{"id":282,"date":"2017-05-24T23:00:00","date_gmt":"2017-05-24T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/05\/24\/arp-museum-zeigt-nicht-nur-die-giganten-des-henry-moore\/"},"modified":"2017-05-24T23:00:00","modified_gmt":"2017-05-24T22:00:00","slug":"arp-museum-zeigt-nicht-nur-die-giganten-des-henry-moore","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/05\/24\/arp-museum-zeigt-nicht-nur-die-giganten-des-henry-moore\/","title":{"rendered":"Arp Museum zeigt (nicht nur) die Giganten des Henry Moore"},"content":{"rendered":"<h2>Sensationelle Jubil\u00e4umsausstellung im Richard-Meier-Bau bei Remagen<\/h2>\n<p><strong>ape. Remagen-Rolandseck<\/strong>. <em>Das Arp Museum in Remagen-Rolandseck feiert 2017 sein 10-j\u00e4hriges Bestehen. Zum Jubil\u00e4um hat es sich und dem Publikum ein in doppeltem Wortsinn \u201dschwergewichtiges\u201d Geschenk gemacht. Nach vier Jahren Vorbereitung erf\u00fcllt sich mit der an diesem Wochenende er\u00f6ffnenden Ausstellung \u201eHenry Moore \u2013 Vision. Creation. Obsession\u201d ein noch l\u00e4nger gehegter Wunsch von Museumsdirektor Oliver Kornhoff: Im und um den Museumsbau des US-Architekten Richard Meier vor allem einige der weltber\u00fchmten Gro\u00dfskulpturen des britischen K\u00fcnstlers Henry Moore (1898 \u2013 1986) zu zeigen.<\/em><\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-276\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-Eingang.jpg\" style=\"height:303px; width:455px\" width=\"455\" height=\"303\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">Neun Meter breite Fieberglas-Skulptur von Henry Moore vor der historischen Vorderfront des Arp Museums. Meier-Bau oben rechts im Hintergrund.<br \/>\n<em>Foto: Henry Moore Foundation\/Mick Vincenz<\/em><\/p>\n<p>Acht der teils tonnenschweren Monumentalwerke, dazu 38 kleiner Arbeiten, wurden vom Perry-Green-Areal der Moore Foundation in Hertfordshire aufs Museumsgel\u00e4nde an der rheinland-pf\u00e4lzischen Nordgrenze transferiert. Sie vereinen sich dort mit rund 80 Expontanen aus den hauseigenen Arp- und Rau-Sammlungen bis 8. Januar 2018 zu einer hinrei\u00dfenden Pr\u00e4sentation \u00fcber das Oeuvre Moores, auch \u00fcber dessen Inspiration und Arbeitsweise sowie die Beziehung zum Schaffen des Hauspatrons Hans Arp.<\/p>\n<p>Auf der Wiese neben dem Parkplatz des Arp Museums an der Bundesstra\u00dfe 9 empf\u00e4ngt die neun Meter breite \u201eReclining Figure\u201d aus bl\u00fctenwei\u00dfem Fiberglas. Trotz ihrer Gr\u00f6\u00dfe ist diese vage, aber doch eindeutige Frauenfigur als flie\u00dfendes, nat\u00fcrlich gerundetes, scheinbares Leichgewicht ins Gr\u00fcn gelegt. Ihr &#8222;Kopfauge&#8220; blickt einerseits hinauf zum historischen K\u00fcnstlerbahnhof und wie verwundert dar\u00fcber hinweg zum ebenfalls bl\u00fctenwei\u00dfen Meier-Bau im Hang. Andererseits: Drumrum gegangen, folgt der Besucher ihrem Blick hinab auf Rhein und F\u00e4hranleger, hin\u00fcber zum Horizont des Siebengebirges.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-277\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-Krieger.jpg\" style=\"height:311px; width:455px\" width=\"455\" height=\"311\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">Im Dialog: Moores gestolperter &#8222;Goslar Warrior&#8220; (vorne) mit Hans Arps &#8222;Tanzgeschmeide&#8220;.<br \/>\n<em>Foto: Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>Der Weg zum Museumseingang f\u00fchrt vorbei an einer spannenden, ja fast witzigen Dialogbeziehung zweier ganz unterschiedlicher Skulpturen: Hier Moores gest\u00fcrzter K\u00e4mpfer \u201eGoslar Warrior\u201d,&nbsp;<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-278\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-Unterfuehrung.jpg\" style=\"float:right; height:420px; margin:5px; width:230px\" width=\"230\" height=\"420\" \/>da Arps munteres \u201eTanzgeschmeide\u201d. Dem Gemeinsamen wie dem Unterscheidenen der beiden Zeitgenossen und K\u00fcnstlerkollegen widmet die Ausstellung nachher eine eigene Sektion. Zun\u00e4chst f\u00fchrt hinter der Kasse bekanntlich ein langer Gang unter den Bahngleisen hindurch ins Herz des Arp Museums. Am fernen Ende der Unterf\u00fchrung steht jetzt einsam eine Moore-Bronze, als wolle sie die Besucher herbeiwinken \u2013 und hinf\u00fchren zur Kunstkammer Rau, der klassischen Abteilung des Museums.<\/p>\n<p>Dort treten Zeichnungen und Plastiken Moores in Korrespondenz mit Werken anderer K\u00fcnstler aus fr\u00fcheren Jahrhunderten, die der Brite so liebte und von denen er manche Idee bezog. Da steht sein Arbeitsmodell \u201eMother and Child\u201d zwischen entsprechend sakralen Maria-Jesuskind-Darstellungen alter Renaissance-Meister. Da treffen seine gezeichneten Hand-, K\u00f6rper-, Haltungsstudien auf Arbeiten von Pisano und Bellini, von Courbet, Renoir und C\u00e9zanne. Das Alte inspiriert das Neue, die Kunstgeschichte ist ein steter Flu\u00df und die hier rasch erkennbare Spur der Zusammenh\u00e4nge ein Faszinosum per se.<\/p>\n<p>Hernach, im Bergtunnel unterwegs zu den lichten Ausstellungss\u00e4len des Meier-Baus, eine beklemmende Begegnung: Im unteriridschen Halbdunkel die in der Form fast realistische, schrundige, m\u00fcde, wie lethargische \u201eDraped Reclinig Figure\u201d von 1952. Das ist der passende Ort f\u00fcr Moores Reminiszenz an die Bombenn\u00e4chte des Krieges, die viele Londoner in den U-Bahntunneln ihrer Stadt zu \u00fcberleben suchten.<\/p>\n<p>Am oberen Fahrstuhlausgang leitet eine Unterarm-kleine, filigran und in Glanzbronze gearbeitete Miniversion der Gro\u00dfplastik am Parkplatz zu den Giganten und damit zum H\u00f6hepunkt der Ausstellung weiter:&nbsp; F\u00fcnf&nbsp; Moore&#8217;sche Monumentalskulpturen im Saal, eine sechste auf der Terrasse dahinter. Und gleich beginnt jenes Spiel, zu dem diese metergro\u00dfen, gewichtigen Werke von sich aus so nachdr\u00fccklich einladen: Anschauen, durchschauen; zur\u00fccktreten, n\u00e4hertreten, drumrumgehen; aus stets anderer Perspektive wieder anschauen und durchschauen \u2013 dabei jedesmal andere, neue Effekte, Blicklinien, Ausdr\u00fccke entdecken und Eindr\u00fccke sammeln.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-279\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-Oval.jpg\" style=\"height:304px; width:455px\" width=\"455\" height=\"304\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">Dieses Archivbild zeigt die vier Meter hohe Bronze &#8222;Oval with Points&#8220; in offener Landschaft. Im Arp Museum steht sie vor einer wei\u00dfen Wand und gewinnt dadurch einen v\u00f6llig anderen Charakter.<br \/>\n<em>Foto: Henry Moore Foundation<\/em><\/p>\n<p>Interessant auch die Unterschiede in Oberfl\u00e4chenstrukturen und Farben. Lackiert und glanzpoliert die aus vier verschiedenen Teilen zusammengesetzte \u201eLiegende\u201d von 1972. Gewachst, rauh und schwarz die \u201eLarge Standing Figure: Knife Edge\u201d von 1961. Hier vor eine wei\u00dfe Wand gestellt die vier Meter hohe matte Bronze \u201eOval with Points\u201d (1968), wuchtig und im Zentrum zugleich von schier zerbrechlicher Zartheit. Von Fotos oder Besuchen andernorts kennt man diese Werke als Teil meist offener Landschaften; hier, erstmals im Innenraum pr\u00e4sentiert, gewinnen sie einen neuen Charakter, werden zu reinen, nur f\u00fcr sich selbst sprechenden skulpturalen Kunstwerken.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr die gewaltige, aus drei identischen, aber gegeneinander verdrehten St\u00fccken zusammengesetze Bronzeplastik \u201eVertebrae\u201d. Sie steht zwar unter freiem Himmel, doch anders als ihr offener Wiesenstandort in Perry Green ist die Terrassenfl\u00e4che hinterm Arp Museum ein klar definierter und begrenzter Raum, der des Betrachters N\u00e4he zum Werk erzwingt. Der steile Wiesenhang dahinter \u2013 auf dem f\u00fcr die Dauer der Ausstellung, in Anlehnung an die Praxis auf Moores Alterswohnsitz, eigens ein paar Schafe angesiedelt worden sind \u2013 stellt in diesem Fall neben Museumsausenw\u00e4nden und Terrassengel\u00e4nder quasi eine Horizontwand dar.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-280\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-dreiteilig.jpg\" style=\"height:341px; width:455px\" width=\"455\" height=\"341\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">Aus drei gleichen, aber verdrehten Teilen zusammengesetze Gro\u00dfplastik &#8222;Vertebrae&#8220; auf der hinteren Terrasse des Arp Museum.<br \/>\n<em>Foto: Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>\u201eVertebrae\u201d, das meint Wirbel. Und tats\u00e4chlich erinnern die Einzelteile dieser Skulptur an Wirbelknochen \u2013 verweisen damit auf die generelle Vorliebe von Henry Moore f\u00fcr Knochen und ihre Formen. Wie wichtig diese Vorliebe f\u00fcr das Schaffen des K\u00fcnstlers war, erhellt ein Kabinett hinter dem Saal der Giganten. Dort gew\u00e4hren Fotos und zahlreiche Kleinteile aus der \u201eAlchimistenk\u00fcche\u201d des Briten intime Einblicke in seine Arbeitsweise. Exemplarisch l\u00e4sst sich hier auch die Entwicklung des in Deutschland wohl bekanntesten Moore-Werkes verfolgen, die 1979 von Helmut Schmidt vor dem damaligen Bundeskanzleramt im nahen Bonn enth\u00fcllte Skulptur \u201eLarge Two Forms\u201d.<\/p>\n<p>Die Ausstellung endet im Obergeschoss mit der Gegen\u00fcberstellung von Moore und Arp. Unschwer zu erkennen ist die Verwandtschaft ihrer Kunst in der Aufnahme und Verarbeitung von biomorphen Formen aus der Natur. In harmonischer Anarchie gerundet, flie\u00dfend, die Teile einander umfangend, durchdringend, geht Hans Arp mehr den direkten Weg zur Abstraktion, w\u00e4hrend Henry Moore eher nach sich fortentwickelnden Variationen und insbesondere humanen Umdeutungen der Ausgangsformen strebt. Interessantes, Geheimnisvolles und bet\u00f6rend Sch\u00f6nes entsteht auf beiden Wegen.<\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.arpmuseum.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.arpmuseum.org<\/a><\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-281\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Moore-selbst.jpg\" style=\"height:369px; width:455px\" width=\"455\" height=\"369\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\">Henry Moore h\u00f6chstselbst, 1979 bei einem Besuch im K\u00fcnstlerbahnhof Rolandseck (heute Arp Museum), w\u00e4hrend vor dem Bonner Bundeskanzleramt seine Skulptur &#8222;Large Two Forms&#8220; aufgestellt wurde.<br \/>\n<em>Foto: Oliver Wolleh<\/em><\/p>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini_box\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" style=\"background:initial !important; border-collapse:initial !important; border-radius:initial !important; border-spacing:initial !important; border:initial !important; box-sizing:initial !important; color:inherit !important; direction:ltr !important; display:initial !important; flex-direction:initial !important; font-family:X-LocaleSpecific,sans-serif,Tahoma,Helvetica !important; font-size:13px !important; font-weight:initial !important; height:initial !important; left:10px; letter-spacing:initial !important; line-height:13px !important; margin-bottom:0px; margin-left:0px; margin-right:0px; margin-top:0px; max-height:initial !important; max-width:initial !important; min-height:initial !important; min-width:initial !important; opacity:0.35; outline:initial !important; overflow-wrap:initial !important; padding:initial !important; position:absolute; table-layout:initial !important; text-align:initial !important; text-shadow:initial !important; top:35px; vertical-align:top !important; white-space:inherit !important; width:initial !important; word-break:initial !important; word-spacing:initial !important\">\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_logo\" title=\"Markierten Text \u00fcbersetzen\">&nbsp;<\/div>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_sound\" title=\"Abspielen\">&nbsp;<\/div>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_copy\" title=\"In Zwischenablage kopieren\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini_box\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" style=\"background:initial !important; border-collapse:initial !important; border-radius:initial !important; border-spacing:initial !important; border:initial !important; box-sizing:initial !important; color:inherit !important; direction:ltr !important; display:initial !important; flex-direction:initial !important; font-family:X-LocaleSpecific,sans-serif,Tahoma,Helvetica !important; font-size:13px !important; font-weight:initial !important; height:initial !important; left:305px; letter-spacing:initial !important; line-height:13px !important; margin-bottom:0px; margin-left:0px; margin-right:0px; margin-top:0px; max-height:initial !important; max-width:initial !important; min-height:initial !important; min-width:initial !important; opacity:0.7; outline:initial !important; overflow-wrap:initial !important; padding:initial !important; position:absolute; table-layout:initial !important; text-align:initial !important; text-shadow:initial !important; top:467px; vertical-align:top !important; white-space:inherit !important; width:initial !important; word-break:initial !important; word-spacing:initial !important\">\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_logo\" title=\"Markierten Text \u00fcbersetzen\">&nbsp;<\/div>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_sound\" title=\"Abspielen\">&nbsp;<\/div>\n<div class=\"s3gt_translate_tooltip_mini\" id=\"s3gt_translate_tooltip_mini_copy\" title=\"In Zwischenablage kopieren\">&nbsp;<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sensationelle Jubil\u00e4umsausstellung im Richard-Meier-Bau bei Remagen ape. 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