{"id":232,"date":"2017-04-24T22:00:00","date_gmt":"2017-04-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/04\/24\/schon-angegrillt\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:13","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:13","slug":"schon-angegrillt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/04\/24\/schon-angegrillt\/","title":{"rendered":"Schon angegrillt?"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p>ape. \u201eWas ist das denn f\u00fcr eine doofe Frage!\u201d, knottert Freund Walter angesichts der \u00dcberschrift. \u201eDein 14,90-Euro-Grill ist doch der einzige, der noch im Winterschlaf liegt. Jeder andere hat sp\u00e4testens am hochsommerlichen April-Sonntag vor Ostern wieder gegl\u00fcht, gebrutzelt, gequalmt.\u201d Nichts gegen meine kleine Holzkohlewanne, bittesch\u00f6n. Die beschert uns seit Jahren lecker ger\u00f6stete St\u00fccke von Schwein, Rind, Schaf, Huhn und Fisch nebst Bratk\u00e4se oder Grillgem\u00fcse. Gewiss, das gute Blechding kommt bei mir erst zum Einsatz, wenn man mit wohlig vollem Bauch noch ein paar Stunden an der Gartentafel beisammen sitzen kann, ohne sich den Allterwertesten abzufrieren.<\/p>\n<p>Aber das versteht der Freund nicht, denn auf seinem Wildwuchs-Hang hoch \u00fcber der Mosel wird selten, daf\u00fcr zu jeder Jahreszeit gegrillt. Das geht dann so: Im Winter steht, im Sommer lagert die G\u00e4stebagage um ein Erdloch, darin ein Feuer aus Buchenholz lodert. Dar\u00fcber wird ein aus Moniereisen zusammengeschwei\u00dfter Rost gelegt. Walter nennt das \u201eGrillreinigung\u201d. Und tats\u00e4chlich gibt es keine wirksamere, obendrein bequemere Grillputzmethode als dieses Abfl\u00e4mmen und Ausgl\u00fchen des Gitters. Sobald das Feuer zum flirrenden Gluthaufen niedergebrannt, schmei\u00dft jede\/r auf den Rost, was sie\/er mitgebracht oder der Herr \u00fcber diese Br\u00e4terei f\u00fcr alle bei seinem Geheimmetzger besorgt hat.<\/p>\n<p>Manchmal lassen wir den Rost ganz weg und machen es wie in unserer Kindheit oder zuzeiten der Altvorderen: Jeder spie\u00dft auf einen angespitzten Stock ein St\u00fcckchen Fleisch oder eine Wurst und h\u00e4lt das Konstrukt and\u00e4chtig \u00fcbers Lagerfeuer. \u00c4ltere Leser werden sich erinnern, dass in den 1950-\/60ern das private Grillen auf Holzkohlebecken hierzulande noch fast unbekannt war. Gegrilltes gab es blo\u00df als Schaschlikspie\u00df am Kirmes-Imbiss respektive als Grillhendl im Festzelt. Das private Holzkohlegrillen brachten erst \u201eGastarbeiter\u201d und Urlaubsr\u00fcckkehrer vor allem aus Griechenland, Jugoslawien und der T\u00fcrkei mit \u2013 auf dass es seinen furiosen Siegeszug antrete in Parks und G\u00e4rten, an Fluss- und Seeufern, auf Terrassen und Balkonen.<\/p>\n<p>Wie das aber so ist bei von unten gewachsenen Trends: Die Wirtschaft macht flugs ein Gesch\u00e4ftsmodell daraus. Galt in den 1980ern ein gusseiserner Grill f\u00fcr 70 Mark noch als \u00fcbertriebener Luxus, so stand ich neulich fassungslos in der Grill-Ausstellungshalle eines Gartencenters vor Dutzenden Modellen. Viele mit jeder Menge Hightech ger\u00fcstet, bald ebenso gro\u00df und so teuer wie ein halber Kleinwagen. \u00c4hnlich den Raumschiffen, die vorgeben, Kaffeemaschinen zu sein, k\u00f6nnen diese Grillmonster angeblich alles, was auch eine Gourmetk\u00fcche schafft. Walter bl\u00e4st die Backen auf: \u201eNur eines k\u00f6nnen sie halt nicht: Unsere Lust stillen auf einen Moment archaischer Einfachheit \u2013 bei einem schlichten, am Lagerfeuer oder \u00fcber der offenen Glut bereiteten Mahl mit Freunden.\u201d<\/p>\n<p>Tja, Einfachheit ist eben ein Wachstumshindernis. Weshalb sie selbst dem Hobbyg\u00e4rtner ausgetrieben werden soll. Was br\u00e4uchte der f\u00fcr ein Gem\u00fcseg\u00e4rtchen ureigentlich an Werkzeug? Nur Spaten oder Grabgabel, gro\u00dfe Hacke, kleine Hacke, vielleicht einen Rechen; fertig. Was wird ihm aufgeschwatzt? Das Hundertfache in tausenderlei Variationen und, so die Werbung, in jedem Fall bei vermindertem K\u00f6rpereinsatz den Ernteertrag steigernd. Walter kommentiert das mit dem knappen Satz: \u201eWer nicht schwitzen will, soll sich keinen Gem\u00fcsegarten anlegen.\u201d<\/p>\n<p>(Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 17. Woche im April 2017)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eWas ist das denn f\u00fcr eine doofe Frage!\u201d, knottert Freund Walter angesichts der \u00dcberschrift. \u201eDein 14,90-Euro-Grill ist doch der einzige, der noch im Winterschlaf liegt. Jeder andere hat sp\u00e4testens am hochsommerlichen April-Sonntag vor Ostern wieder gegl\u00fcht, gebrutzelt, gequalmt.\u201d Nichts gegen meine kleine Holzkohlewanne, bittesch\u00f6n. 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