{"id":257,"date":"2016-04-28T22:00:00","date_gmt":"2016-04-28T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/04\/28\/rettet-den-mittagsschlaf\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:14","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:14","slug":"rettet-den-mittagsschlaf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/04\/28\/rettet-den-mittagsschlaf\/","title":{"rendered":"Rettet den Mittagsschlaf!"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape.<\/strong> Ist schon seltsam: Bei Babys, Kleinkindern und alten Menschen gilt der Mittagsschlaf als selbstverst\u00e4ndlich, ja lebensnotwendig. Auch Hund und Katz nimmt niemand krumm, wenn sie sich des Mittags zusammenrollen und die lieben G\u00f6tter \u2013 sprich: Frau- oder Herrchen \u2013 gute Leut&#8216; sein lassen. \u00dcberhaupt nimmt keiner Ansto\u00df daran, dass die gesamte Sippschaft der S\u00e4ugetiere sich nach dem Mahle ins Schlummerland begibt. Nur beim (deutschen) Menschs\u00e4uger wird sp\u00e4testens ab Einschulung und bis zur Verrentung die Mittagszeit zum Kampfeinsatz wider die eigene Natur.<\/p>\n<p>Am \u00e4rgsten trifft das die Sch\u00fcler. Denn der durchschnittliche Werkt\u00e4tige kann nach dem Essen immerhin mit starkem Kaffee, Gymnastik, Kurzspaziergang oder sonstigen Waffen gegen die Schl\u00e4frigkeit zu Felde ziehen. Sch\u00fcler hingegen haben zu diesem Zeitpunkt meist noch nichtmal gegessen, m\u00fcssen indes auf Schulb\u00e4nken stillesitzen und gewaltsam zumindest dem Schein nach die Augen offen, Kopf wie Leib aufrecht halten.<\/p>\n<p>Solcher Unfug hat mit althergebrachter Schaffer-Tradition rein gar nichts gemein. Urspr\u00fcnglich sagte der Volksmund: \u201eNach dem Essen sollst du ruh&#8217;n\u201d. Schluss. Kein Wort mehr. Erst sp\u00e4ter h\u00e4ngte wohl irgendein Unternehmsberater oder Fitnessguru den sportiven Zusatz dran: \u201e&#8230; oder 1000 Schritte tun.\u201d Walter erg\u00e4nzt eine Erweiterung aus seiner Jugendzeit: \u201e&#8230; Hast du beides nicht zur Hand, h\u00e4ng ihn Pril, den Pril entspannt.\u201d Ja, ja, ich wei\u00df, dazwischen fehlt noch ein Verslein. Aber was der Freund da leichtfertig \u00fcber Geschwindlustbarkeiten zum Nachtisch deklamiert, ist hier nicht zitierbar.<\/p>\n<p>Stattdessen seien Gepflogenheiten aus meiner Kindheit erinnert: In Vaters Schreinerei l\u00f6ffelten zwischen 12 und 13 Uhr der Lehrling, die zwei Gesellen und der Meister erst flott ihre Henkelm\u00e4nner aus, um hernach auf den Werkb\u00e4nken ein Schl\u00e4fchen zu machen. Beim Onkel auf dem Feld lagen zur Heuernte die daran Mitwirkenden f\u00fcr eine halbe Stunde im duftenden Trockengras \u2013 derweil daheim die Tante im Sessel und der Gro\u00dfvater auf der Eckbank schnarchten.<\/p>\n<p>Mir selbst sank ab Klasse 12 in der 6. Schulstunde unweigerlich der Kopf auf den Tisch. Denn die Natur verlangte ihr Recht, und die Angst vor dem Lehrpersonal war mit dem Erscheinen erster Barthaare verschwunden. Bis dahin hatte das Mittagsschlafbed\u00fcrfnis stets Blessuren zur Folge, weil der Bub sich erst auf der Heimfahrt in r\u00fctteligen Bimmelbahnen aus solidem Stahl mit Holzb\u00e4nken traute, ihm nachzugeben.<\/p>\n<p>Immanuel Kant lud h\u00e4ufig gebildete Zeitgenossen zum Mittagsmahl bei sich zu Hause. Vier bis sechs Herren verbrachten gut drei Stunden disputierend beim mehrg\u00e4ngigen Essen. Nachher lie\u00dfen sie die K\u00f6pfe auf die Brust sinken und gaben sich sitzend am Tische einem gemeinsamen Schlafr\u00fcndchen hin. Alles blo\u00df Nostalgie? Ne, ne, alles unmissverst\u00e4ndliche Hinweise, dass die Vertreibung des Mittagsschlafes aus dem Kanon der Lebensgewohnheiten ein von der neuzeitlichen Beschleunigungsmafia erzwungener Irrweg ist. S\u00fcdl\u00e4nder w\u00fcrden dem sofort zustimmen, wissen sie doch, wie sehr Hitze die normale Mittagsschl\u00e4frigkeit verst\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Leute, wartet&#8217;s ab: Hat der Klimawandel uns erst richtig im Griff, werdet ihr finden, dass die Siesta ein Gl\u00fcck ist und das 11. Gebot ein Segen: \u201eDu sollst zwischen 12 und 14 Uhr keinen anrufen, anpiepsen, anmailen; du sollst niemanden, auch keine Beh\u00f6rden und Gesch\u00e4fte, heimsuchen; du sollst Ruhe geben und Mittagsschlaf halten!\u201d<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 17.\/18. Woche im April\/Mai 2016)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Ist schon seltsam: Bei Babys, Kleinkindern und alten Menschen gilt der Mittagsschlaf als selbstverst\u00e4ndlich, ja lebensnotwendig. Auch Hund und Katz nimmt niemand krumm, wenn sie sich des Mittags zusammenrollen und die lieben G\u00f6tter \u2013 sprich: Frau- oder Herrchen \u2013 gute Leut&#8216; sein lassen. \u00dcberhaupt nimmt keiner Ansto\u00df daran, dass die gesamte Sippschaft der S\u00e4ugetiere [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":47,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[291,1],"tags":[],"archiv":[93],"archiv_inhaltlich":[258,260],"class_list":["post-257","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-quergedanken","category-uncategorized","archiv-2016-04","archiv_inhaltlich-kolumnen","archiv_inhaltlich-quergedanken"],"acf":{"bild":"","anhang":""},"wps_subtitle":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=257"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2508,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/257\/revisions\/2508"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/47"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=257"},{"taxonomy":"archiv","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv?post=257"},{"taxonomy":"archiv_inhaltlich","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/archiv_inhaltlich?post=257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}