{"id":255,"date":"2016-07-29T22:00:00","date_gmt":"2016-07-29T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/07\/29\/unter-geisterjaegern\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:14","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:14","slug":"unter-geisterjaegern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/07\/29\/unter-geisterjaegern\/","title":{"rendered":"Unter Geisterj\u00e4gern"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. Dass scheinbar harmlose Spiele seit jeher Gefahren f\u00fcrs leibliche Wohl bergen, l\u00e4sst sich heute leicht an Statistiken \u00fcber Freizeitunf\u00e4lle oder an den Krankenst\u00e4nden der Bundesligaclubs ablesen. Schon bei unseren Ahnen galt landl\u00e4ufig: \u201eSpiele sind eine todernste Sache\u201d oder \u201eSport ist Mord\u201d. Das mag \u00fcberspitzt sein, gleichwohl beinhalten auch diese Sprichworte K\u00f6rnerklumpen von Wahrheit. Bekannt geworden sind in j\u00fcngerer Zeit zudem Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr Geist und Seele durch \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Genuss von Computerspielen. Dass jedoch jemand speziell dabei k\u00f6rperlich Schaden nimmt, war bis neulich selten. Den Bildschirm mit F\u00e4usten traktieren, mit dem Kopf gegen die Wand rennen oder aus dem Fenster springen \u2013 das sind schlie\u00dflich ganz normale Begleiterscheinungen der allgemeinen Dauerjagd auf unbotm\u00e4\u00dfige Computergeister.<\/p>\n<p>Seit aber Smartphones eingef\u00fchrt wurden, \u00e4ndert sich die Lage grundst\u00fcrzend. Den Computer tr\u00e4gt man nun permanent bei sich. Was viele Zeitgenossen verleitet, ihn auch permanent zu benutzen \u2013 egal wo sie liegen, sitzen, stehen, gehen, fahren. Da k\u00f6nnen brauchbare Effekte abfallen, fallen aber auch jede Menge Besch\u00e4digungen an. Blind zum Kaffee greifen, geht leicht auf Hose, Hemd oder Rock. Blind \u00fcber Stra\u00dfen oder durchs Parks gehen, geht leicht schmerzhaft daneben. Blind autofahren&#8230;, o weh. Blind Liebe machen wollen&#8230;, nun ja. Obendrein spielen sich fr\u00fcher inh\u00e4usig ausgetragene PC-Trag\u00f6dien jetzt stra\u00dfen\u00f6ffentlich ab: Steht ein M\u00e4dchen zum Herzerweichen weinend, greinend, zeternd in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Ich frage besorgt, was los sei. Geschluchzte Antwort: \u201eIch komme schon seit einer Viertelstunde nicht mehr ins Netz\u201d. \u00c4hm?<\/p>\n<p>Als diese Zeilen entstehen, liegt der Ausbruch der PokemonGo-Seuche eine Woche zur\u00fcck. Der \u00dcbertr\u00e4ger ist das Smartphone, mithin die Ansteckung von Mensch zu Mensch gegeben. \u00dcber die Krankheit selbst will ich gar nicht schlecht reden \u2013 spannende Schnitzeljagden quer durch Stadt, Dorf oder Gel\u00e4nde konnten schon anno dunnemals bei den Mitmachern Z\u00fcge schierer Besessenheit annehmen. An PokemonGo irritiert mich, dass binnen weniger Stunden gut die H\u00e4lfte von Deutschlands Jugend infiziert war und selbst ein betr\u00e4chtlicher Teil der \u00e4lteren Smartphone-Nutzer sich als nicht immun erwies. In der Psychologie nennt man ein derartiges Ph\u00e4nomen \u201eMassenhysterie\u201d, in der Wirtschaft einen \u201elukrativen Geniestreich\u201d.<\/p>\n<p>Zur Irritation hat sich rasch Besorgnis um die k\u00f6rperliche Unversehrtheit der PokemonGo-J\u00e4ger und -Jagdgesellschaften gesellt. Denn bei der traditionellen Schnitzeljagd kann erfolgreich nur sein, wer seine Umgebung sehr aufmerksam und genau betrachtet. Bei der jetzigen Jagd auf digitale Monster und Geister kommt zum Schuss oder Fang nur, wer den Bildschirm seines Smartphones nicht aus den Augen l\u00e4sst. Das ist, mit Verlaub, f\u00fcr eine so mobile Gesellschaft wie die unsrige doch recht ung\u00fcnstig: Man kann als konzentrierter Geisterj\u00e4ger gar zu leicht selbst Geist werden. Wahrscheinlich haben die Entwickler des Spiels einfach nicht daran gedacht, dass die neuen Geister, die sie rufen, sich etwa mit den automobilen Monsterscharen nicht besonders gut vertragen. Weshalb nur wieder bleibt, an alle zu appellieren: Kinners, passt auf die wirkliche Welt auf und dort aufeinander!<\/p>\n<p>Von Freund Walter diesmal kein Wort, er urlaubt irgendwo im Kalifat Erdogan. Das macht mir Sorgen, denn der Kerl kann ja das Maul nicht halten.<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 29. Woche im Juli 2016)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Dass scheinbar harmlose Spiele seit jeher Gefahren f\u00fcrs leibliche Wohl bergen, l\u00e4sst sich heute leicht an Statistiken \u00fcber Freizeitunf\u00e4lle oder an den Krankenst\u00e4nden der Bundesligaclubs ablesen. Schon bei unseren Ahnen galt landl\u00e4ufig: \u201eSpiele sind eine todernste Sache\u201d oder \u201eSport ist Mord\u201d. 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