{"id":223,"date":"2016-10-07T22:00:00","date_gmt":"2016-10-07T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/10\/07\/voelkerwanderungen-migration-als-historischer-normalfall\/"},"modified":"2016-10-07T22:00:00","modified_gmt":"2016-10-07T21:00:00","slug":"voelkerwanderungen-migration-als-historischer-normalfall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2016\/10\/07\/voelkerwanderungen-migration-als-historischer-normalfall\/","title":{"rendered":"V\u00f6lkerwanderungen &#8211; Migration als historischer Normalfall"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Unkorrigiertes Manuskript meines Vortrages am 6. Oktober 2016 in Altenkirchen; teils ausformuliert, teils nur in Stichworte; m\u00fcndliche Ausf\u00fchrung streckenweise davon abweichend.<\/strong><\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>ape<\/strong>. Im Jahr 2016 hielt ich &#8211; motiviert durch die teils uns\u00e4gliche Fl\u00fcchtlingsdiskussion in Deutschland &#8211; mehrere \u00f6ffentliche Vortr\u00e4ge zum Thema &#8222;V\u00f6lkerwanderungen&#8220;. Es ging mir dabei vor allem um sachliche Erhellung des Umstandes, dass Migration nebst V\u00f6lker- und Kulturvermischung ein Wesensmerkmal der menschlichen Zivilisationsentwicklung von deren Anbeginn an war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Vortr\u00e4ge unterschieden sich teils erheblich voneinander. Einmal lag der Schwerpunkt auf den j\u00fcngsten Migrationsbewegungen und ihren Ursachen in der Gegenwart bzw. j\u00fcngeren Vergangenheit. Die letzten beiden Abende in Bad Marienberg und Altenkirchen konzentrierten sich dann auf einen \u00dcberblick \u00fcber die Migrationsgeschichte von den menschlichen Anf\u00e4ngen vor 1,8 Millionen Jahren bis ins sp\u00e4te 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachfolgend k\u00f6nnen Sie das Manuskript des letzten Vortrages am 6.10.2016 in Altenkirchen einsehen, studieren, lesen. Allerdings sind gro\u00dfe Teile nicht ausformuliert, sondern nur als Stichworte notiert &#8211; doch k\u00f6nnen interessierte Leser wohl problemlos die wesentlichen Fakten und Gedanken herauslesen\/ableiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Prolog<\/h2>\n<p>Dieser Vortrag heute ist quasi die chronologisch umgekehrte Fortsetzung meiner Ausf\u00fchrungen vom Februar an dieser Stelle. Damals ging es vor allem um Ursachen, Bedingungen, Perspektiven der aktuellen und j\u00fcngeren Migrationsbewegungen. Heute m\u00f6chte ich mit ihnen ganz zu den Anf\u00e4ngen der Menschheitsgeschichte zur\u00fcckspringen \u2013 und von dort her die menschlichen Wanderbewegungen von der Fr\u00fchgeschichte \u00fcber Antike und Mittelalter bis ins 18., 19. und fr\u00fche 20. Jahrhundert in den Blick nehmen.<\/p>\n<p>Bevor wir nun einen Zeitsprung von 1,5 Millionen Jahren in die Vergangenheit machen, will ich ihre Aufmerksamkeit noch einmal auf zwei Umst\u00e4nde aus der j\u00fcngeren Migrationsgeschichte lenken. Einfacher Grund: Ich m\u00f6chte, dass Sie Ihren Kopf zumindest f\u00fcr eine Weile befreien von der eurozentrischen Perspektive und den Aufgeregtheiten der aktuellen Migrations- und Fl\u00fcchtlingsdiskussion.<\/p>\n<h3>Erster Umstand<\/h3>\n<p>Im 18. und 19. Jahrhundert gingen die mit Abstand gr\u00f6\u00dften Migrationsstr\u00f6me von hier, von Mitteleuropa aus hinaus in die Welt \u2013 nach Nordamerika, Mittel- und S\u00fcdamerika, Afrika, Asien, ja selbst nach Russland wie wir sehen werden. Erst in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts kehrte sich die Bewegungsrichtung um, und wurde Mitteleuropa zum Zielpunkt gro\u00dfer Migrationsstr\u00f6me.<\/p>\n<p>Wir werden sehen, dass jene historischen Migrationsstr\u00f6me der zur\u00fcckliegenden zwei Jahrhunderte aus Europa hinaus mit dem Begriff \u201eAuswanderer\u201d qualitativ nur unzul\u00e4nglich bezeichnet sind. Denn zu einem erheblichen Anteil handelte es sich bei unseren auswandernden Vorfahren tats\u00e4chlich um \u201eFl\u00fcchtlinge\u201d: Um Menschen, die vor Krieg, vor Hunger, Elend und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit, vor religi\u00f6ser oder vor politischer oder vor ethnischer Verfolgung aus ihrer europ\u00e4ischen Heimat flohen.&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h3>Zweiter Umstand<\/h3>\n<p>60 bis 70 Millionen Menschen befinden sich laut UN aktuell weltweit auf der Flucht vor Krieg, Hunger Perspektivlosigkeit. (Zwei Drittel davon sind \u00fcbrigens Binnenfl\u00fcchtlinge, also Leute, die in Nachbarregionen oder nahegelegene L\u00e4nder ihres Kontinents fl\u00fcchten.) 70 Millionen ist eine erschreckend hohe und der globalen Moderne gewiss zur Schande gereichende Zahl.<\/p>\n<p>Allerdings: Ins Verh\u00e4ltnis zur gegenw\u00e4rtigen Gesamtbev\u00f6lkerung der Erde von bald 8000 Millionen gesetzt, haben wir es im l\u00e4ngerfristigen historischen Vergleich mit einer eher unterdurchschnittlichen Gr\u00f6\u00dfenordnung von knapp 1 % zu tun. Selbst wenn wir die \u201enormale Migration\u201d (also nicht Flucht im engeren Sinn) mit weiteren 2 bis 4 % veranschlagen w\u00fcrden, k\u00e4men wir bei weitem nicht auf die europ\u00e4ische AuswanderungsRATE im 19. JH.<\/p>\n<p>Es gab zu jener Zeit in deutschen Landen Regionen (zB die Pfalz), die von Auswanderung so sehr gebeutelt wurden, dass hiesige F\u00fcrsten zwangsweise Auswanderungs-Obergrenzen oder zeitweise kategorische Auswander-Verbote erlie\u00dfen. Denn 20, 30 oder mehr Prozent Bev\u00f6lkerungsverlust binnen nur einer oder zweier Generationen durch Auswanderung waren keine Seltenheit. Genutzt haben solche Obergrenzen oder Verbote l\u00e4ngerfristig allerdings nie.<\/p>\n<p>Anderes Beispiel Irland: Bei mehreren gro\u00dfen Hungersn\u00f6ten zwischen 1845 und 1852 starben 1 Million Iren = 12 % der Inselbev\u00f6lkerung. Weitere 24 %, also 2 Millionen, entflohen im gleichen Zeitraum dem Hungerhorror durch Auswanderung. Mithin verlor Irland binnen eines knappen Jahrzehnts 36 Prozent seiner Bev\u00f6lkerung. Irische wie&nbsp; englische Landlords und Industriebarone spuckten damals Gift und Galle, wollten mit Feuer und Eisen&nbsp; die Abwanderung ihrer Arbeitskr\u00e4fte verhindern. Genutzt hat es nichts. Denn ohne Hoffnung daheim, hat der Mensch sich seit jeher aufgemacht nach anderw\u00e4rts \u2013 dorthin, wo es vielleicht oder angeblich besser ist.<\/p>\n<h2>A) Fr\u00fchgeschichtliche Wanderungen<\/h2>\n<h3>1. Erste Schritte<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-215\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Homo-erectus.jpg\" style=\"float:right; height:300px; margin:5px; width:260px\" width=\"260\" height=\"300\" \/>&#8222;Am Anfang stand das Wort&#8220;, hei\u00dft es in der Bibel. Doch zumindest auf wissenschaftlich erforschbare Menschheitsgeschichte trifft das nicht zu. Denn da stand Anfang der Losl\u00f6sung vom rein animalischen Dasein der aufrechte Gang &#8211; und kam mit ihm sehr bald eine erste globale Migrationsbewegung:<\/p>\n<p>Die Besiedlung der Welt durch den <strong>Homo erectus<\/strong>.<br \/>\n= erste Homo-Art, aufrechter Gang , J\u00e4ger und Sammler, Feuernutzer, Werkzeughersteller<\/p>\n<ul>\n<li>Heimat\/Entstehungsregion: Afrika vor 1,8 Millionen Jahren<\/li>\n<li>Wanderbeginn vor ca 1,5 Millionen Jahren<\/li>\n<li>Ausbreitung: Afrika &gt; Naher Osten &gt; Mittelost-Europa &gt; Indien\/China<\/li>\n<li>Gesamtbev\u00f6lkerung global: ca 55 000<\/li>\n<\/ul>\n<p>&#8211; Aus ihm ist in Europa hervorgegangen: der Neandertaler &gt; und hat sich sp\u00e4ter gekreuzt mit dem Homo sapiens<\/p>\n<p>Frage ans Publikum: Warum ist homo erectus nicht einfach daheim geblieben in dem f\u00fcr seine Entstehung optimalen afrikanischen Umfeld, sondern hat sich bis in die f\u00fcr ihn unwirtlichsten Weltgegenden ausgebreitet?<\/p>\n<p>(Neugierde, Wandertrieb, Suche nach Besserem, Suche nach Geschlechtspartnern, die ewig gleichen Gesichter der eigenen 15-k\u00f6pfigen Gruppe nicht mehr sehen k\u00f6nnen, Staffettenwanderung aus \u00fcberjagten Gebieten hinaus &#8230;. Die Gr\u00fcnde liegen im Dunkel der Fr\u00fchgeschichte verborgen.)<\/p>\n<h3>2. Die zweite Migrationswelle<\/h3>\n<h4>Homo sapiens<\/h4>\n<ul>\n<li>&#8211; Heimat: Afrika<\/li>\n<li>&#8211; Wanderbeginn vor ca 200 000 Jahren<\/li>\n<li>&#8211; Ausbreitung: Afrika &gt; vor 100 000 Jahren Ankunft in S\u00fcdosteuropa<\/li>\n<li>Teilung der Wanderstr\u00f6me a) Mittel- und S\u00fcdwesteuropa b) Sibirien und amerikanischer Doppelkomtinent c) Asien, Australien, Neuseeland<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-216\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Homo-Ausbreitung.jpg\" style=\"height:211px; width:450px\" width=\"450\" height=\"211\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Ausbreitung der Homo-Spezies: gelb + ocker = Homo erectus; nur ocker = Neandertaler; rot = Homo sapiens<\/em><\/h5>\n<h3>3. Europ\u00e4isches Wandernetzwerk der Jungsteinzeit<\/h3>\n<p>ALLE menschlichen Gemeinschaften waren bis vor etwa 10 000 Jahren nomadische Wandergruppen von J\u00e4gern und Sammlern. (vgl. Europa-Nomaden fr\u00fches Neolithicum Neuwied)<\/p>\n<ul>\n<li>Wir begeben uns ins Neuwieder Becken w\u00e4hrend der letzten Phase der j\u00fcngsten Eiszeit &gt;zwischen 18 000 und 10 996 v. Chr. Warum 10 996? Letzter Ausbruch des Laacher-See-Vulkans. &gt; Versch\u00fcttung = Arch\u00e4ologisches Eldorado<\/li>\n<li>Einige Jahrhunderte um 13 000 v. Chr. Diese Epoche tragen f\u00fcr Europa den sch\u00f6nen Namen Magdal\u00e9nien, benannt nach dem uralten Siedlungsplatz La Madelein in Frankreich.<\/li>\n<li>Das Gesamtbild, das die Arch\u00e4ologen heute zeichnen k\u00f6nnen, widerspricht der Vorstellung von den fr\u00fchen Menschen als isolierte Kleingruppen fast noch animalischer Wilder.<\/li>\n<li>Landschaft, Klima: So etwa war es vor 15000 Jahren: Die&nbsp; Mittelrhein-Region ist eine trocken-kalte Tundra-Landschaft, der Untergrund noch ganzj\u00e4hrig in Permafrost erstarrt, bewachsen mit Steppengr\u00e4sern und Buschwerk, gr\u00f6\u00dfe B\u00e4ume, gar W\u00e4lder gibt es nicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Rhein ist flacher, m\u00e4andert durch eine Ger\u00f6lllandschaft mit vielen Inseln &gt; relativ leicht zu \u00fcberqueren.<\/p>\n<ul>\n<li>Erst schlagen 15 bis 25 Individuen starke magdal\u00e9nische Gemeinschaften mit Kind und Kegel in der gesch\u00fctzten Sattellage des Andernacher Martinsberges allj\u00e4hrlich f\u00fcr mehrere Monate ihr Lager auf.&nbsp; Bei sp\u00e4teren Wanderungen bevorzugen sie dann G\u00f6nnersdorf, bauen dort ihre steilwandigen Rundh\u00fctten aus Tierh\u00e4uten \u00fcber einer Holzkonstruktion auf.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-217\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Magdaleniendorf.jpg\" style=\"height:285px; width:450px\" width=\"450\" height=\"285\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Rekonstruktion einer Magdalenien-Siedlung aus mit Tierh\u00e4uten bespannten Rund- und Spitzbehausungen.<\/em><\/h5>\n<p>\n&#8211; Die arch\u00e4ologischen Funde bezeugen: Es kommt nicht nur eine Gruppe hierher, sondern es treffen sich regelm\u00e4\u00dfig mehrere, die aus drei verschiedenen Richtungen und teils mehr bis zu 300 Kilometern Entfernung zu den H\u00e4ngen des Neuwieder Beckens ziehen.<\/p>\n<p>&#8211; Sie kommen aus dem Maasgebiet, vom Niederrhein und aus der Mainzer Gegend, um hier einige Zeit Seite an Seite zu leben. Das Bed\u00fcrfnis nach&nbsp; Begegnung muss sehr stark ausgepr\u00e4gt gewesen sein in einer beinahe menschenleeren Welt = 4000 Individuen auf dem Gebiet des heutigen Deutschland.<\/p>\n<ul>\n<li>&nbsp;Anfang der 1970er tauchte in der Literatur zur Arch\u00e4ologie der sp\u00e4ten Eiszeit der Begriff \u201eFrauenfiguren vom Typ G\u00f6nnersdorf\u201c auf. Er wurde in der Folge ein international gebr\u00e4uchlicher Terminus.<\/li>\n<li>Bezeichnet werden damit vom jungsteinzeitlichen Homo sapiens aus Elfenbein, Knochen, Horn geschnitzte oder in Stein- und Schieferplatten geritzte Frauendarstellungen eines ganz bestimmten Stils.<\/li>\n<li>Der Stil (siehe Foto rechts): Der weibliche K\u00f6rper wird \u00fcberwiegend im Profil ohne Kopf und F\u00fc\u00dfe gezeigt; aus dem langen und oft stabf\u00f6rmigen Corpus ragt ein \u00fcberproportional m\u00e4chtiges Ges\u00e4\u00df in Halbrund- respektive Dreiecksform heraus; die Br\u00fcste sind, wenn \u00fcberhaupt, meist nur als kleine Ausbuchtung angedeutet.<\/li>\n<li>In ihrer starken Schematisierung und formalen Reduktion wirken die Ritzzeichnungen, mehr noch die nur wenige Zentimeter gro\u00dfen Statuetten wie stilisierte Symbole des Weiblichen \u2013 und erinnern beinahe an moderne Kunst.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Verbreitung des G\u00f6nnersdorf-Typus:<\/h3>\n<ul>\n<li>&#8211; Neben ihrer erstaunlichen \u00c4sthetik ist das r\u00e4umliche und zeitliche Auftauchen der Figuren vom Typ G\u00f6nnersdorf von besonderem Interesse. Die arch\u00e4ologische Forschung f\u00f6rderte nach gleicher Art schematisierte Frauendarstellungen bislang an mehr als zwei Dutzend Fundpl\u00e4tzen von S\u00fcdfrankreich \u00fcber das Rheinland und Ostdeutschland bis in die Ukraine zutage.<\/li>\n<li>&#8211; Allesamt lassen sie sich dem Magdal\u00e9nien zuordnen, tauchten im 14.\/13. Jahrtausend v. Chr. beinahe zeitgleich an vielen Stellen quer durch Europa auf.<\/li>\n<li>&#8211; Mit ihrem hohen Niveau der Abstraktion unterscheiden sich diese Frauenfiguren grundlegend von den demonstrativ wohlgen\u00e4hrten, quasi-naturalistischen Fruchtbarkeitsmatronen (z.B. Venus von Willendorf) der vorausgegangenen 10 000 Jahre.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Folgerung: Intensive Staffetten-Wanderungen \u00fcberziehen Europa mit einem Netzwerk an Kulturkontakten\/Austausch<\/strong><\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-218\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Radius.jpg\" style=\"height:482px; width:450px\" width=\"450\" height=\"482\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Radius.jpg 450w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Radius-448x480.jpg 448w\" sizes=\"auto, (max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Herkunft der sich im Neuwieder Becken versammelnden Magdaleniengruppen zB auf Basis dort gefundener Steinwerkzeuge und anderer Artefakte. Darunter Schmuckschnecken vom Mittelmeer, die belegen, dass es nach dem Prinzip der Staffetten-Wanderung Verbindungen \u00fcber gro\u00dfe Teile Europas hinweg gab.<\/em><\/h5>\n<h3>4. Die neolithische Revolution<\/h3>\n<p>Dann setzte 8000 bis 10000 vor Christus die sog. neolithische oder jungsteinzeitliche Revolution ein: Aus J\u00e4gern und Sammlern wurden sesshafte Ackerbauern, Viehz\u00fcchter, Handwerker. Doch selbst die Sesshaftwerdung sowie die Herausbildung von St\u00e4mmen, Stammesgruppen und V\u00f6lkern bedeutete keineswegs das Ende der menschlichen Wanderschaft. Vielmehr machten sich nun ganze Stammesverb\u00e4nde und V\u00f6lkerschaften auf in immer neue Siedlungsgebiete.<\/p>\n<ul>\n<li>War noch im Magdalenien Krieg unter Menschen ein wahrscheinlich v\u00f6llig unbekanntes Ph\u00e4nomen, so \u00e4nderte sich das bald darauf durchgreifend:\n<ul>\n<li>a) bis dahin leere, offene R\u00e4ume, nun wg. Klima\u00e4nderung und daraus folgender Vegetations\u00e4nderung = r\u00e4umlich begrenzte Siedlungsgebiete.<\/li>\n<li>b) Bev\u00f6lkerungsexplosion durch Ackerbau<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Folge: Migration bedeutet ab dato vielfach Eindringen in bereits besiedelte Gebiete.&nbsp;&nbsp; &gt; Migrationen werden auch zu Kriegsz\u00fcgen mitsamt gewaltsamen Unterwerfungen\/Vertreibungen\/Genoziden.<\/strong><\/p>\n<h3>5. Expansion der Kelten-Kultur im 1. Jahrtausend vor Christus:<\/h3>\n<p>Wir meinen immer, Germanen seien unsere ersten nachsteinzeitlichen Vorfahren gewesen. Ein Irrtum.&nbsp; Wir schreiben das Jahr 800 vor Christus \u2013 und finden etwa am Mittelrhein noch immer keine Germanen. Wie zahllose andere Populationen in Eurasien, durchlebten deren Sippen gerade die Schlussphase der Wandlung vom J\u00e4ger und Sammler zum Ackerbauern und Viehz\u00fcchter.<\/p>\n<p>Was einen gewaltigen Bev\u00f6lkerungszuwachs und entsprechenden Expansionsdrang\/Wanderdrang zur Folge hat.<br \/>\nAllerdings waren die Germanen da noch in Skandinavien, an Elbe, Oder, Weichsel, auf den Gebieten des heutigen Polens, Ungarns, Rum\u00e4niens, Westrusslands daheim.<\/p>\n<p>Derweil entwickelte sich an Rhein und Mosel, von Ostfrankreich bis \u00d6sterreich und von den britischen Inseln bis zu den Alpen aus \u00f6rtlichen Bronzezeitkulturen die keltische Gro\u00dfraumkultur = Hallstatt-Kultur 800 bis 450 v. Chr. + Latene-Kultur 480 bis 0.<\/p>\n<p>Im 5. Jahrhundert vor Chr. begann eine gro\u00dfe keltische Migrationswelle. Keltenst\u00e4mme wanderten nach Spanien und Portugal ein (friedliche Assimilation), zogen nach Oberitalien und ins Etruskerland (Kampf um Rom), breiteten sich bis nach&nbsp; Kleinasien aus. Sprachforscher haben entdeckt, dass zu ihrer Bl\u00fctezeit am \u00dcbergang zur Hochkultur in Anatolien und im Trierer Raum ein sehr \u00e4hnlicher Keltendialekt gesprochen wurde.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-219\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Kelten-ok.jpg\" style=\"height:345px; width:450px\" width=\"450\" height=\"345\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Verbreitungsgebiet der Kelten-Kultur und keltische Siedlungsr\u00e4ume.<\/em><\/h5>\n<p>Die keltische Pr\u00e4gung S\u00fcd- und Mitteleuropas dauerte gut 600 Jahre. Dann wurde sie in die Zange genommen: Vom Nordosten wanderten Germanen ein, vom S\u00fcden dr\u00fcckten bald darauf die Legionen des Imperium Romanum. Wieder gab es eine Durchmischung der V\u00f6lker, Kulturen, Sprachen. Kelten und Germanen lebten einige Zeit gegen- und nebeneinander, verschmolzen bald miteinander.<\/p>\n<p>Noch anno 70 nach Christus erhoben sich St\u00e4mme beider Gruppen am Niederrhein, Mittelrhein und an der Mosel Seite an Seite gegen Rom. Die \u201eBataver-Aufstand\u201d genannte Revolte wurde niedergeschlagen. Die Niederlage der keltischen Treverer in der Schlacht bei Riol nahe Trier gegen die 21. Legion aus Mainz markiert das Ende der Keltenkultur an Rhein und Mosel. Die Treverer wurden romanisiert, Trier eine r\u00f6mische Metropole.<\/p>\n<h3>6. Die sp\u00e4tantike\/fr\u00fchmittelalterliche V\u00f6lkerwanderung &nbsp;<\/h3>\n<p>Was mag die ostgermanischen Burgunden veranlasst haben, ihre angestammte Heimat an Oder und Weichsel zu verlassen und \u00fcber den Donauraum bis an den Genfer See zu ziehen, dort ein Burgundenreich zu gr\u00fcnden, das im 6. JH im Frankenreich aufging?<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nWas mag die ostgermanischen Vandalen bewogen haben, ihr Siedlungsgebiet in Ungarn\/Rum\u00e4nien zu verlassen, sich mit den R\u00f6mern anzulegen und dann durch ganz Mittel- und S\u00fcdwesteuropa zu wandern, um schlie\u00dflich \u00fcber die Meerenge von Gibraltar in Nordafrika zu landen?<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-220\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Germanen-ost.jpg\" style=\"height:342px; width:450px\" width=\"450\" height=\"342\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Germanische Siedlungsgebiete um 50 nach Chr. Z.B. Langobarden, Burgunden, Vandalen, Goten leben zu dieser Zeit noch weit im Nordosten Europas. Am Ende der sp\u00e4tantiken V\u00f6lkerwanderung finden sie sich tief im S\u00fcden und S\u00fcdwesten Europas, ja sogar in Nordafrika wieder.<\/em><\/h5>\n<p>Definition \u201eV\u00f6lkerwanderung\u201d: Von der beginnenden <strong>Westexpansion der Hunnen<\/strong> um 376 nach Chr bis zum Einfall der <strong>elbgermanischen Langobarden in Italien<\/strong> anno 586.<br \/>\n&gt; Einwanderungsdruck von Nordosten durch Germanen und von Osten durch Hunnen &gt; innerhalb von knapp 300 Jahren ver\u00e4ndert sich die Besiedlungsstruktur West- und Mitteleuropas vollst\u00e4ndig.<\/p>\n<p>&gt;&gt; Beispiel: Die Goten-Expansion von 3. bis 8. Jahrhundert &gt; 42-j\u00e4hriger Zug der Westgoten vom denkbaren Ursprungsgebiet am Schwarzen Meer \u00fcber Kleinasien, Griechenland, Italien, Frankreich bis auf die Iberische Halbinsel, wo sie sich niederlie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-221\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/VOe-Wanderung.jpg\" style=\"height:250px; width:450px\" width=\"450\" height=\"250\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Beispiele gro\u00dfr\u00e4umiger Wanderbewegungen germanischer St\u00e4mme zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert n.Chr. . Die landl\u00e4ufig weit verbreitete Auffassung, es habe sich dabei vornehmlich um Kriegsz\u00fcge gehandelt, ist einseitig verengt. Die Z\u00fcge waren in der Regel zugleich verkn\u00fcpft mit Umsiedlungsbewegungen ganzer St\u00e4mme.<\/em><\/h5>\n<h3>7. Wikinger-Expansion 8. bis 11. JH<\/h3>\n<p><em>\u201eWeh, die Nordm\u00e4nner kommen!!!\u201d<\/em><\/p>\n<ul>\n<li>Ursprungslande der Wikinger: D\u00e4nemark, Schweden, S\u00fcd- und Mittelnorwegen<\/li>\n<li>Ausdehnung\n<ul>\n<li>a) nach Britannien<\/li>\n<li>b) nach Nordfrankreich<\/li>\n<li>c) nach Russland<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>&#8211; Wikinger-Wanderung gen Osten<\/strong>. Sie stie\u00dfen als H\u00e4ndler und&nbsp; Siedler \u00fcber Nowgorod bis zur n\u00f6rdlichen Seidenstra\u00dfe, nach S\u00fcdosten \u00fcbers Schwarze Meer bis nach Byzanz und in die arabischen Kalifate vor. \u201eRus\u201c (Ruderer) bei den Slawen genannt, besiedelten \u00fcber Kiew weite Landstrich in Nordwestrussland. Rus = Russen: An der Ethnogenese (= Entstehung eines Volkes) der Russen waren die Wikinger wesentlich beteiligt. Die Dynastie der Romanow-Zaren geht auf wikingische Wurzeln zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>&#8211; Wikinger im Westen Europas<\/strong>: Der Beginn der Wikinger-Zeit wird datiert auf den ersten schriftlich \u00fcberlieferten \u00dcberfall skandinavischer Piraten fernab ihrer Heimat. Dem fiel 793 das Kloster Lindisfarne an der Nordostk\u00fcste Englands zum Opfer. Das Ende der Nordm\u00e4nner-Epoche markiert die Schlacht bei Hastings 1066, wo der englische K\u00f6nig Harald Godwinsson dem normannischen Herzog Wilhelm (der Eroberer) unterlag. Ironie der Geschichte: Beide waren Wikinger-Abk\u00f6mmlinge, beider Herrschaftsbereiche Resultat fr\u00fcherer Raub- und Besiedlungsz\u00fcge. Normannen ist nur ein anderes Wort f\u00fcr Wikinger. Nach ihnen wurde die Normandie benannt, jener anno 911 vom Frankenk\u00f6nig Karl (der Einf\u00e4ltige) dem Wikingerh\u00e4uptling Rollo in der Hoffnung \u00fcberlassene Landstrich, die Raubz\u00fcge m\u00f6gen dann aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-222\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Wikinger.jpg\" style=\"height:279px; width:450px\" width=\"450\" height=\"279\" \/><\/p>\n<h5 class=\"rtecenter\"><em>Die Wikinger-Expansion. Herkunftslande violett, Besiedlungsr\u00e4ume blau. Plus blaue Linien = wikingische Handelswege. Rote Markierungen = gro\u00dfe \u00dcberf\u00e4lle von Wikinger-Kriegern\/-piraten.<\/em><\/h5>\n<h2>B) neuzeitliche Wanderungen<\/h2>\n<h3>8. Drei\u00dfigj\u00e4hriger Krieg (1618 bis 1648):<\/h3>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte und verlustreichste Religionskrieg der bisherigen Menschheitsgeschichte (zwischen Katholiken und Protestanten). Er machte einen betr\u00e4chtlichen Teil der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung wieder zu Migranten = Kriegsfl\u00fcchtlinge, Hungerfl\u00fcchtlinge, relig\u00f6s Verfolgte etc.<\/p>\n<h3>9. Die gro\u00dfen europ\u00e4ischen Auswanderungen<\/h3>\n<p>Vom irischen Exodus Mitte des 19. Jh. hatte ich bereits gesprochen. Lassen sie mich nun die Situation im Mitteleuropa des 18.\/19. JH exemplarisch am Geschehen in S\u00fcdwestdeutschland darstellen, weil das ziemlich gut erforscht und dokumentiert ist.<\/p>\n<ul>\n<li>Die Auswanderung aus dem Gebiet des heutigen RLP, Westhessen, Kurpfalz, Baden\/Schwaben und n\u00f6rdliches Bayern begann in kleinem Umfang bereits im sp\u00e4ten 17. Jh.&nbsp; Zur ersten Welle einer Massenauswanderung im Umfang von 15 000 registrieten\/dokumentierten Menschen setzte nach dem extrem strengen Winter von 1708\/09 ein. Die Leute entflohen dem Hunger ihrer vom Spanischen Erbfolgekrieg (1701 &#8211; 1717) ohnehin gebeutelte Heimat.<\/li>\n<li>Eine europaweite Hungerkrise um 1771 hat sich in einer allgemeinen Eimgrationswelle 1769\/71 Richtung Osteuropa niedergeschlagen.<\/li>\n<li>Eigenart der Auswanderung im 18. Jh: In Wellen, Ziel vor allem Osteuropa = Galizien (Westurkaine\/S\u00fcdpolen), S\u00fcdrussland, Banat (Rum\u00e4nien, Serbien, Ungarn).<\/li>\n<li>Ab 1765 unter Zarin Katarina II. wirbt Russland um deutsche Bauern zur Besiedlung leerer R\u00e4ume wie etwa das Wolgagebiet.&nbsp; 30 000 S\u00fcdwestdeutsche folgten dem Werben.<\/li>\n<li>Auch die Habsburger warben systematisch um Siedler f\u00fcr ihre eroberten Gebiete im Osten zB in Serbien\/Ungarn.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Nach S\u00fcdamerika:<\/h4>\n<p>Die rheinland-pf\u00e4lzische Auswanderung nach Brasilien begann mit der Unabh\u00e4ngigkeit des s\u00fcdamerikanischen Landes 1822. Vor allem im Hunsr\u00fcck und der Pfalz befanden sich viele Bewohner seinerzeit in einer hoffnungslosen sozialen und wirtschaftlichen Lage. In der Auswanderung sahen viele von ihnen die Chance, der Not zu entkommen. Die erste Welle deutscher Einwanderer in Brasilien verebbte 1830. Weitere Wellen folgten Ende der 1840er Jahre sowie 1855 bis 1865. Idar-Oberstein zB verlor dabei viele seiner Edelsteinhandwerker.<\/p>\n<h4>Nach Nordamerika:<\/h4>\n<ul>\n<li>1709 fand eine erste Massenauswanderung aus der Kurpfalz dorthin statt. Popul\u00e4rstes Ziel der nun kontinuierlich eintreffenden Auswanderer war Pennsylvania. (Gleich und gleich gesellt sich gern). Diese erste Phase der Auswanderung endete mit der Unabh\u00e4ngigkeit der USA. Die rheinland-pf\u00e4lzische Massenauswanderung nach Nordamerika setzte schlie\u00dflich 1817 erneut ein und dauerte bis etwa zur Mitte des Jahrhunderts an. Bevorzugter Siedlungsraum war der Nordosten der USA, wo sich zahlreiche deutsche Siedlungen etablierten<\/li>\n<li>Ein starkes Kontingent Auswanderer aus Baden und der Kurpfalz waren nach 1849 die verfolgten K\u00e4mpfer der 48\/49er Revolution.<\/li>\n<\/ul>\n<h4>Gesamtzahl s\u00fcdwestdeutscher Auswanderer:<\/h4>\n<p>Ist unklar. Sch\u00e4tzungen f\u00fcr den Zeitraum 1709 bis 1865 belaufen sich auf mehrere Hunderttausend bis zu 3 Millionen. Bei der damaligen Bev\u00f6lkerungszahl ein gewaltiger Aderlass.<\/p>\n<ul>\n<li>Auch damals schon: Vielfach wurden junge M\u00e4nner vorausgeschickt, um die Lage zu sondieren und den Weg f\u00fcr die nachkommende Familie zu spuren.<\/li>\n<li>Zu allen Zeiten: Vor allem die jeweils erste Auswanderergeneration sucht in der Fremde stets die enge Nachbarschaft zu vormaligen Landsleuten und Halt in den Gebr\u00e4uchen der alten Heimat.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>10. Die gr\u00f6\u00dfte innereurop\u00e4ische Binnenmigration im 19. JH<\/h3>\n<p>Massenabwanderungen der Landbev\u00f6lkerung in die neuen industriellen Zentren.<br \/>\nz.B. landlose Bauernbuben aus Tirol im Ruhrgebiet.<br \/>\nFrankreich, England. zB viele Polen in den Bergwerken Belgiens.<\/p>\n<h3>11. Massenflucht und Vertreibung vor, w\u00e4hrend und nach den Weltkriegen<\/h3>\n<ul>\n<li>&#8211; ca 1 Mio Deutsche verlie\u00dfen Deutschland + \u00d6sterreich zwischen 1933 und 1939 aus politischen Gr\u00fcnden.<\/li>\n<li>&#8211; Massenflucht von Franzosen hinter die Vichie-Grenze<\/li>\n<li>&#8211; Selten betrachtet: Abermillionen Russen flohen vor der heranr\u00fcckenden Wehrmacht gen Osten (bis Stalin sie nicht mehr weiter lie\u00df)<\/li>\n<li>&#8211; 12 bis 14 Millionen Deutsche aus den \u00f6stlichen Reichsgebieten flohen vor der heranr\u00fcckenden Roten Armee gen Westen.<\/li>\n<li>&#8211; Nachkriegszeit: Hunderttausende flohen aus der sowjetisch besetzten Zone nach Westen<\/li>\n<\/ul>\n<h3>12. Die Migrationsbewegungen der j\u00fcngsten Vergangenheit<\/h3>\n<ul>\n<li>&#8211; BRD ruft Gastarbeiter, und hunderttausende Menschen kommen. Viele bleiben. 1. Welle: Italiener. 2. Welle: Griechen, Jugoslawen, Slowaken. 3. Welle: T\u00fcrken. 4. Welle: russische Sp\u00e4taussiedler.<\/li>\n<li>&#8211; Millionen deutsche Ost-West-Migraten nach dem Mauerfall<\/li>\n<\/ul>\n<h3>13. Aktuelle Landflucht<\/h3>\n<p>Derzeit unter unseren Augen eine der global wom\u00f6glich wirkm\u00e4chtigsten und folgenreichsten Binnenmigrationsbewegungen: allgemeine Landflucht auf allen Kontinenten.<\/p>\n<p>Hierzulande: Nicht nur die Jungen kehren den D\u00f6rfern den R\u00fccken; zunehmend verkaufen \u00c4ltere ihre H\u00e4user auf dem Land, um sich auf die alten Tage in der Stadt anzusiedeln wg Infrastruktur.<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<h2>C) &gt;&gt; Res\u00fcmee:<\/h2>\n<p><strong>Migration ist seit den fr\u00fchesten Menschheitstagen eine zentrale Konstante der Zivilisationsentwicklung. Damit ging und geht auch unabwendbar einher stete Kultur- und V\u00f6lkervermischung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Epilog:<\/h2>\n<p>a)<br \/>\nWenn Waren und Kapital, Nachrichten und Entertainment, ebenso der reichere Teil der Menschheit sich frei und quasi nach Belieben um den ganzen Erdball bewegen und ihren Vorteil suchen k\u00f6nnen \u2013 dann kann niemand erwarten, dass der \u00e4rmere Teil der Menschheit dauerhaft duldsam und dumpf in seinem \u00f6rtlichen Elendsquartier hocken bleibt. Das w\u00e4re ein Widerspruch in sich, der in der Enge des globalen Dorfes nicht von Bestand sein kann.<\/p>\n<p>b)<br \/>\nUnd noch ein humoriger, gleichwohl sehr ernst gemeinter Abschluss meiner Ausf\u00fchrungen aus dem Mund von Karl Zuckmayer, hineingeschrieben ins Theaterst\u00fcck \u201eDes Teufels General\u201d:<\/p>\n<p><em>&#8222;Vom Rhein. Von der gro\u00dfen V\u00f6lkerm\u00fchle. Von der Kelter Europas!<\/em><\/p>\n<p><em>Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor &#8211; seit Christi Geburt. Da war ein r\u00f6mischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden M\u00e4dchen Latein beigebracht. Und dann kam ein j\u00fcdischer Gew\u00fcrzh\u00e4ndler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begr\u00fcndet.<\/em><\/p>\n<p><em>Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legion\u00e4r, ein Graub\u00fcndner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzw\u00e4lder Fl\u00f6zer, ein wandernder M\u00fcllerbursch vom Elsa\u00df, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein franz\u00f6sischer Schauspieler, ein b\u00f6hmischer Musikant &#8211; das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und Kinder gezeugt &#8211; und &#8211; und der&nbsp; Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und &#8211; ach was, schau im<br \/>\nLexikon nach.&#8220;<\/em><\/p>\n<p class=\"rteright\"><em>Andreas Pecht<\/em><\/p>\n<p>Wer sich f\u00fcr dieses Vortragsmanuskript interessiert hat, den k\u00f6nnte auch das folgende Essay interessieren<\/p>\n<p><a href=\"\/D7\/node\/127\">2016-01-02 Neujahrsessay:<br \/>\nVer\u00e4nderung ist der historische Normalzustand<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unkorrigiertes Manuskript meines Vortrages am 6. Oktober 2016 in Altenkirchen; teils ausformuliert, teils nur in Stichworte; m\u00fcndliche Ausf\u00fchrung streckenweise davon abweichend. ape. Im Jahr 2016 hielt ich &#8211; motiviert durch die teils uns\u00e4gliche Fl\u00fcchtlingsdiskussion in Deutschland &#8211; mehrere \u00f6ffentliche Vortr\u00e4ge zum Thema &#8222;V\u00f6lkerwanderungen&#8220;. 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