{"id":200,"date":"2017-07-10T22:00:00","date_gmt":"2017-07-10T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/07\/10\/400-millionen-jahre-rheinland-pfalz\/"},"modified":"2017-07-10T22:00:00","modified_gmt":"2017-07-10T21:00:00","slug":"400-millionen-jahre-rheinland-pfalz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/07\/10\/400-millionen-jahre-rheinland-pfalz\/","title":{"rendered":"400 Millionen Jahre Rheinland-Pfalz"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape<\/strong>. <em>Mainz. Noch bis 29. Oktober 2017 zeigt das Landesmuseum Mainz eine Sonderausstellung, die nicht nur f\u00fcr Rheinland-Pf\u00e4lzer au\u00dferordentlich interessant ist, obwohl sie sich ausdr\u00fccklich auf das Gebiet dieses Bundeslandes konzentriert. Unter dem Titel \u201evorZEITEN \u2013 Arch\u00e4ologische Sch\u00e4tze an Rhein und Mosel\u201d versammelt die opulente Schau herausragende Artefakte, die von Mitarbeitern der rheinland-pf\u00e4lzischen Landesarch\u00e4ologie in den vergangenen 70 Jahren zwischen S\u00fcdpfalz und Oberwesterwald ergraben, entdeckt, gesichert, beforscht worden sind.<\/em><\/p>\n<p><!--break--><\/p>\n<p>Die Eingrenzung des Fundzeitraums auf die Jahre 1947 bis 2017 ist angelehnt an das Bestehen von Rheinland-Pfalz. So wird die Ausstellung zugleich eine Art Dokumentation \u00fcber die Arbeit der Landesarch\u00e4ologie w\u00e4hrend dieser sieben Jahrzehnte. Die Institution mit Au\u00dfenstellen in Trier, Koblenz, Mainz, Speyer \u2013 heute Teil der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) \u2013 feiert gemeinsam mit dem Bundesland 70. Geburtstag. Die Idee, zu diesem Anlass Funde aus allen Landesteilen zusammenzuf\u00fchren, ist naheliegend und wurde doch zuvor in dieser Form noch nie realisiert. So ergibt sich erstmals die M\u00f6glichkeit, an einem Ort zu betrachten, welche Sch\u00e4tze des kulturellen Erbes die Landesarch\u00e4ologen entdeckt, vor Vergessen, Zerst\u00f6rung oder Raub beh\u00fctet haben.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-192\" alt=\"Aktuelle Grabung der rheinland-pf\u00e4lzischen Landesarch\u00e4ologie nahe dem Eifelort Polch - in einem Gel\u00e4nde, auf dem ein Gewerbegebiet entstehen soll. Alle Fotos: GDKE\/Landesarch\u00e4ologie\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Polch-gross_0.jpg\" style=\"height:522px; width:455px\" width=\"455\" height=\"522\" srcset=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Polch-gross_0.jpg 455w, https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Polch-gross_0-418x480.jpg 418w\" sizes=\"auto, (max-width: 455px) 100vw, 455px\" \/><\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><em>Aktuelle Grabung der rheinland-pf\u00e4lzischen Landesarch\u00e4ologie nahe dem Eifelort Polch &#8211; in einem Gel\u00e4nde, auf dem ein Gewerbegebiet entstehen soll. Alle Fotos: GDKE\/Landesarch\u00e4ologie<\/em><\/p>\n<h3>Uralter Siedlungsraum an Rhein und Mosel<\/h3>\n<p>Was macht die Arch\u00e4ologie in Rheinland-Pfalz auch \u00fcber die Landesgrenzen hinaus so interessant? Es ist vor allem der Umstand, dass diese Region im Zentrum Europas offenbar seit Urzeiten ein bevorzugtes Siedlungs- und Jagdgebiet nicht nur f\u00fcr den Homo sapiens war, sondern zuvor bereits f\u00fcr den Neandertaler und den Homo erectus. Ein hier gefundener Faustkeil bezeugt den Aufenthalt von Vertretern des Homo erectus im Rhein-Mosel-Land bereits vor 800 000 Jahren. Rund 170 000 Jahre alt ist eine in der Ost-Eifel entdeckte menschliche Sch\u00e4delkalotte. In der Mainzer Ausstellung&nbsp; wird der nach anthropologischen Untersuchungen 30- bis 45-j\u00e4hrige Mann, von dem dieser \u00dcberrest stammt, augenzwinkernd als \u201e\u00e4ltester Rheinland-Pf\u00e4lzer\u201d vorgestellt. De facto war er einer der fr\u00fchesten Neandertaler in Europa und ist der \u00e4lteste Menschenfund auf rheinland-pf\u00e4lzischem Gebiet \u2013 diesem auch w\u00e4hrend der vergangenen beiden Eiszeiten klimatisch \u201egem\u00e4\u00dfigten\u201d Landstrich zwischen den n\u00f6rdlichen und den alpinen Eisschilden.<\/p>\n<p>In sp\u00e4teren Epochen wurde das Gebiet wegen seiner Mittellage auf dem europ\u00e4ischen Kontinent und seinen pr\u00e4genden Flu\u00dfverbindungen von S\u00fcd nach Nord und Ost nach West zum Durchzugs- und\/oder Einwanderungsraum unz\u00e4hliger Menschengruppen und V\u00f6lkerschaften. Fr\u00fche und sp\u00e4te Steinzeitmenschen, Bandkeramiker und Bronzezeitler, Kelten, Germanen, Wikinger, R\u00f6mer, Franken, Salier \u2026.: Sie alle und dazu Soldaten, H\u00e4ndler, Reisende aus aller Welt haben hier durchg\u00e4ngig \u00fcber Jahrzehntausende hinweg ihre Spuren und Einfl\u00fcsse in einer F\u00fclle hinterlassen, wie kaum anderswo n\u00f6rdlich der Alpen.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-193\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Flugmaus.jpg\" style=\"height:232px; width:455px\" width=\"455\" height=\"232\" \/><\/p>\n<p>Weshalb sich unschwer vorstellen l\u00e4sst, dass in den historischen Abteilungen der rheinland-pf\u00e4lzischen Museen sowie in den Depots der Arch\u00e4ologen gewaltige Mengen an Fundst\u00fccken gebunkert sind. Die Bef\u00fcrchtung war folglich, dass eine \u00dcberblicksausstellung, die Funde aus dem ganzen Land umfasst, in schierer Exponatmasse ertrinkt. Gute Nachricht von der Gro\u00dfausstellung \u201evorZEITEN\u201d im Landesmuseum Mainz: Mit 400 sorgsam ausgew\u00e4hlten Artefakten vermittelt die&nbsp; Schau einen knappen, aber exzellente Blick \u00fcber 400 Millionen Jahre Erd- und etliche zehntausend Jahre Menschengeschichte auf dem Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz. Zehntausende Fundstellen sind bei der Landesarch\u00e4ologie registriert. Foglich war Auswahl der Exponate eine der schwierigsten Aufgaben. Die sich \u00fcbers gesamte Erdgeschoss des Landesmuseums ausbreitende Schau ist angelegt als Reise durch einen Zeittunnel, die an markanten Stellen der Geschichte halt macht. Dort sind Kabinette eingerichtet mit Fundst\u00fccken, die exemplarisch f\u00fcr die jeweilige Epoche stehen. \u00dcberwiegend handelt es sich um Artefakte von jeweils nur einer Fundstelle, woraus sich ein sch\u00f6ner \u00dcberblick \u00fcber arch\u00e4ologisch besonders bedeutsame Pl\u00e4tze im Land ergibt.<\/p>\n<h3>Auch Naturerbe aus grauer Vorzeit gesichert<\/h3>\n<p>Die erste Station der in 15 Abteilungen untergliederten Ausstellung reicht zur\u00fcck ins Erdzeitalter des Devon. Der Raum ist mit 400 Millionen Jahren alten Fossilien best\u00fcckt. Das sind vor allem in Schiefer eingeschlossene Bewohner des einstigen Urozeans, dessen versteinerte, zu mehreren tausend Metern Dicke abgelagerten Sedimente einen Gro\u00dfteil der rheinland-pf\u00e4lzischen Mittelgebirge ausmachen. Gliederf\u00fc\u00dfler, Fische, Seesterne in wunderbar klarer Pr\u00e4gung sind zu sehen \u2013 in j\u00fcngerer Zeit ans Tageslicht bef\u00f6rdert durch den industriellen Abbau von Dachschiefer bei Budenbach im Hunsr\u00fcck. Mit dieser Sektion wird auch gleich zu Anfang der Ausstellung deutlich, dass den Arch\u00e4ologen nicht nur Entdeckung, Bewahrung, Erforschung und Vermittlung von zivilisatorischen Relikten aufgegeben ist, sondern sich diese Aufgaben ebenso auf das Naturerbe erstrecken.<\/p>\n<p>Die Zeitreise macht dann einen Sprung \u00fcber 375 Millionen Jahre und in den Westerwald zu versteinerten Fischen, Insekten, Reptilien, V\u00f6geln, S\u00e4ugetieren \u2013 und dem \u00e4ltesten je entdeckten gleitflugf\u00e4higen Nagetier. Sie alle waren heimisch in oder an einem Maarsee in Enspel bei Bad Marienberg. Unter mehreren Metern m\u00e4chtigem Basalt verborgen, kamen diese Relikte aus dem Terti\u00e4r ebenfalls infolge industriellen Abbaus der Gesteinsschichten zum Vorschein. Sie bezeugen f\u00fcr die mittelrheinische Region ein trockenes, warmes Klima wie heute am Mittelmeer.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Sch%C3%A4del.jpg?itok=R7UJ8f6x\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-194\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schaedel.jpg\" style=\"float:right; height:192px; margin:5px; width:220px\" width=\"220\" height=\"192\" \/> <\/a> Die folgenden drei Abteilungen der Ausstellung f\u00fchren dann in die Steinzeit und damit ins Zeitalter des Menschen. Von dem fast eine Million Jahre alten Faustkeil, mit dem dereinst ein Vertreter des Homo erectus hier hantierte, war schon die Rede. Ebenfalls von der 170 000 Jahre alten Sch\u00e4delskalotte des \u201e\u00e4ltesten Rheinland-Pf\u00e4lzers\u201c, deren Teile GDKE-Chefarch\u00e4ologie Axel von Berg in einer Kratermulde der Wannenvulkane bei Ochtendung in der Eifel (Kreis Mayen-Koblenz) fand und zusammensetzte. Dieser Neandertaler konnte sich mit seiner Sippe w\u00e4hrend der vorletzten Kaltzeit am Mittelrhein \u00fcberhaupt nur ansiedeln, weil ihre kleinen Zelte im Vulkankrater Schutz vor den eiszeitlichen Winden fanden und das vulkanische Untergrundgestein dort Sonnenw\u00e4rme speicherte. Ansonsten n\u00e4mlich war das Land ringsumher eine kaum bewohnbare frostige Tundra-Landschaft. Zum Neandertaler-Sch\u00e4del gesellen sich weitere Funde aus dem Krater: Steinerne Werkzeuge etwa, und Knochen von Beutetieren wie Rentier, Pferd oder riesigen, befellten Nash\u00f6rnern. Die zogen durch die rheinischen Ebene unterhalb der Vulkankrater, wurden von oben ersp\u00e4ht, dann manches von fr\u00fchmenschlichen Jagdtrupps erlegt, am Ort zugleich zerlegt \u2013 und anschlie\u00dfend st\u00fcckweise hinauf geschafft ins gesch\u00fctzte Lager.<\/p>\n<h3>Steinzeitliche Kulturmenschen bei Neuwied<\/h3>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-195\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Schieferfrauen.jpg\" style=\"height:293px; width:455px\" width=\"455\" height=\"293\" \/><\/p>\n<p>Vor rund 30 000 Jahren waren die Neandertaler von der Bildfl\u00e4che verschwunden und der Homo sapiens, also unser direkter Vorfahr, die weltweit dominante Menschenspezies geworden. Um dessen Lebensart am Ende der letzten Kaltzeit zu veranschaulichen, konzentriert sich die Mainzer Schau erneut auf einen Hotspot der Steinzeitarch\u00e4ologie in Rheinland-Pfalz: das Neuwieder Becken und arch\u00e4ologische Funde von dortigen Grabungen bei Andernach und Neuwied-G\u00f6nnersdorf.&nbsp; Glanzst\u00fccke von dort sind: eine Schieferplatte mit vier eingravierten Frauenfiguren, eine davon tr\u00e4gt eine S\u00e4uglingskiepe auf dem R\u00fccken, sowie zwei nur wenige Zentimeter gro\u00dfe, aus Mammutelfenbein geschnitzte Frauenk\u00f6rper.<\/p>\n<p>Anfang der 1970er tauchte infolge mehrerer Grabungskampagnen am Ort und ihrer reichhaltigen Resultate in der Fachliteratur der Begriff \u201eFrauenfiguren vom Typ G\u00f6nnersdorf\u201c auf. Er wurde zum international gebr\u00e4uchlichen Terminus f\u00fcr Frauendarstellungen eines ganz bestimmten Stils: Der weibliche K\u00f6rper wird \u00fcberwiegend im Profil ohne Kopf und F\u00fc\u00dfe gezeigt; aus dem langen und oft stabf\u00f6rmigen Corpus ragt ein \u00fcberproportional m\u00e4chtiges Ges\u00e4\u00df in Halbrund- respektive Dreiecksform heraus; die Br\u00fcste sind oft nur angedeutet. In ihrer Schematisierung und formalen Reduktion wirken die steinzeitlichen Ritzzeichnungen, mehr noch die kleinen Schnitzstatuetten wie stilisierte Symbole des Weiblichen \u2013 und erinnern fast an moderne Kunst.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/G%C3%B6nnersdorf%20Elfenbein_0.jpg?itok=2Ie6w5-w\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-196\" alt=\"\" class=\"image-large\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Goennersdorf-Elfenbein_0.jpg\" style=\"float:right; height:480px; margin:5px; width:224px\" width=\"224\" height=\"480\" \/> <\/a> Diese Artefakte entdeckte man in gro\u00dfer Zahl zwischen den \u00dcberresten alter Jagdlager, die vor etwa 15 500 Jahren wiederholt von mehreren Menschengruppen aus einem Umkreis von 300 Kilometern gemeinsam genutzt wurden. Besonders interessant ist, dass die europ\u00e4ische Arch\u00e4ologie gleichartige Frauendarstellungen an Fundpl\u00e4tzen von S\u00fcdfrankreich bis in die Ukraine zutage f\u00f6rderte. Allesamt sind sie innerthalb weniger Jahrhunderte, also fast zeitgleich, entstanden, lassen sich einer jungpal\u00e4olithischen Sp\u00e4tepoche mit dem sch\u00f6nen Namen Magdal\u00e9nien zuordnen.&nbsp; Was f\u00fcr einen nahezu kontinentweiten Kulturaustausch zwischen den regionalen Gruppen spricht.<\/p>\n<p>8500 Jahre j\u00fcnger ist der noch immer r\u00e4tselhafte Schreckensfund im pf\u00e4lzischen Herxheim, den die nachfolgende Ausstellungsstation thematisiert. Massengr\u00e4ber aus der Sp\u00e4tphase der Bandkeramikkultur mit den \u00dcberresten von etwa 500 zerst\u00fcckelten Menschen. Gesicherte Deutungen dieses spektakul\u00e4ren Fundes gibt es wenige. Klar ist nur, dass es sich um einen Ritualort handelt, an dem vor 7000 Jahren Menschen aus der weiten Umgebung zusammenkamen. Um Menschenopfer darzubringen? Um kannibalistische Zeremonien zu feiern? Um Gefangene hinzurichten? Man wei\u00df es (noch) nicht. Die schier kriminalistische Feinarbeit der Arch\u00e4ologen dauert an und das Kabinett zum \u201eFall Herxheim\u201d gew\u00e4hrt dem Besucher spannende Einblicke in die Methodik des arch\u00e4ologischen Schaffens.<\/p>\n<h3>Das r\u00f6mischste aller deutschen Bundesl\u00e4nder<\/h3>\n<p>Weiter geht die Zeitreise. Bronzezeitliche Hortfunde aus Schifferstadt, Ochtendung oder vom Rand des Pf\u00e4lzerwaldes belegen mannigfache Fernhandelsbeziehungen schon vor fast 4000 Jahren, die bis nach Persien reichten. Beigaben aus Prunkgr\u00e4bern bei Worms und Trier bezeugen f\u00fcr die nachfolgende Eisenzeit ab etwa 500 vor Chr. den hohen Stand der hiesigen Keltenkultur sowie deren intensiven Austausch etwa mit dem Mittelmeerraum. Auf die Kelten folgen ab dem 1. Jahrhundert vor Chr. und bis ins 4.\/5. Jahrhundert unserer Zeit die R\u00f6mer als dominanter Faktor im Rhein-Mosel-Land. \u201eRheinland-Pfalz ist das r\u00f6mischste aller deutschen Bundesl\u00e4nder\u201d pflegt GDKE-Generaldirektor Thomas Metz zu sagen.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-197\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Drachenkopf.jpg\" style=\"height:303px; width:455px\" width=\"455\" height=\"303\" \/><\/p>\n<p>Die Mainzer \u201eVorZEITEN\u201d-Schau f\u00e4chert das r\u00f6mische Zeitalter exemplarisch anhand von drei Schwerpunkten auf. Erstens mit einem Kabinett zur zeitweise gr\u00f6\u00dften Garnisonsstadt des Imperium Romanum n\u00f6rdlich der Alpen: das ums Jahr 13 vor Chr. als Legionslager entstandene Mogontiacum, also Mainz. Zweitens befasst sich ein eigener Raum mit Augusta Treverorum, der anno 17 vor Chr. von den R\u00f6mern gegr\u00fcndeten Stadt Trier. Schwerpunkt sind da Exponate der sp\u00e4tantiken Phase, die vor allem einen Eindruck vermitteln von der luxuri\u00f6s urbanen Lebensart der Oberschicht in der \u201eRom des Nordens\u201d genannten Kaiserresidenz. Das letzte Antikenkabinett ist drei besonderen Funden au\u00dferhalb der Metropolen gewidmet, <a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Kanne.jpg?itok=3IY8ti-S\"> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-198\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Kanne.jpg\" style=\"float:right; height:220px; margin:5px; width:137px\" width=\"137\" height=\"220\" \/> <\/a> die allesamt von unruhigen und schlie\u00dflich das Ende des Imperiums einl\u00e4utenden Verh\u00e4ltnissen zeugen: eine solit\u00e4re&nbsp; Reiterstandarte in Drachenkopf-Form als Relikt der gewaltsamen Zerst\u00f6rung des Limeskastells Niederbieber bei Neuwied; die Soldkasse einer r\u00f6mischen Truppeneinheit aus dem 4. Jahrhundert, gef\u00fcllt mit 22 000 pr\u00e4gefrischen M\u00fcnzen, die nahe einer R\u00f6merbefestigung im Kreis Cochem-Zell aus bislang unerfindlichen Gr\u00fcnden einfach liegengelassen worden waren; schlie\u00dflich der sensationelle \u201eBarbarenschatz von R\u00fclzheim\u201d, datierend auf die Zeit um 450, und 2013 einem pf\u00e4lzischen Raubgr\u00e4ber entwunden.<\/p>\n<h3>Erhellendes \u00fcber Arbeit der Arch\u00e4ologen<\/h3>\n<p>Station um Station schreitet die Ausstellung mit faszinierenden Zeitzeugnissen von der Sp\u00e4tantike voran durchs Mittelalter in die Neuzeit bis hin zur j\u00fcngeren Vergangenheit. Dabei gibt es immer wieder neue Einblicke in die Arbeit der Arch\u00e4ologen, die bald auch zwei vor allem bei Laien weithin unbekannte Faktoren erhellen. Da w\u00e4re zum einen der Umstand, dass sie sich f\u00fcr den \u201eBefund\u201d mindesten ebenso interessieren wie f\u00fcr die Fundst\u00fccke selbst. Denn wo ein Artfakt wie in welchem Zustand und unter welchen Umst\u00e4nden in der Erde liegt, ist f\u00fcr die daraus zu gewinnenden historischen Erkenntnisse bisweilen wertvoller als das Artefakt selbst, und sei es aus purem Gold. Weshalb die dilettantische (und \u00fcberdies verbotene) wilde Raubgr\u00e4berei eines der gro\u00dfen Probleme f\u00fcr die Arch\u00e4ologie darstellt.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/M%C3%BCnze%20Karl.jpg?itok=5xnbqhbF\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-199\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Muenze-Karl.jpg\" style=\"float:right; height:220px; margin:5px; width:203px\" width=\"203\" height=\"220\" \/> <\/a> Zum anderen sind die Landesarch\u00e4ologen keine J\u00e4ger verlorener Sch\u00e4tze, sondern vielmehr Bewahrer von Sch\u00e4tzen, die verloren gehen k\u00f6nnten \u2013 beim Stra\u00dfen-, Haus-, Gewerbebau, bei Flurbereinigungen oder der Errichtung von Windkraftparks \u2026. Dann immer sind sie unterwegs, um zu sichern, was zu sichern ist. Mehr noch: Diese Arch\u00e4ologen sind gar nicht besonders versessen auf Grabungen. Sie sind im Gegenteil vor allem dann besonders froh, wenn sie durch Augenschein, Recherche, kleine Erkundungsstichproben und indirekte Messmethoden eine Lagerst\u00e4tte lokalisieren, kartographieren und im Ansatz ergr\u00fcnden k\u00f6nnen \u2013 um sie dann aber doch unber\u00fchrt in der Erde zu lassen. Denn dort sind sie f\u00fcr nachfolgende Generationen optimal deponiert.<\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p>\nWeitere Informationen zur Mainzer Ausstellung unter<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.vorzeiten-ausstellung.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.vorzeiten-ausstellung.de&nbsp;&nbsp;<\/a>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website Juli\/August 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Mainz. Noch bis 29. Oktober 2017 zeigt das Landesmuseum Mainz eine Sonderausstellung, die nicht nur f\u00fcr Rheinland-Pf\u00e4lzer au\u00dferordentlich interessant ist, obwohl sie sich ausdr\u00fccklich auf das Gebiet dieses Bundeslandes konzentriert. 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