{"id":203,"date":"2017-07-26T22:00:00","date_gmt":"2017-07-26T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/07\/26\/ein-mittelrheiner-in-berlin\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:13","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:13","slug":"ein-mittelrheiner-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/07\/26\/ein-mittelrheiner-in-berlin\/","title":{"rendered":"Ein Mittelrheiner in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape<\/strong>. \u201eNa, wie war&#8217;s?\u201d, fragt Freund Walter. Antwort: \u201eEin Betrieb wie am Koblenzer Hauptbahnhof zur Rush Hour.\u201d Was nat\u00fcrlich ma\u00dflos untertrieben ist, da die Frage einem Kurzbesuch in Berlin gilt. Schlie\u00dflich ist das eine echte Gro\u00dfstadt, mit 3,5 Millionen Einwohnern die gr\u00f6\u00dfte der vier deutschen Millionenst\u00e4dte. Weil Walter zu jenen 54 % Deutschen geh\u00f6rt, die noch nie in der&nbsp; Hauptstadt waren, ein Zahlenspiel: K\u00f6ln, Frankfurt, Bonn, Wiesbaden, Mainz und Koblenz haben in summa nur 2,7 Millionen Einwohner; die Einwohnerzahl von Berlin ist 31 mal so gro\u00df wie die von Koblenz. Und w\u00fcrde man Berlin an den Mittelrhein versetzen, erstreckte sich das Stadtgebiet ungef\u00e4hr von Neuwied bis Boppard und von M\u00fcnstermaifeld bis H\u00f6hr-Grenzhausen.<\/p>\n<p>Um&#8217;s gleich zu sagen: Berlin hat viele nette Ecken, sogar ein paar h\u00fcbsche. Die allerdings findet kaum, wer an Besucher-Latsch-Highways klebt von Reichstag\/Brandenburger Tor \u00fcber Alex, Museumsinsel, Unter den Linden bis zum h\u00e4sslichsten Prachtboulevard Westeuropas, dem Kurf\u00fcrstendamm. Zudem gilt fast \u00fcberall das Prinzip \u201eBER\u201d = nie fertig werdende Baustelle. An der neuen U-Bahn Nr. 5 wird an gleicher Stelle noch immer gebaut wie vor acht Jahren schon. Der neue Baukern des Stadtschlosses ist l\u00e4ngst fertig, doch die potemkinsche Nostalgieh\u00fclle braucht Zeit. Um die Mercedes-Arena streben Glas- und Betonpal\u00e4ste im Dutzend &#8218;gen Himmel, fast jeder so absto\u00dfend nach Geld und M\u00f6chtegernarchitektur stinkend wie das mittlerweile schon wieder ergrauende kalte Rund des Potsdamer Platzes.<\/p>\n<p>Die Zubringer werden gerade 8- bis 10-spurig ausgebaut, auf dass die inneren Ringe und Verkehrsadern noch geschwinder verstopft werden. Berlin erstickt in Blech, obwohl dort prozentual deutlich weniger Bewohner ein Auto besitzen als in Mainz oder Koblenz, und noch weniger das ihre t\u00e4glich benutzen. Warum auch?! Denn die Hauptstadt hat etwas, um das ich sie seit meinem ersten Besuch vor Jahren beneide: ein \u00f6ffentliches Personennahverkehrssystem, das diese Bezeichnung auch verdient. Stell dir vor, du k\u00f6nntest rund um die Uhr im 3- bis 10-Minutentakt z\u00fcgig von M\u00fcnstermaifeld nach H\u00f6hr-Grenzhausen oder von dort nach Koblenz, Neuwied, Boppard, Bad Ems fahren und umgekehrt. Du k\u00f6nntest w\u00e4hlen und h\u00fcpfen zwischen U-Bahnen, S-Bahnen, Bussen, Stra\u00dfenbahnen. Kurzum: Du k\u00e4mst stets in k\u00fcrzester Zeit \u00fcberall hin. Das ist \u00d6PNV in Berlin. Ein Traum.<\/p>\n<p>Weshalb dennoch so viele Leute sich mit dem Auto durch die Stadt qu\u00e4len, bleibt mir ein R\u00e4tsel. Ich bin mit einem Tagesticket f\u00fcr 7 Euro kreuz und quer durch Gro\u00dfberlin gesurft. Habe an einem Tag eine Streckenf\u00fclle zur\u00fcckgelegt, f\u00fcr die man via \u00d6PNV am Mittelrhein zwei Wochen br\u00e4uchte. Bin mal hier, mal da ausgestiegen und herumspaziert; habe mir K\u00fcchend\u00fcfte aus aller Welt um die Nase wehen lassen; habe gestaunt \u00fcber die unendliche Vielfalt des Kulturangebots. Selbst in tiefster Nachtstunde habe ich mich in U-Bahnen und an deren Stationen zwischen Berlinern aus aller Herren L\u00e4nder und Milieus nicht unsicherer gef\u00fchlt als beim abendlichen Gang von der Koblenzer Altstadt zum Schlossparkhaus oder vom Mainzer Staatstheater zum dortigen Hauptbahnhof.<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrdest du also in Berlin leben wollen?\u201d, fragt Walter. Antwort: N\u00f6 \u2013 zu viel Mensch auf einem Haufen, zu viel Gesch\u00e4ftigkeit, zu viele nur noch in Smartphones stierende Leute, nirgends ein Berg und keine U- oder S-Bahn zur n\u00e4chsten echten Landeinsamkeit janz weit drau\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 30. Woche im Juli 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eNa, wie war&#8217;s?\u201d, fragt Freund Walter. Antwort: \u201eEin Betrieb wie am Koblenzer Hauptbahnhof zur Rush Hour.\u201d Was nat\u00fcrlich ma\u00dflos untertrieben ist, da die Frage einem Kurzbesuch in Berlin gilt. Schlie\u00dflich ist das eine echte Gro\u00dfstadt, mit 3,5 Millionen Einwohnern die gr\u00f6\u00dfte der vier deutschen Millionenst\u00e4dte. 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