{"id":227,"date":"2018-12-17T23:00:00","date_gmt":"2018-12-17T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/12\/17\/vorsatz-fuer-2019-gas-wegnehmen\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:12","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:12","slug":"vorsatz-fuer-2019-gas-wegnehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/12\/17\/vorsatz-fuer-2019-gas-wegnehmen\/","title":{"rendered":"Vorsatz f\u00fcr 2019: Gas wegnehmen"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape<\/strong>. Eigentlich halte ich diese Sache mit den guten Vors\u00e4tzen zum neuen Jahr f\u00fcr Humbug. \u201e\u2018s k\u00fctt, wie \u201as k\u00fctt\u201c, hei\u00dft es nach weiser Rheinl\u00e4nder-Art und meint: \u201eDo steckste nit drin\u201c oder \u201ekahnste nix maache\u201c. Dies kaum hingeschrieben, f\u00e4hrt Freund Walter mir maulend in die Parade: \u201eQuatsch! Das ist nicht Weisheit, sondern k\u00f6lsche Thresen-Philosophie; von den Suffniks entwickelt, um weiter Kranz f\u00fcr Kranz ihres Labbergetr\u00e4nks ohne schlechtes Gewissen in sich hinein sch\u00fctten zu k\u00f6nnen.\u201c Starker Tobak, Monseigneur; ausgerechnet von dir, der gerne selbst die Tassen hebt und der Devise folgt: Ich will mich nicht aufregen \u00fcber Dinge, die sich nicht \u00e4ndern lassen.<\/p>\n<p>So sprach ich \u2013 weshalb es im alten Jahr noch einen heftigen Disput gab. Denn Walter war geh\u00f6rig erbost: \u201eTust du nur so, um mich zu \u00e4rgern, oder bist du so meschugge?\u201c Es folgte eine Donnerpredigt, bei der selbst Thomas M\u00fcntzer erbleicht w\u00e4re: \u00dcber genaues Lesen und Zuh\u00f6ren, das jetzt offenkundig auch bei mir verkomme, seit ich bei diesem Facebook mittue. \u201eWas hatte ich gesagt?!\u201c, giftete er. \u201eDer genaue Wortlaut war: Ich will mich nicht aufregen \u00fcber Dinge, die sich nicht \u00e4ndern lassen. Und was, bittesch\u00f6n, l\u00e4sst sich nicht \u00e4ndern?\u201c Der Freund gab selbst die Antwort, und die lie\u00df die Scheiben klirren: \u201eNur die Naturgesetze sind unver\u00e4nderlich; alles vom Menschen Gemachte aber ist ver\u00e4nderbar; wir m\u00fcssen nur wollen!!!\u201c<\/p>\n<p>Weil es ein Erlebnis besonderer Art ist, wenn Walter aus der Haut f\u00e4hrt, legte ich \u2013 selbstredend in aller Unschuld \u2013 noch eine Schippe drauf: Dann lass uns f\u00fcr 2019 all unserer Laster abschw\u00f6ren. Keine Ess- und Trinkgelage mehr, nix Tobacco, kein vertr\u00e4umtes Stieren in die Landschaft oder versonnenes Schauen nach h\u00fcbschen Frauen, Schluss mit dem Luxus der Smartphone-Verweigerung, den Miniaufst\u00e4nden in Superm\u00e4rkten, den Spitzen wider Hautevollee und Nationalismusk\u00e4se. Und Du, mein Lieber, solltest endlich heiraten \u2013 unter der Haube h\u00e4tte es ein Ende mit der freigeistigen Liederlichkeit. Kurzum: Lass uns anst\u00e4ndige deutsche B\u00fcrger werden.<\/p>\n<p>Schweigen. Langes Schweigen. Sehr langes Schweigen. Der Freund schaute derart seltsam, dass ich denn doch beunruhigt war. So stellt man sich den Blick eines Gro\u00dfinquisitors vor, der sein Urteil \u201edie Hex\u2018 muss brennen\u201c gerade f\u00e4llt. Schlie\u00dflich zischte er ganz leise: \u201eDAS widerrufst du augenblicklich \u2013 oder wir sind geschiedene Leut\u2018.\u201c Was soll ich sagen? Mein Widerruf aller potenziellen Abschw\u00fcre und braven Vors\u00e4tze folgte unverz\u00fcglich. Der Scherz war schlecht gesetzt;&nbsp; es dauerte ein paar Gl\u00e4ser bis die Luft wieder gereinigt war.<\/p>\n<p>Wir einigten uns dann doch auf einen gemeinsamen guten Vorsatz f\u00fcr 2019: Gas wegnehmen. Will sagen: Noch weiter zur\u00fccktreten vom Irrsinn des Immerschneller und Immermehr. Denn wir hatten 2018 wieder erlebt, dass ringsum Kollegen, Bekannte, Freunde umfielen wie die Fliegen wegen R\u00fcckens, Herzkasper, Nervenflattern oder Seelenbruchs. Mag sein, der Homo sapiens und dessen nach wie vor steinzeitliche Entwicklungsstufe bei K\u00f6rper und Hirn passen einfach nicht zu den multiplen Hochgeschwindigkeits-Anforderungen des Turbokapitalismus. Die Zeitgenossen verbl\u00f6den in den unendlichen Fluten des Info-Inputs und zerbrechen unter der Peitsche des Allzeit-Funktionieren-Sollens. Diesen Zirkus machen wir, so gut es irgend geht, nicht mit. Basta. Nachtrag von Walter: \u201eAuch dieser Zirkus w\u00e4re ver\u00e4nderbar; wenn wir wollen, sogar im Gro\u00dfenganzen.\u201c<\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 51.\/52. Woche im Dezember 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. 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