{"id":275,"date":"2017-05-24T22:00:00","date_gmt":"2017-05-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/05\/24\/im-30-jahr-der-burgfestspiele-wird-einiges-anders\/"},"modified":"2017-05-24T22:00:00","modified_gmt":"2017-05-24T21:00:00","slug":"im-30-jahr-der-burgfestspiele-wird-einiges-anders","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/05\/24\/im-30-jahr-der-burgfestspiele-wird-einiges-anders\/","title":{"rendered":"Im 30. Jahr der Burgfestspiele wird einiges anders"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape.<\/strong> Dieser Tage schallen wieder die Posaunen \u00fcber Mayen, um bis zum 25. August das Publikum zu den Vorstellungen der Burgfestspiele zu rufen. Das allj\u00e4hrlich drei Sommermonate dauernde Theaterfestival ist eines der \u00e4ltesten professionellen in Rheinland-Pfalz. Seit 1987 bespielt es mit Eigenproduktionen open air den Innenhof der Genovevaburg. Sp\u00e4terhin kam vor\u00fcbergehend mal diese oder jene Nebenspielst\u00e4tte hinzu; seit einigen Jahren steht im Hof des Alten Arresthauses die quasi \u201eKleine B\u00fchne\u201d. F\u00fcr die erste Saison 1987 in der offiziellen Mayener Festspiel-Zeitrechnung hatte Rudolf Heinrich Krieg die Leitung inne. Schon im Folgejahr \u00fcbernahm Hans-Joachim Heyse die Intendanz. W\u00e4hrend der gut 15-j\u00e4hrigen Amtszeit des vormaligen Bonner Generalintendanten und Leiters der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel waren die Burgfestspiele Mayen eine weit \u00fcber Stadt und Umgebung hinaus von Theaterfreunden beachtete und gesch\u00e4tzte Einrichtung der B\u00fchnenkunst zur Sommerszeit.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-273\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Mayen-Ensemble.jpg\" style=\"height:303px; width:455px\" width=\"455\" height=\"303\" \/><\/p>\n<p>Auf \u201eden Jochen\u201d (Heyse) folgten die Intendanten Pavel Fieber (2004 \u2013 2006) und Peter N\u00fcesch (2007 \u2013 2016). Es folgte auch eine dauerhaft schwelende Auseinandersetzung darum, wie viel Ernst oder wie viel blo\u00dfe Vergn\u00fcglichkeit diesem Festival am besten anst\u00fcnde. In den letzten Jahren neigte sich die Waage Richtung leichtf\u00fc\u00dfigem Vergn\u00fcgen \u2013 verbunden mit dem Zugang neuer Zuschauer, dem gleichzeitigen Abgang bisheriger und dem nachlassenden Interesses f\u00fcr das Mayener Angebot in der \u00fcber\u00f6rtlichen Theaterlandschaft. Im September 2016 ist der Intendantenstab von N\u00fcesch an Daniel Ris \u00fcbergegangen. Den mir bis dahin pers\u00f6nlich unbekannten \u201eNeuen\u201d traf ich etwa drei Wochen vor der ersten Premiere der diesj\u00e4hrigen Burgfestspiele \u2013 Kinderst\u00fcck \u201eRonja R\u00e4ubertochter\u201d am 28. Mai \u2013&nbsp; zum Gespr\u00e4ch. Ich fand einen ruhigen, aufger\u00e4umten, freundlichen Mann vor, der j\u00fcnger wirkt als seine 52 Lebensjahre erwarten lassen.<\/p>\n<p>Der im Siebengebirgsort Oberpleis aufgewachsene Ris \u2013 gelernter Schauspieler mit viel Praxis auch als Regisseur aus Engagements an gro\u00dfen und kleinen H\u00e4usern zwischen Hamburg und Konstanz \u2013 kann und will in Mayen das Festspielrad nicht neu erfinden. Und doch macht er allerhand anders als seine Vorg\u00e4nger. Beim \u00c4u\u00dferen \u00e4ndert sich nicht viel: Drei gro\u00dfe Produktionen auf der Hauptb\u00fchne, davon ein Kinderst\u00fcck; zwei kleine und etliche Sonderaktionen auf der Nebenb\u00fchne. Die beiden Spielst\u00e4tten bleiben Burg und Arresthaus. Keine \u00c4nderungen gibt es auch bei der Platzierung von B\u00fchne und Publikumsr\u00e4ngen im Burghof; \u201eallein schon aus Kostengr\u00fcnden\u201d, wie Ris betont. Die Finanzseite hat er stets im Blick, \u201edenn wir m\u00fcssen die H\u00e4lfte des Budgets selbst einspielen\u201d. Das ist verglichen mit diversen Staats- und Stadttheatern ein rechter Batzen.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/vollbild\/public\/Mayen%20Intendant.jpg?itok=y90HQc4G\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-274\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Mayen-Intendant.jpg\" style=\"float:right; height:220px; margin:5px; width:220px\" width=\"220\" height=\"220\" \/> <\/a> Aus dieser Lage gilt es, durch kluges unternehmerisches Wirtschaften das Optimale herauszuholen. Wof\u00fcr dieser Intendant eine interessante Zusatzqualifikation mitbringt: Er hat neben seiner Arbeit als Schauspieler und nachher Regisseur ein Studium zum Executive Master in Arts Administration abgeschlossen. Da tritt unverkennbar eine neue, durchaus unternehmerisch denkende Generation von Theatermachern an. Weshalb auch die de facto zahlreichen Ver\u00e4nderungen, die Ris in Angriff genommen hat, kaum verwundern. Vorneweg wurde den Burgfestspielen ein Pflichtteil in unserer Gegenwart verpasst: Eine eigene und zeitgem\u00e4\u00dfe Website. Gleich darauf wurde die Arresthausb\u00fchne aufgewertet: Sie hat eine Beleuchtunganlage bekommen und es werden nun dort zwei vollwertige, von je eigenen Regisseuren inszenierte St\u00fccke gut drei Dutzend Auff\u00fchrungen erleben. Heuer sind das die Tragikkom\u00f6die \u201eAlte Liebe\u201d nach dem Roman von Elke Heidenreich und Bernd Schr\u00f6der, sowie \u201eTschick\u201d nach dem Bestseller von Wolfgang Herrndorf f\u00fcr Erwachsene und vor allem Jugendliche.<\/p>\n<p>Jugend, das ist f\u00fcr Daniel Ris ein wichtiges Stichwort. Denn da gelte es, eine L\u00fccke zu schlie\u00dfen: \u201eDen Kindern wird ihr Theater geboten. F\u00fcr die Jugendlichen geschieht dann zehn Jahre nichts, aber man erwartet nachher, dass sie als junge Erwachsene wieder ins Theater kommen. So kann das nicht funktionieren.\u201d Sagt Ris und hat deshalb die Idee vom \u201eJugendclub\u201d in die Welt gesetzt. Was es an vielen Theatern schon eine Weile gibt, soll auch ihn Mayen Fu\u00df fassen: Jugendliche machen mit Profiunterst\u00fctzung ihr Theaterding und bringen es dann auf der \u201erichtigen\u201d B\u00fchne vors Publikum. In der Eifelstadt l\u00e4uft das auf eine Kooperation zwischen Burgfestspielen und Sch\u00fclertheater-Gruppe des Megina-Gymnasiums hinaus. Eine erste Auff\u00fchrung ist f\u00fcr 2019 anvisiert. Doch macht der Intendant auch auf andere Weise Feuer unterm Jugendkessel: Der Kontakt zu den Schulen wird intensiviert, Ris selbst tingelt als Festspielbotschafter durch viele Lehrer- und Klassenzimmer; er hat heuer eine Vormittagsvorstellung f\u00fcr Jugendliche von Schillers \u201dKabale und Liebe\u201d angesetzt; n\u00e4chste Saison wird eigens f\u00fcr die Auff\u00fchrung in Schulen ein St\u00fcck produziert.<\/p>\n<p>Und noch mehr Neuerungen: F\u00fcr die f\u00fcnf Produktionen im 2017er Programm sind f\u00fcnf Regisseure, aber nur 14 Schauspieler\/innen engagiert. Das ist ungew\u00f6hnlich im deutschen Festspielbetrieb. Wie kann das funktionieren? \u201eIndem sich die Regisseure auf Akteure geeinigt haben, die in mindestens zwei St\u00fccken eine wichtige Rolle gut spielen k\u00f6nnen\u201d, so Ris. Auf der B\u00fchne wird sich erweisen, ob dieser wirtschaftliche Synergieeffekt auch k\u00fcnstlerisch hinhaut, wenn beispielsweise die weibliche Hauptrolle im Musical \u201eDer kleine Horrorladen\u201d und die Luisa-Rolle in \u201eKabale und Liebe\u201d von derselben Schauspielerin \u00fcbernommen wird. Wie sich \u00fcberhaupt am Ende stets alles auf der B\u00fchne entscheidet \u2013 auf der \u00fcbrigens Ris als erster der Mayener Intendanten nicht in der Funktion des Schauspielers zu sehen sein wird. Auch das ist ein Zug der Zeit: Keiner der heutigen Intendanten etwa in Bonn, Koblenz, Mainz, Wiesbaden spielt noch selbst; zu komplex sind die Leitungsaufgaben geworden.<\/p>\n<p>Was sich allerdings die meisten nicht nehmen lassen, so auch nicht Daniel Ris, ist das Regief\u00fchren. In diesem Jahr inszeniert er mit dem \u201eHorrorladen\u201d das vergn\u00fcgliche Element im Hauptprogramm und \u00fcberl\u00e4sst das ernste Schauspiel \u201eKabale und Liebe\u201d einem Kollegen. In der&nbsp; Saison 2018 umgekehrt: Dann \u00fcbernimmt Ris die Regie f\u00fcr das Gegenwartsst\u00fcck \u201eTerror\u201d aus der Feder des Ferdinand von Schirach, w\u00e4hrend das volkst\u00fcmliche Singspiel \u201eIm wei\u00dfen R\u00f6ss&#8217;l\u201d von einem anderen eingerichtet wird. Diese St\u00fcckwahl macht zweierlei deutlich: Erstens setzt die neue Intendanz auf \u201eVielfalt\u201d, die wechselnd sehr unterschiedliche Publikumsinteressen bedient; zweitens geh\u00f6rt, wie zu Heyses Zeit, stets eine der Hauptproduktionen im Burghof wieder dem ernsten Schauspiel. Dazu und zu allem anderen sei \u201etoi, toi, toi\u201d gew\u00fcnscht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p class=\"rteright\">\nAndreas Pecht<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/burgfestspiele-mayen.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">burgfestspiele-mayen.de<\/a><\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 21. Woche im Mai 2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Dieser Tage schallen wieder die Posaunen \u00fcber Mayen, um bis zum 25. August das Publikum zu den Vorstellungen der Burgfestspiele zu rufen. Das allj\u00e4hrlich drei Sommermonate dauernde Theaterfestival ist eines der \u00e4ltesten professionellen in Rheinland-Pfalz. Seit 1987 bespielt es mit Eigenproduktionen open air den Innenhof der Genovevaburg. 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