{"id":190,"date":"2017-08-28T22:00:00","date_gmt":"2017-08-28T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/08\/28\/fast-ein-ganzes-leben-im-dienste-des-tanzes\/"},"modified":"2017-08-28T22:00:00","modified_gmt":"2017-08-28T21:00:00","slug":"fast-ein-ganzes-leben-im-dienste-des-tanzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/08\/28\/fast-ein-ganzes-leben-im-dienste-des-tanzes\/","title":{"rendered":"Fast ein ganzes Leben im Dienste des Tanzes"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape<\/strong>. Sie empf\u00e4ngt mich vor dem Fahrtstuhl \u2013 an Kr\u00fccken gehend. \u201eJa, ja, es passt mal wieder wunderbar\u201c, quittiert Barbara Pietjou ironisch meinen entgeisterten Blick. Drei Wochen vor der gro\u00dfen B\u00fchnenshow zum Jubil\u00e4um ihres Koblenzer \u201eSteps dance studios\u201c hat sich die 66-J\u00e4hrige ein Knie verdreht, verrissen, angeknackst oder sonstwas unseliges damit angestellt. Die Diagnose l\u00e4sst noch auf sich warten. Die Vorbereitungen auf und Proben f\u00fcr das Jubil\u00e4um k\u00f6nnen allerdings nicht warten. Schon einmal musste die Feier zum 20. Geburtstag von \u201esteps\u201c wegen ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde abgeblasen werden. Weshalb nun die beiden Veranstaltungen am 9. September in der Kulturfabrik\/Kufa (15 Uhr f\u00fcr Kinder, 18 Uhr f\u00fcr die \u00c4lteren) auf den 21. Geburtstag fallen. Das aber ist jetzt Pietjous geringstes Problem: \u201eDann feiern wir eben das Erreichen der Vollj\u00e4hrigkeit wie sie in meiner Jugend noch definiert war,\u201c meint sie schmunzelnd.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-188\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/Pidjou-ape.jpg\" style=\"height:384px; width:455px\" width=\"455\" height=\"384\" \/><\/p>\n<p>Unser Gespr\u00e4ch f\u00fcr diesen Artikel zum \u201esteps\u201c-Jubil\u00e4um f\u00fchrt weit zur\u00fcck und tief hinein in die Geschichte der freien Kulturszene von Koblenz. Denn Barbara Anna Maria Pietjou ist zwar in Goslar geboren und aufgewachsen, hatte ihren ersten Ballettunterricht als Kind am Staatstheater Braunschweig, machte ihr Studium und ihre Staatsexamina als T\u00e4nzerin und dann auch Tanzp\u00e4dagogin an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater Hannover. Doch nach einem ersten Ballettengagement am Theater Flensburg kam sie schon 1975 als 24-J\u00e4hrige nach Koblenz, wo sie bis 1978 der Compagnie des Stadttheaters angeh\u00f6rte, dann dort k\u00fcndigte \u2013 um 1979 zusammen mit Doris Schaefer und Arno Alderath das \u201eTanztheater Regenbogen\u201c zu gr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Warum verlie\u00df Pitjou die Berufsschiene der Festanstellung an staatlichen B\u00fchnen und st\u00fcrzte sich in die Unw\u00e4gbarkeiten des freien Tanzschaffens? Antwort: Weil bei den meisten Stadttheatern damals die Zeit noch nicht reif war f\u00fcr jene freien modernen Tanzformen, die sie neben dem klassischen Ballett studiert hatte und an denen ihr Herz bis heute h\u00e4ngt. Und: \u201cWeil mir die fast noch feudale Autorit\u00e4tsstruktur an den Theatern auf den Keks ging.\u201c Aufm\u00fcpfigkeit und Selbstbestimmungsdrang sind wohl schon in Naturell dieser Frau angelegt. Bereits als f\u00fcnfj\u00e4hriges M\u00e4dchen setzte sie ihren Wunsch, eine Tanzlaufbahn einzuschlagen, bei den Eltern mit einem dreit\u00e4gigen \u201eHungerstreik\u201c durch.<\/p>\n<h3>Regenbogen, Jugendtheater, steps-Gr\u00fcndung<\/h3>\n<p>Barbara Pietjous weiterer Koblenzer Werdegang als freischaffende T\u00e4nzerin und Tanzp\u00e4dagogin ist bis zur Gr\u00fcndung der eigenen Tanzschule \u201eSteps\u201c 1996 eng verwoben mit: dem \u201eTanztheater Regenbogen\u201c; der Entwicklung der Kufa von der maroden Fabrikhalle zum f\u00fcr Koblenz so wichtigen Kulturzentrum; mit dem Koblenzer Kinder- und Jugendtheater, das sie mitbegr\u00fcndete und wo sie von \u201eSch\u00e4ngmarie\u201c und \u201eHorrorladen\u201c bis \u201eGeierwalli\u201c und \u201eKleiner Muck\u201c bei zahlreichen Produktionen die Tanzchoreografien \u00fcbernahm. Regenbogen \u2013 Kufa \u2013 Jugendtheater, das ist ein eigenes Kapitel der j\u00fcngeren Koblenzer Kulturgeschichte, \u00fcber das an dieser und anderen Stellen wiederholt ausf\u00fchrlich gesprochen\/geschrieben wurde. Weshalb wir es hier lassen und nur kurz daran erinnern: Es ist ein Kapitel \u00fcber Hoffnungen, Tr\u00e4ume, Aufbruch; \u00fcber Selbstausbeutung, \u00dcberschuldung, Verdruss; \u00fcber Umbr\u00fcche, Neuanf\u00e4nge und Fahrten mal in st\u00fcrmischen, mal in ruhigen Wassern. Lebendige Kulturgeschichte am Ort, deren H\u00f6hen und Tiefen Pietjou allesamt&nbsp; miterlebt hat \u2013 wenn sie nicht gerade in Portugal Tanzurlauber betreute oder sich zu Tanzstudien in M\u00fcnchen, Stuttgart, Paris, New York aufhielt.<\/p>\n<h3>Von der Baustelle zum dance studio<\/h3>\n<p>1996 dann der gro\u00dfe Schritt: Pietjou verl\u00e4sst mit ihren Tanzkursen die Kufa. Nach langem Suchen siedelt sie in R\u00e4ume des Sch\u00e4ngel-Centers am Zentralplatz um und hebt \u201esteps\u201c aus der Taufe. Klingt simpel, ist aber f\u00fcr die seinerzeit 45-j\u00e4hrige Mutter zweier noch minderj\u00e4hriger T\u00f6chter ein Kr\u00e4fte zehrendes und ihre Finanzkraft bald \u00fcbersteigendes Wagnis. Sie bei\u00dft sich durch, etabliert mit den Jahren ihr \u201eSteps dance studio\u201c als eine feste Gr\u00f6\u00dfe im Kulturangebot der Rhein-Mosel-Stadt. Waren es anfangs 40 Kursteilnehmer, so sind es nachher und bis in die Gegenwart 200 bis 300 oder mehr je Saison, die von einem 15-k\u00f6pfigen Lehrk\u00f6rper betreut werden. Manche der von der Chefin mit hohen Qualit\u00e4sanspr\u00fcchen ausgew\u00e4hlten Tanzlehrer\/innen sind seit vielen Jahren bei \u201esteps\u201c. Manche gehen nach einiger Zeit wieder andere Wege. J\u00fcngst hat es einen Wechsel auf der Lehrposition f\u00fcr klassisches Ballett gegeben: Die bisherige Fachlehrerin machte sich selbstst\u00e4ndig. Nachfolgerin ist eine Tanzp\u00e4dagogin, die seinerzeit als T\u00e4nzerin bei Martin Schl\u00e4pfers renommiertem \u201eballettmainz\u201c am Staatstheater Mainz aktiv war sowie als Compagniemitglied des Theaters Koblenz \u00fcber Jahre allerhand bemerkenswerte Partien ablieferte.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-189\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/steps.jpg\" style=\"height:329px; width:455px\" width=\"455\" height=\"329\" \/><\/p>\n<p>Nochmal zur\u00fcck zur \u201esteps\u201c-Historie. Anfang der 2000er-Jahre entwickelte sich die r\u00e4umliche Situation nicht nur f\u00fcr Pietjou zum schieren Albtraum: das Sch\u00e4ngel-Center wurde zur scheinbar nie enden wollenden Gro\u00dfbaustelle, ordentlicher Tanzbetrieb dort ein Ding der Unm\u00f6glichkeit. Elf Monate lang war \u201esteps\u201c der einzige Mieter \u2013 mal ohne Strom, mal ohne Wasser, meist zwischen Dreck und L\u00e4rm. Im November 2003 kam Rettung in Form des Angebots einer Koblenzer Bank: \u201eIhr k\u00f6nnt den derzeit leer stehenden 4. Stock in unserem Haus am W\u00f6llershof\/Ecke Hohenfelderstra\u00dfe benutzen.\u201c Was als provisorische Interimsl\u00f6sung angedacht war, ist schlie\u00dflich mit etlichen Investitionen das bis heute feste Domizil von \u201esteps\u201c geworden: ein gro\u00dfes und zwei mittelgro\u00dfe Tanzstudios, Umkleide-\/Aufenthaltsr\u00e4ume, B\u00fcro und manches mehr. Dort hat auch die von Madeleine Schr\u00f6der gegr\u00fcndete, jetzt von Arina Horre geleitete \u201eSchauspielschule Koblenz\u201c Heimstatt gefunden.<\/p>\n<h3>Tanz ist unmittelbarer Gef\u00fchlsausdruck<\/h3>\n<p>Das Spektrum der bei \u201esteps\u201c angebotenen Tanzstile ist heute noch so breit wie von der Gr\u00fcnderin vom Start weg im Grundsatz konzipiert. Es reicht von klassischem Ballett \u00fcber Jazz Dance, Flamenco, Salsa, Disco-Fox bis hin zu HipHop, Street Dance, orientalischem und afrikanischem Tanz sowie zeitgen\u00f6ssischem Ausdruckstanz. Es gibt Angebote f\u00fcr alle Altersklassen und Niveaus, beginnend bei 4-j\u00e4hrigen Eleven, noch nicht endend bei 70-j\u00e4hrigen Freunden geselliger Tanzfreuden. Wie sagt Barbara Pietjou, deren ganz dem Tanz verschriebenes Leben nicht immer einfach war\/ist und die nun allm\u00e4hlich \u00fcber eine Nachfolgeregelung nachdenkt: \u201eIch wollte stets m\u00f6glichst viele Tanzstile anbieten. Hauptsache die Menschen tanzen, denn Tanz ist ein unmittelbarer, echter Ausdruck von Gef\u00fchl. Und das hilft, bereichert, macht gl\u00fccklicher.\u201c<\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.steps-koblenz.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.steps-koblenz.de<\/a><\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p>\n<em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 31. Woche im August 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Sie empf\u00e4ngt mich vor dem Fahrtstuhl \u2013 an Kr\u00fccken gehend. \u201eJa, ja, es passt mal wieder wunderbar\u201c, quittiert Barbara Pietjou ironisch meinen entgeisterten Blick. Drei Wochen vor der gro\u00dfen B\u00fchnenshow zum Jubil\u00e4um ihres Koblenzer \u201eSteps dance studios\u201c hat sich die 66-J\u00e4hrige ein Knie verdreht, verrissen, angeknackst oder sonstwas unseliges damit angestellt. 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