{"id":244,"date":"2017-06-25T22:00:00","date_gmt":"2017-06-25T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/06\/25\/stadthalle-boppard-nimmt-wieder-fahrt-auf\/"},"modified":"2017-06-25T22:00:00","modified_gmt":"2017-06-25T21:00:00","slug":"stadthalle-boppard-nimmt-wieder-fahrt-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/06\/25\/stadthalle-boppard-nimmt-wieder-fahrt-auf\/","title":{"rendered":"Stadthalle Boppard nimmt wieder Fahrt auf"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape.<\/strong> \u201eNun komm schon! Den Rest schaffst du auch noch!\u201d Auf dem obersten Absatz im Treppenhaus der Stadthalle Boppard steht der \u201eManager\u201d dieser Veranstaltungslocation im Zentrum der Rhein- und Weinstadt. Mit verschmitztem Grinsen im gutm\u00fctig-rundlichen Gesicht schaut er dem von unten heranschnaufenden Besucher entgegen. Ich bin verabredet mit Rolf Mayer. In dessen H\u00e4nden liegen seit 2016 die Geschicke dieser Stadthalle und damit eines nicht unwesentlichen Teils des Bopparder Kulturlebens. Der 52-J\u00e4hrige ist kein Unbekannter in der Region und auch wir kennen uns seit vielen Jahren, freilich aus einem anderen Kulturzusammenhang: Mayer war gut zwei Jahrzehnte lang ein tragende S\u00e4ule im Getriebe des Koblenzer Caf\u00e9 Hahn, gewisserma\u00dfen der Hofmarschall dort. Jeder treuliche Hahn-Besucher kannte\/kennt \u201eden Rolf\u201d \u2013 als einen Mann, der von der Schnittlinie zwischen Hintergrundlogistik und Publikumsverkehr aus stets beide Bereiche im Blick und viele F\u00e4den in der Hand hatte.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-243\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/Rolf.jpg\" style=\"height:326px; width:455px\" width=\"455\" height=\"326\" \/><\/p>\n<p>Zwangsl\u00e4ufig muss deshalb im Gespr\u00e4ch mit ihm die erste Frage lauten: Warum hat er beim Hahn aufgeh\u00f6rt und sich von der Stadt Boppard als Verantwortlicher f\u00fcr deren Stadthalle anstellen lassen? \u201eNach mehr als 20 Jahren im Caf\u00e9&#8216; Hahn und um meinen 50 Geburtstag herum kam eben die Frage auf: Kann, soll man ewig auf diese Weise weitermachen oder nicht nochmal was anderes in Angriff nehmen?\u201d Tag um Tag bis zu sehr sp\u00e4ter Stunde \u201eim Laden\u201d sein, nachts noch aufr\u00e4umen und f\u00fcr die n\u00e4chste Veranstaltung umbauen, als Letzter das Licht ausmachen, an Familienleben gar nicht denken\u2026 Irgendwann und mit fortschreitendem Alter, so l\u00e4sst sich sein R\u00fcckblick auf die Hahn-Jahre deuten, schlich sich das Gef\u00fchl ein: Mag dieser Job auch interessant sein und lange allerhand Spa\u00df gemacht haben \u2013 es reicht allm\u00e4hlich. \u201eAlso begann ich mich umzuschauen nach anderen reizvollen M\u00f6glichkeiten.\u201d<\/p>\n<p>Mayer stie\u00df auf die Stellenausschreibung f\u00fcr Boppard, bewarb sich und wurde umstandslos sofort genommen. Die Bopparder w\u00e4ren auch schlecht beraten gewesen, h\u00e4tten sie diese Chance nicht ergriffen: Ein Mann, im Veranstaltungsgewerbe an Erfahrung reich, mit allen Wassern professioneller Event-Organisation gewaschen, mit besten Kontakten in viele k\u00fcnstlerische Szenen; obendrein einer, der sich auskennt am Mittelrhein und mit den Mittelrheinern. Besser h\u00e4tte man es kaum treffen k\u00f6nnen, um wieder kontinuierlich richtiges Leben in die Stadthalle zu bringen. Denn die anno 2008 als Neubau er\u00f6ffnete Location hatte zwar in den Anfangsjahren unter der \u00c4gide von Peter Konradi mit ambitionierten Programmen recht gute Figur gemacht. Danach aber war es \u2013 sagen wir mal: ziemlich still geworden um die Halle mit ihren beiden ansehnlichen und zeitgem\u00e4\u00df ger\u00fcsteten S\u00e4len; dem teilbaren gro\u00dfen mit Platz f\u00fcr bis zu 900 Besuchern, dem kleinen f\u00fcr ein maximal 150-k\u00f6pfiges Publikum.<\/p>\n<h3>Hallenprogramm versorgt Kleinstadt mit Kultur<\/h3>\n<p>Das erste ganz in Verantwortung von Mayer entstandene Halbjahresprogramm geht eben zu Ende. Es umfasste von Januar bis Juni 2017 knapp 50 Veranstaltungen unterschiedlichster Kaliber und Genres. Wie seit Inbetriebnahme der Halle waren Karnevalssitzungen der \u00f6rtlichen Vereine besucherstarke Basics der Belegung. \u201e\u00dcberhaupt l\u00e4uft alles, was mit lokalen Vereinen zu tun hat, wie geschmiert\u201d, res\u00fcmiert er seine bisherigen Erfahrungen an der neuen Wirkungsst\u00e4tte. Das ist gut und auch so gewollt, schlie\u00dflich soll die Halle als sprichw\u00f6rtliche \u201egute Stube der Stadt\u201d den Vereinen Heimstatt bieten. Aber eben nicht nur. In einer 16 000-Einwohner-Gemeinde wie Boppard kann, soll, muss die Stadthalle zugleich eine Institution sein, die die B\u00fcrger der Gemeinde mit einem ordentlichen Kulturangebot versorgt. Wie vielschichtig und\/oder ambitioniert dieses Angebot ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt nicht zuletzt vom Willen der politisch Verantwortlichen am Ort ab.<\/p>\n<p>In Boppard wollte die Stadtf\u00fchrung von der 2008er Einweihung der Halle an darin nicht nur popul\u00e4r unterhaltsames, sondern auch k\u00fcnstlerisch niveauvolles Programm fahren. Als ein Element davon hatte schon Konradi das \u201eKulturfestival Boppard\u201d ins Leben gerufen. Das ist eine eigene Theaterreihe, gest\u00fctzt auf Gastspiele ausgew\u00e4hlter deutscher Landesb\u00fchnen und freier Gruppen. Auf diese Reihe verwendet nun auch Rolf Mayer wieder gro\u00dfe Aufmerksamkeit. F\u00fcr 2017 hat er acht Produktionen eingekauft. Vier gingen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden im Fr\u00fchjahr \u00fcber die B\u00fchne der Stadthalle, darunter Schillers \u201eJungfrau von Orleans\u201d oder als zeitgen\u00f6ssisches Figurentheater f\u00fcr Erwachsene Heinrich von Kleists&nbsp; \u201eMichael Kohlhaas\u201d. Im November folgen als zweiter Teil des Kulturfestivals wiederum vier Theaterauff\u00fchrungen: \u201eCasanova\u201d, Shakespeares \u201eSommernachtstraum\u201d , \u201eLoriots gesammelte Werke\u201d des Vicco von B\u00fclow sowie f\u00fcr Kinder \u201eDie kleine Hexe\u201d.<\/p>\n<h3>Nicht jeder Programmpunkt ist ein Selbstl\u00e4ufer<\/h3>\n<p>Was der neue Hallenmanager allerdings auch lernen musste: Die Veranstaltungen jenseits der Vereinsevents sind keine Selbstl\u00e4ufer. Und was in Koblenz problemlos \u201eden Laden voll macht\u201d kann sich in Boppard als Ladenh\u00fcter erweisen. Ein Abend mit Breitmaul-Comedien Maddin Schneider wurde wegen toter Hose beim Vorkauf abgeblasen. Die Resonanz auf die aus Koblenz hergeholte \u201eLadies Night\u201d blieb eher bescheiden. Als Kabarett- und Comedyspielst\u00e4tte muss sich die Stadthalle erst wieder etablieren \u2013 zumal mancher unten am Rhein ans\u00e4ssige Freund der zungenfertigen L\u00e4sterkunst sich mangels Angebot am eigenen Ort Richtung ZAP in Emmelshausen auf dem Hunsr\u00fcck orientiert hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr Mayer sind zwei Dinge klar. Erstens \u201ekann ich hier kein Hahn-Programm machen, sondern muss als Vollversorger f\u00fcr ganz unterschiedliche Publikumsschichten agieren\u201d. Zweitens \u201em\u00fcssen wir den Boppardern erst zu Bewusstsein bringen, dass hier wieder ordentlich was geboten wird\u201d. Der Neuanfang ist gemacht, das Programm f\u00fcr eine attraktiv vielseitige Fortsetzung im zweiten Halbjahr steht: mit Klassischer Opernmusik hier, Jazz da, mit Krimi-Performance und philosophischem Caf\u00e9, mit Kabarett von Markus Barth und Konrad Beikircher, mit Theater und anderem f\u00fcr Erwachsene, Jugendliche, Kinder. Und dann sind da noch viele, viele Ideen, die Rolf Mayer f\u00fcr Boppard im Hinterkopf hat \u2013 diese Stadt, die ihm schon nach kurzer Zeit ans Herz gewachsen ist.<\/p>\n<p class=\"rteright\"><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.boppard-stadthalle.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.boppard-stadthalle.de<\/a><\/p>\n<p><em>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 25.\/26. Woche im Juni 2017)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eNun komm schon! 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