{"id":252,"date":"2016-10-24T22:00:00","date_gmt":"2016-10-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/10\/24\/liebesgruesse-aus-dem-oberstuebchen\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:13","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:13","slug":"liebesgruesse-aus-dem-oberstuebchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/10\/24\/liebesgruesse-aus-dem-oberstuebchen\/","title":{"rendered":"Liebesgr\u00fc\u00dfe aus dem Oberst\u00fcbchen"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape.<\/strong> Manchmal beschleicht einen das Gef\u00fchl, im eigenen Hirn s\u00e4\u00dfe noch ein anderer Mensch. Quasi ein Alter ego, das nur darauf lauert, dass man unaufmerksam oder m\u00fcde wird, beziehungsweise sich gedankenlos treiben l\u00e4sst. Dann schl\u00e4gt es zu, \u00fcbernimmt den Hirnapparat und l\u00e4sst einen Sachen denken, bisweilen sogar tun, auf die man im Vollbesitz seiner Geisteskr\u00e4fte nie und nimmer verfallen w\u00e4re. Was mich angeht, so liegt der Verdacht nahe, Freund Walter habe mir einen Avatar seiner selbst in den Kopf geschmuggelt. Anders sind so Momente, in denen ich gedanklich eindeutig ungehobelte Z\u00fcge dieses Burschen annehme, kaum erkl\u00e4rbar.<\/p>\n<p>Woher sonst sollte der archaische \u2013 und abgesehen von lange vergangenen Jugendtagen \u2013 eigentlich gar nicht zu mir passende Impuls kommen: \u201eDem w\u00fcrd&#8216; ich am liebsten aufs Maul hauen\u201d, angesichts brauner Bl\u00f6dsinnshetzer? Woher sonst sollte bei den ministerialen und offizialen Festreden zum Jubil\u00e4um einer von mir hochgesch\u00e4tzten Kultureinrichtung pl\u00f6tzlich im Hinterkopf dieses G\u00e4hnen mitsamt dem St\u00f6hnen \u201elaaaaangweilig!\u201d r\u00fchren? Oder wer provoziert in mir beim genie\u00dferischen Betrachten der h\u00fcbschen Gesichter Herbst-\/Wintermode vorstellender Modells eine Ketzerei, die sich gegen jeden Kavaliersbenimm vers\u00fcndigt?: \u201eAllesamt sind&#8217;s verbiestert und leiblich blo\u00df Klapperknochengestelle; nix zum Hinschauen, nix zum Knuddeln.\u201d<\/p>\n<p>Dies und manche Unstatthaftigkeit mehr, das bin nicht wirklich ich. Das kann nur jemand anderes in meinem Kopf sein. Ganz dubios wird die Angelegenheit, wenn du bei Spaziergang, Sport, Yoga oder zum Schlafengehen den Denkkasten bewusst ausschaltest \u2013 der aber nach einem kleinen Weilchen wie von Geisterhand wieder anspringt und auf Maximalleistung hochf\u00e4hrt. Dann ist wieder dieser Typ da am Zug, der andere. Der verschaltet Synapsen als g\u00e4be es daf\u00fcr keinerlei Regeln und sprudelt auch noch geniale Ideen in Serie heraus. Nun gut, denkst du, wenn es denn so sein soll: Nimmst halt zum n\u00e4chsten Spaziergang Papier und Stift mit, legst ein Notizb\u00fcchlein aufs Nachtschr\u00e4nkchen; auf dass die Qu\u00e4lerei wenigstens nutzbar gemacht werde. Dann aber zeigt dir der Hirngeist den Stinkefinger \u2013 und schweigt sich aus, bis die Schreibutensilien wieder verschwunden sind.<\/p>\n<p>Es ist zum Irrewerden. \u201eIch bin&#8217;s nicht\u201d, beteuert Walter. \u201eN\u00f6, n\u00f6, alles normal\u201d, sagt die Wissenschaft und res\u00fcmiert ihre j\u00fcngsten Erkenntnisse \u00fcber die Funktionsweise unserer Oberst\u00fcbchen wie folgt: \u201eDie besten Gedanken kommen uns, wenn wir nicht denken.\u201d Will sagen: Just im Zustand der Entspannung, der Ruhe, des s\u00fc\u00dfen Nichtstuns, der Muse und des Schlafes l\u00e4uft unser Hirn von ganz alleine zur H\u00f6chstform kreativer Produktivit\u00e4t auf. Dann stellt es zwischen alten und j\u00fcngeren Gedanken inklusive Gef\u00fchlen sowie lebenslang erworbenen Erfahrungen und Kenntnissen die tollsten Verbindungen her. Auf die w\u00fcrden wir nach der Methode \u201edar\u00fcber muss ich erstmal konzentriert nachdenken\u201d niemals kommen.<\/p>\n<p>Walter hat aufmerksam mitgelesen und brummt jetzt neunmalklug: \u201eWomit klar sein d\u00fcrfte, dass unsere Lebensweise v\u00f6llig falsch organisiert ist. Man sollte \u2013 der Wissenschaft und der Menschennatur folgend \u2013 zumindest die Geistesarbeiter prim\u00e4r f\u00fcrs Nichtstun bezahlen.\u201d Kein Einwand meinerseits. Wie ist das aber dann mit \u201eaufs Maul hauen\u201d, \u201elaaangweilig\u201d und \u201enix zum Knuddeln\u201d?, frage ich den Freund. Der schaut mich seltsam an und antwortet knapp: \u201eDu solltest die Wahrheit \u00fcber dich allm\u00e4hlich annehmen\u201d.<\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 43. Woche im Oktober 2016)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Manchmal beschleicht einen das Gef\u00fchl, im eigenen Hirn s\u00e4\u00dfe noch ein anderer Mensch. 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