{"id":250,"date":"2016-12-26T23:00:00","date_gmt":"2016-12-26T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/12\/26\/das-multikulti-schaengel-volk\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:13","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:13","slug":"das-multikulti-schaengel-volk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/12\/26\/das-multikulti-schaengel-volk\/","title":{"rendered":"Das multikulti Sch\u00e4ngel-Volk"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape.<\/strong> 2016 war, pardon, ein Schei\u00df-Jahr. Eines Morgens bist du aufgewacht und meintest, im Schlafe weit in die Vergangenheit gerutscht zu sein. Der Kalte Krieg ist wieder da, die T\u00fcrkei ein Sultanat und Britannien ein externes Inselreich. \u00dcberdies t\u00f6nt ringsumher ein Wehgeschrei und Krakeel, die Welschen, also die Fremden von drau\u00dfen, w\u00fcrden unsere Vorr\u00e4te pl\u00fcndern und den roten Hahn auf die Kirchd\u00e4cher setzen. Das jammert und schwadroniert wie anno 1794, als die \u201eFroschschenkelfresser\u201d in Koblenz einr\u00fcckten. Damals musste der Kurf\u00fcrst mitsamt Bagage Fersengeld geben. Dann hatten eine Weile erst die Revolutions-, nachher die Napoleonsfranzosen \u2013 jedenfalls der \u201dErbfeind von dr\u00fcben\u201d \u2013 am Rhein-Mosel-Eck das Sagen.<\/p>\n<p>Hat die Auffrischung hiesigen Blutes durch franz\u00f6sisches den Koblenzern geschadet? Wohl kaum. Schlie\u00dflich hat die grenz\u00fcbergreifende Mesalliance ein gar edles V\u00f6lkchen gezeugt: die \u201eSch\u00e4ngel\u201d. So nennen sich bis in unserer Tage stolz die Nachfahren damaliger Liebesfr\u00fcchte zwischen Heimischen und Welschen. Hat die Vertreibung des kurtrierisch-f\u00fcrstbisch\u00f6flichen Hofes die Stadt in kulturelle Finsternis gest\u00fcrzt? Ach was, das republikanisierte B\u00fcrgertum am dazumal halt Franz\u00f6sischen Eck nahm die kulturellen Angelegenheiten in die eigene Hand. Es setzte so manches Kulturding in die Welt, das bis heute Bestand hat und es dem Oberb\u00fcrgermeister erlaubt, regelm\u00e4\u00dfig auszurufen: \u201eKoblenz ist eine Kulturstadt!\u201d<\/p>\n<p>Und es ist eine Abendsausgehstadt. Das aber nur, weil sich hier Italiener, Griechen, Jugoslawen, Spanier, T\u00fcrken, S\u00fcdamerikaner, Asiaten, Afrikaner, ja sogar Saarl\u00e4nder, Schwaben und Bayern niedergelassen und Wirtsh\u00e4user er\u00f6ffnet haben. Wie s\u00e4he sie denn aus, die Stadt an Rhein und Mosel, ohne all die Neu-Sch\u00e4ngel? Au weh, dann h\u00e4tte ein rein angloamerikanisch orientierter Markt die Sache geregelt und das kulinarische Nachtleben w\u00e4re eine W\u00fcstenei aus Bouletten- und H\u00fchnerfl\u00fcgelbratereien. Was f\u00fcr Koblenz gilt, gilt f\u00fcr alle anderen St\u00e4dte auch, selbst die kleinen im Wald und auf der H\u00f6h&#8216;: Simmern, Mayen, Bad Ems, Montabaur, Hachenburg, Altenkirchen e tutti quanti w\u00e4ren nicht nur gastronomisch l\u00e4ngst tot ohne die frischen Kr\u00e4fte von drau\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eDeutschland den Deutschen\u201d: welch gruselige Vorstellung \u2013 the walking dead. Die St\u00e4dte kulinarisch und kulturell Ein\u00f6den, weil uns nicht nur die Wirtsh\u00e4user fehlen w\u00fcrden. Den Orchestern, den Opern- und Ballettensembles etwa w\u00fcrde ein betr\u00e4chtlicher Teil ihres Personals wegbrechen. Denn die sind alle so international wie die Rock- und Popszene, die Kinolandschaft, das Fernsehprogramm, die Wissenschaft \u2026. Aber mit \u201edem Fremden kommt das B\u00f6se\u201d, sagt leichtgl\u00e4ubiger Volksmund. Schon anno 1287 wurde \u00fcber eine vom Rhein bei Bacharach angeschwemmte Jungenleiche die M\u00e4r erlogen, Juden h\u00e4tten den Buben zu Ritualzwecken ermordet. Ergebnis: Hunderte Juden an Mittelrhein, Mosel und Niederrhein vom Mob totgeschlagen. Den Franzosen wurde sp\u00e4ter angedichtet, sie w\u00fcrden alles verzehren \u2013 Katzen, Hunde, kleine Kinder inklusive.<\/p>\n<p>Gauner und Lumpen: Das sind f\u00fcr die Selbstgerechten stets nur die Anderen. Ach, Kinners, es ist so einfach, f\u00fcr jeden Verdruss jenen die Schuld zu geben, und dar\u00fcber das simple Faktum zu verdr\u00e4ngen: Wo immer eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Menschen beisammen ist, findet sich auch ein kleiner Anteil schlechter darunter \u2013 Hiesige und Zugereiste, Wei\u00dfe und Farbige, Christen, Muselmanen und Gottlose &#8230;<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website Woche 51\/52 im Dezember 2016)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><em>Infoanmerkung f\u00fcr Ortsfremde:<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Sch\u00e4ngel ist eine mundartliche Bezeichnung (Ortsneckname) f\u00fcr die in der Stadt Koblenz Geborenen (heute oft auch f\u00fcr langj\u00e4hrig hier Lebende). Der Begriff Sch\u00e4ngel stammt aus der 20-j\u00e4hrigen Zugeh\u00f6rigkeit (1794\u20131814) der Stadt Koblenz zu Frankreich. Gemeint waren damit urspr\u00fcnglich die von den Franzosen abstammenden Kinder deutscher M\u00fctter. Der g\u00e4ngigste Name war damals Hans oder Johann, was dem franz\u00f6sischen Jean entspricht. Die Koblenzer hatten aber Schwierigkeiten, Jean franz\u00f6sisch auszusprechen, und in der Mundart der Koblenzer wurde daraus Schang. Hieraus entwickelte sich schlie\u00dflich Sch\u00e4ngel, eigentlich ein Diminutiv mit der Bedeutung H\u00e4nschen. Anfangs galt dies als Schimpfwort. Heute jedoch wird Sch\u00e4ngel als Ehrenname verstanden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 2016 war, pardon, ein Schei\u00df-Jahr. Eines Morgens bist du aufgewacht und meintest, im Schlafe weit in die Vergangenheit gerutscht zu sein. 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