{"id":178,"date":"2017-09-22T22:00:00","date_gmt":"2017-09-22T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/09\/22\/zum-40-mal-das-jazzfestival-neuwied\/"},"modified":"2017-09-22T22:00:00","modified_gmt":"2017-09-22T21:00:00","slug":"zum-40-mal-das-jazzfestival-neuwied","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/09\/22\/zum-40-mal-das-jazzfestival-neuwied\/","title":{"rendered":"Zum 40. Mal: das Jazzfestival Neuwied"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape<\/strong>. \u201eNie! Nie h\u00e4tte ich damals gedacht, dass unser Projekt Jahrzehnte \u00fcberdauern w\u00fcrde.\u201c Werner Oberender wirkt noch immer schier fassungslos angesichts des Umstandes, dass das allj\u00e4hrliche Jazzfestival Neuwied jetzt am 3. und 4 . November bereits zum 40. Mal \u00fcber die B\u00fchne geht. Der Mitbegr\u00fcnder, Spiritus rector und k\u00fcnstlerische Leiter des Festivals ist heute 61 Jahre alt. \u201eDamals\u201c war er ein junger Bursche von Anfang 20, und zusammen mit einigen Neuwieder Kumpels angefixt von der Idee, in der Deichstadt etwas Jazziges auf die Beine zu stellen.<\/p>\n<p class=\"rtecenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-174\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Jazz-NR-Stern.jpg\" style=\"height:304px; width:455px\" width=\"455\" height=\"304\" \/><\/p>\n<p>Aus der Clique ging der Verein \u201eJazz in Neuwied\u201c hervor, der bis heute Tr\u00e4ger des Festivals ist. Dessen Geburtstermin war der 9. September 1978 und das Baby ein eint\u00e4giges Musikhappening unter freiem Himmel auf der Wiedinsel Niederbieber. Die Vorliebe f\u00fcr den Jazz war seinerzeit zwar noch etwas weiter verbreitet als heute, aber eine Massenbewegung konnte man das, zumal in Neuwied und drumherum, nicht gerade nennen. Weshalb die jungen und in Sachen Festival v\u00f6llig unbedarften Veranstalter in jenem Fr\u00fchherbst v\u00f6llig von den Socken waren, als 500 Besucher auf das Gel\u00e4nde str\u00f6mten.<\/p>\n<p>Wie schon vor zehn Jahren vor dem 30. Festivalgeburtstag sitze ich mit Oberender wieder in einem kleinen Wirtshaus beisammen. \u00c4ltere und uralte Erinnerungen sind aufzufrischen; ebenso wollen wir&nbsp; plaudern, wie es j\u00fcngst l\u00e4uft. Die Br\u00fccke vom diesj\u00e4hrigen Jazzfestival zu Anf\u00e4ngen und fr\u00fcheren Jahren schlagen die engagierten K\u00fcnstler teils selbst. Vorneweg Jasper van\u2018t Hof \u2013 der ein bisschen mitverantwortlich ist, dass das Festival \u00fcberhaupt in die G\u00e4nge kam. Denn die Jazzfreunde vom Rhein hatten 1977 bei einem Konzertbesuch im Sauerland den damals bereits recht bekannten niederl\u00e4ndischen Jazz-Pianisten einfach gefragt: \u201eWillst du nicht mal bei uns in Neuwied auftreten?\u201c Dessen ebenso einfache Antwort \u201eKlar, mach ich\u201c war f\u00fcr die jungen Leute die rechte Ermunterung zur rechten Zeit, ihr Projekt Jazzfestival mutig in Angriff zu nehmen.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Jazz%20NR%20Jasper.jpg?itok=_y2WZG80\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-175\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Jazz-NR-Jasper.jpg\" style=\"float:left; height:182px; margin:5px; width:220px\" width=\"220\" height=\"182\" \/> <\/a> Van\u2018t Hof machte dann 1978 im Duo mit Charlie Mariano den Headliner. Beide kamen \u00fcber die Folgejahre mehrfach zum Festival, das nachher erst in die Sporthalle Engers, 1993 dann ins Heimathaus (Stadthalle) Neuwied umzog, wo es bis heute stattfindet. Die beiden gaben hier vor zehn Jahren ihr letztes gemeinsames Konzert vor dem Tod Marianos 2009. Beim 40. Festival ist der unl\u00e4ngst 70 gewordene Jasper van\u2018t Hof der Opener \u2013 und wird am 3. November gewiss wieder mit Freude davon sprechen, wie sehr er hier die N\u00e4he zum Publikum und die fast famili\u00e4re Atmosph\u00e4re seit seinem ersten Auftritt genie\u00dft. Auf ihn folgt die Markus Stockhausen Group. Der inzwischen auch schon 60-j\u00e4hrige Trompeter Stockhausen (Sohn des ber\u00fchmten Komponisten Neuer Musik Karlheinz Stockhausen) geh\u00f6rt ebenfalls zum Urgestein des Neuwieder Jazz-Meetings. Oberender muss noch immer schmunzeln, wenn er sich an dessen ersten Auftritt 1981 erinnert: \u201eEr kam auf den letzten Dr\u00fccker von einem klassischen Konzert in Bonn, hatte keine Zeit sich umzuziehen und stieg noch im Frack auf die B\u00fchne.\u201c<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Jazz%20NR%20Miller2.jpg?itok=Cm2SE45F\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-176\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Jazz-NR-Miller2.jpg\" style=\"float:left; height:196px; margin:5px; width:220px\" width=\"220\" height=\"196\" \/> <\/a> Zum Abschluss des ersten, quasi akustischen Abends spielt Lars Danielsson mit Band. Der renommierte schwedische Jazz-Kontrabassist und -Cellist kam erstmals zum 30. Jazzfestival 2007, war seither aber fast in jedem Jahr dabei. Bereits 1991 gab Mike Stern seinen Einstand in Neuwied und wurde ebenfalls ein treuer Mehrfachgast. Der US-Gitarrist und Fusion-Spezialist er\u00f6ffnet heuer den zweiten Festivaltag im Heimathaus mit einer Eliteformation, bestehend aus dem Drummer Dave Weckl nebst Saxophonist Bob Malach und Bassist Tom Kennedy. Der Abend bleibt us-amerikanisch: Das Finale bestreiten mit einem Mix aus Funk, Soul and New-Jazz&nbsp; Marcus Miller &amp; Band. Weil der 64 Jahre alte Multiinstrumentalist und pr\u00e4gende E-Bassist Miller ebenso wie Mike Stern einst in der Band von Miles Davis spielte, tr\u00e4umt Werner Oberender davon, die beiden vielleicht zum gemeinsamen Spiel eines Titels der 1991 verstorbenen Jazzlegende bewegen zu k\u00f6nnen: \u201eDas w\u00e4re ein herrliches i-T\u00fcpfelchen auf dem 40.\u201c<\/p>\n<p>Und weil nun mal rundes Jubil\u00e4um ist, g\u00f6nnen sich die Neuwieder Jazzfreunde als Prolog zum eigentlichen Festival noch zwei ganz besondere Acts. Schon am 13. Oktober gibt es ein Sonderkonzert mit dem norwegischen Pianisten und Schriftsteller Ketil Bj\u00f6rnstad im Schloss Engers. Am 27. Oktober kommt Eberhard Weber in die Stadtbibliothek Neuwied. Der 77-J\u00e4hrige ist einer der einflussreichsten Musiker und integersten Pers\u00f6nlichkeiten der deutschen Jazzszene. Seit einem Schlaganfall 2005 kann er nicht mehr spielen. Sp\u00e4ter schrieb er eine Autobiografie unter dem Titel \u201eR\u00e9sum\u00e9 \u2013 Eine deutsche Jazzgeschichte\u201c, aus der er lesen wird. Zu den Weggef\u00e4hrten des einst grandiosen Kontrabassisten geh\u00f6ren neben vielen anderen Gr\u00f6\u00dfen des Jazz Wolfgang Dauner, Rainer Br\u00fcninghaus, Charly Mariano, John Marshal, Pat Metheny, Garry Burton oder Jan Gabarek \u2013 die wie Weber selbst alle schon beim Neuwieder Jazzfestival aufgetreten sind.<\/p>\n<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/Jazz%20NR%20Stockhausen.jpg?itok=kvWhhwme\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-177\" alt=\"\" class=\"image-medium\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Jazz-NR-Stockhausen.jpg\" style=\"float:left; height:176px; margin:5px; width:220px\" width=\"220\" height=\"176\" \/> <\/a> \u00dcberhaupt: Mit 40 Durchg\u00e4ngen in ununterbrochener Folge ist das Neuwieder eines der \u00e4ltesten Jazzfestivals Deutschlands. Die Auftrittschronik weist fast jeden aus, der in dieser Szene Rang und Namen hat. Neben der ersten Riege deutscher Jazzer auch die internationalen Gr\u00f6\u00dfen wie Al Di Meola, Bill Evans, Ginger Baker, Lester Bowie, Maceo Parker, Azia Mustafa Zadeh, Rabih Abou-Khalil, Joe Zawinul, Nils Landgren, John McLaughlin, Lester Bowie, Manu Katche, Stanley Clarke \u2026&nbsp; Hochkar\u00e4tige Besetzungen allemal, die das Jazzfestival zu einem konstanten Aush\u00e4ngeschild Neuwieds weit \u00fcber die Stadtgrenzen hinaus gemacht haben. Rund zwei Drittel der Besucher kommen, so Oberender, nicht aus der heimischen Region. Sie haben teils sehr weite Anfahrten hinter sich \u2013 die viele von ihnen seit Jahren, etliche seit Jahrzehnten immer wieder auf sich nehmen.<\/p>\n<p>Ja, ein betr\u00e4chtlicher Teil des Publikums ist mit den Veranstaltern \u00e4lter geworden. Doch manche kommen inzwischen mit ihren l\u00e4ngst erwachsen gewordenen Kindern nach Neuwied. Und: Zwar in kleiner Zahl, aber immer wieder finden auch Jugendliche den Weg zum Festival. Denn was dort auf der B\u00fchne gespielt wird, ist jedesmal aufs Neue frisch, lebendig, interessant, intensiv. Der Jazz lebt.<\/p>\n<p>Andreas Pecht<\/p>\n<p>\n<strong>Info<\/strong>: <a href=\"https:\/\/www.jazzfestival-neuwied.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.jazzfestival-neuwied.de<\/a><\/p>\n<p><strong>Ausstellung mit Fotos von Peter Meurer \u00fcber &#8222;40 Jahre Jazz in Neuwied&#8220;. 23.10. bis 10.11.2017 in der Sparkasse Neuwied.<\/strong><\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 38.\/39. Woche im September 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. \u201eNie! Nie h\u00e4tte ich damals gedacht, dass unser Projekt Jahrzehnte \u00fcberdauern w\u00fcrde.\u201c Werner Oberender wirkt noch immer schier fassungslos angesichts des Umstandes, dass das allj\u00e4hrliche Jazzfestival Neuwied jetzt am 3. und 4 . November bereits zum 40. Mal \u00fcber die B\u00fchne geht. 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