{"id":260,"date":"2016-02-23T23:00:00","date_gmt":"2016-02-23T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/02\/23\/waehlen-gehen-diesmal-unbedingt\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:14","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:14","slug":"waehlen-gehen-diesmal-unbedingt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/02\/23\/waehlen-gehen-diesmal-unbedingt\/","title":{"rendered":"W\u00e4hlen gehen? Diesmal unbedingt!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. Es hat mal wieder gerummst zwischen Walter und mir. Banaler Anlass: rheinland-pf\u00e4lzische Landespolitik. Konkret: Landtagswahl am 13. M\u00e4rz. Wieder der Disput: w\u00e4hlen oder nicht w\u00e4hlen? Dass Walter auch diesmal an seiner Position \u2013 \u201eich mach&#8216; diesen Zirkus nicht mit\u201d \u2013 festhalten wollte, brachte mich in Rage. Am Ende konnte ich ihn zwar breitschlagen, heuer mal eine Ausnahme zu machen. Aber leicht war das nicht. Denn der Kerl blieb nie aus Faulheit oder Desinteresse der Urne fern. Vielmehr geh\u00f6rt er zu jenem Teil der 30 plus X Prozent Nichtw\u00e4hler, die das W\u00e4hlen aufgegeben haben, gerade weil sie Politik besonders interessiert. Walter wei\u00df \u00fcber die kleinen wie gro\u00dfen polit-\u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge sicher besser Bescheid als mancher Parteifunktion\u00e4r.<\/p>\n<p>Ich erinnere noch des Freundes letzten Urnengang. Das war bei der Bundestagswahl 1998, aus der die Schr\u00f6der\/Fischer-Regierung hervorgegangen war. Er hatte rot-gr\u00fcn gew\u00e4hlt, war dar\u00fcber aber bald bis zum schieren Selbsthass ungl\u00fccklich. Seit damals knirscht er mit den Z\u00e4hnen, sobald die Rede aufs W\u00e4hlen kommt: \u201eIch habe mit meiner Stimme das genaue Gegenteil dessen legitimiert, was ich politisch wollte. Sozis und Gr\u00fcne haben die Bundeswehr von einer Truppe zur Landesverteidigung in eine Interventionsarmee verwandelt, und sie haben der Auslieferung des Staates an die neoliberale Wirtschaftshegemonie freiwillig die Tore sperrangelweit ge\u00f6ffnet.\u201d Von da an schaute Walter Wahlbenachrichtigungen nicht mal mehr mit dem nackten Hintern an.<\/p>\n<p>Verdenken kann man es ihm schwerlich. Mir selbst geht es jedesmal so, dass ich noch in der Kabine nicht wei\u00df, wohin mit dem Kreuzchen. Erst wenn im Wahllokal meines Dorfes, der \u201eGastst\u00e4tte K\u00fchn\u201d, der Wahlvorstand ruft \u201ehey Andreas, bist du eingeschlafen? Am Tresen wird dein Bier schal\u201d, zwinge ich die widerstrebende Hand, ihr Werk zu vollbringen \u2013 und irgendeinem vermeintlich kleineren \u00dcbel den Zuschlag zu geben. Denn ja, w\u00e4hlen ist B\u00fcrgerpflicht. Doch am Abend beim TV-Elefantengebabbel beschleicht mich gleich der ungute Verdacht, falsch entschieden zu haben. Und das jedesmal, egal wo ich mein Kreuz mache. Manchmal beneide ich Mitb\u00fcrger, die sich einem Partei-Milieu so selbstverst\u00e4ndlich zugeh\u00f6rig f\u00fchlen wie der Religion, die man ihnen ungefragt in die Wiege legte. Mir geht beides ab. Das macht die Wahlb\u00fcrgerpflicht zu einer recht undankbaren.<\/p>\n<p>Sie fragen, wie ich Walter rumgekriegt habe, am Wahlsonntag in seinem Koblenzer Wahllokal anzutanzen? Sie werden lachen: Mit dem Verweis auf abendl\u00e4ndische Moral, gute Sitten, Anst\u00e4ndigkeit und des Freundes eigene Wurzeln im Humanismus. Dies alles stellt zur Disposition \u2013 haute ich ihm ins st\u00f6rrische Hirn \u2013, wer den mal s\u00fc\u00dflich, mal schrill fl\u00f6tenden Rattenf\u00e4ngern am rechtsextremen bis neofaschistischen Rand des Parteienspektrums auf den Leim geht. Die werden gar nichts besser machen als die Etablierten, uns zudem aber ein riesiges Schandpaket deutscht\u00fcmelnder Illusionen aufb\u00fcrden.<\/p>\n<p>Deshalb ist der Wahlgang diesmal tats\u00e4chlich B\u00fcrger- und Demokratenpflicht. Je mehr Stimmen sich links von rechtsau\u00dfen ansammlen, umso besser. Das ist kein Votum f\u00fcr irgendeine Parteipolitik, sondern ein Votum gegen einen fatalen R\u00fcckw\u00e4rtsruck. Walter hat das eingeleuchtet. Ob wir nun am 13. M\u00e4rz schwarz, gelb, gr\u00fcn, rosa oder rot w\u00e4hlen, ist unsere Sache. Wenn&#8217;s nur nicht die blau-braunen Feinde des Humanismus sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 8.\/9. Woche im Februar\/M\u00e4rz 2016)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Es hat mal wieder gerummst zwischen Walter und mir. Banaler Anlass: rheinland-pf\u00e4lzische Landespolitik. Konkret: Landtagswahl am 13. M\u00e4rz. Wieder der Disput: w\u00e4hlen oder nicht w\u00e4hlen? Dass Walter auch diesmal an seiner Position \u2013 \u201eich mach&#8216; diesen Zirkus nicht mit\u201d \u2013 festhalten wollte, brachte mich in Rage. 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