn des KuSo, sein Jahresmotto stets derart offen zu formulieren, dass allerhand Verschiedenes darunter Platz findet. \u201eEpochen und Episoden\u201d gibt Raum, etwa an jenen \u201eSummer of Love\u201d zu erinnern und anzukn\u00fcpfen, in dem vor 50 Jahren die junge Hippie-Bewegung im Zeichen von Peace, Love &amp; Freedom in San Francisco zusammenstr\u00f6mte und das Aufbruchsignal f\u00fcr ein v\u00f6llig neues Lebensgef\u00fchl in die Welt sandte. Als Symbol daf\u00fcr sitzt neben Luther der Gitarrist Jimi Hendrix \u2013 er hatte beim 1967er Monterey-Festival, zwei Jahre vor Woodstock, seinen gro\u00dfen Durchbruch, wie auch The Who oder Janis Joplin. Folglich spielt der Summer of Love beim Auftaktwochenende in Bad Kreuznach eine gewichtige Rolle und taucht &#8211;&nbsp; nicht so h\u00e4ufig wie das Reformations-Thema, aber immer wieder mal &#8211; auch bei anderen Einzelveranstaltungen und Festivals quer durchs Land auf.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-289\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Kuso2.jpg\" style=\"height:279px; width:455px\" width=\"455\" height=\"279\" \/><\/p>\n<p>Am Mittelrhein und drumherum sind es vor allem schon l\u00e4nger etablierte Festivals und Veranstaltungsreihen, die im Zeichen des bunten Kultursommer-Sonnenrades in die Saison 2017 gehen. Zum 16. Mal etwa die Westerw\u00e4lder Literaturtage \u2013 die sich zuletzt mit KuSo-Unterst\u00fctzung vom eher lokalen Ereignis im Oberwesterwald zur hochkar\u00e4tig besetzten Fl\u00e4chenreihe gemausert haben. Mit Lesungen und Vortr\u00e4gen bespielen sie bis Oktober 28 Veranstaltungsorte in den Kreisen Westerwald,&nbsp; Altenkirchen und Neuwied. Schriftsteller, Gelehrte, Kabarettisten wie Bruno Preisend\u00f6rfer,&nbsp; Martin Graf, Willi Winkler, Feridun Zaimoglu, wie Gerd Scobel, Richard David Precht und nat\u00fcrlich Festivalgr\u00fcnder Hanns-Josef Ortheil werden sich auf je eigene Art mit Fragen von Geschichte und Gegenwart befassen. Auf der anderen Rhein-Seite, in der Eifel, tritt ein echter Theater-Veteran des Kultursommers in diesem Jahr unter neuer Leitung, mit neuem Personal und neuen Ans\u00e4tzen an: die Burgfestspiele Mayen. Gleiches gilt auf musikalischem Feld f\u00fcr eines der \u00e4ltesten Klassikfestivals in Deutschland: Beim Mosel Musikfestival hat Gr\u00fcnder und Leiter Hermann Lewen nach 32 Jahren den Stab an einen j\u00fcngeren Nachfolger, Tobias Scharfenberger, \u00fcbergeben. Die jetzige Saison haben beide gemeinsam konzipiert, sie tr\u00e4gt mit ihrem Mix aus Kernklassik und launigen Crossover-Elementen noch Lewens Handschrift.<\/p>\n<p>Ohnehin pr\u00e4gen im n\u00f6rdlichen Rheinland-Pfalz vor allem musikalische Events das Gesicht des Kultursommers. Da ist das Mittelrhein Musik Festival. Vor 17 Jahren als Gemeinschaft stiftende Klassikreihe zur Begleitung des Welterbeantrages f\u00fcrs Obere Mittelrheintal gegr\u00fcndet, hat es sich konzeptionell mehrfach gewandelt, auch manche Krise durchlebt \u2013 aber durchg\u00e4ngig jeden Sommer einige der sch\u00f6nsten \u00d6rtlichkeiten im Tal mit prominent besetzten, kurzweiligen bis hochinteressanten Veranstaltungen bespielt. Auch dieses Festival steht jetzt unter neuer Leitung; Sonja Kitz hat die Programmverantwortung \u00fcbernommen f\u00fcr die in eine gGmbH umgewandelte und prim\u00e4r von einem B\u00fcrgerfreundeskreis getragene Unternehmung. Da ist ferner das dem Spezialgebiet der hohen Sangeskunst verpflichtete Festival Rheinvokal, seit 13 Jahren gemeinsam veranstaltet von Villa Musica, SWR und beteiligten Kommunen zwischen Bingen und Remagen.<\/p>\n<p>Auf einen weiteren Spezialisten sei das Augenmerk gerichtet: Das Koblenz Guitar-Festival (29.5. bis 5.6.) feiert in diesem Jahr 25. Geburtstag \u2013 in heimischen Gefilden oft untersch\u00e4tzt, erfreut es sich in der internationalen Szene der klassischen Gitarrenkunst mit seinen Meisterkursen und Spitzenkonzerten hohen Ansehens. Daran arbeitet das an der Lahn beheimatete und dort beliebte Festival \u201eGegen den Strom\u201d noch. Es erweitert sein breites Angebotsspektrum heuer um eine \u201ePiano Academy\u201d unter Leitung des renommierten Pianisten und Klavierp\u00e4dagogen Lev Natochenny. Von \u201eHorizonte\u201d und Gauklerfestival, von Musiktagen auf Burg Namedy oder dem wieder recht munteren Internationalen Liederfest auf der Waldeck und vielem mehr m\u00fcsste man noch schreiben. Doch eine Magazin-Seite reicht nicht hin f\u00fcr die allein im n\u00f6rdlichen Rheinland-Pfalz vom Kultursommer gef\u00f6rderten Veranstaltungen. Weshalb abschlie\u00dfend auf die KuSo-Website verwiesen&nbsp; sei \u2013 und Freude f\u00fcr einen prallen Kultursommer gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p>\nInfos: <a href=\"https:\/\/www.kultursommer.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.kultursommer.de<\/a><\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 17. Woche im April 2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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