{"id":165,"date":"2017-10-24T22:00:00","date_gmt":"2017-10-24T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/10\/24\/die-metoo-bewegung-finde-ich-gut\/"},"modified":"2017-10-24T22:00:00","modified_gmt":"2017-10-24T21:00:00","slug":"die-metoo-bewegung-finde-ich-gut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/10\/24\/die-metoo-bewegung-finde-ich-gut\/","title":{"rendered":"Die #metoo-Bewegung finde ich gut"},"content":{"rendered":"<h4>Wer von #metoo noch nicht geh\u00f6rt hat: &gt; <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/nachrichten\/metoo-Frauen-prangern-sexuelle-Belaestigung-an,metoo118.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier eine Erkl\u00e4rung mit Beispielen<\/a><\/h4>\n<p><strong>ape<\/strong>. <em>Diese aktuelle #metoo-Bewegung finde ich gut &#8211; auch wenn ich \u00fcber die Jahrzehnte sehr viele Frauen getroffen habe, bei denen Mannsversuche verbaler oder gar h\u00e4ndischer \u00dcbergriffigkeit keinesfalls ungestraft blieben. Aber es kann ja selbst im Falle solch starker Frauen nicht sein, dass sie in permanenter Bereitschaft leben m\u00fcssen, sich zu wehren oder zur\u00fcckzuschlagen. Da chauvenistische \u00dcbergriffigkeit, wie #metoo zeigt, leider und unertr\u00e4glicherweise offenkundig anhaltend ein Massenph\u00e4nomen ist, bleibt wohl gerade auf M\u00e4nnerseite noch einiges zu tun.<\/em><\/p>\n<p><!--break--><\/p>\n<p>Den Einwand, da werde jetzt das Kind mit dem Bade ausgesch\u00fcttet oder gar das Flirten unm\u00f6glich gemacht, kann ich nicht gelten lassen. Noch weniger das Gejammer, Mann d\u00fcrfe ja nun gar nichts mehr und stehe ratlos in einer sogar geschlechtlich \u00fcberkompliziert werdenden Welt. Gewiss, die Sache wird schwieriger &#8211; f\u00fcr all jene, die Frauen nur f\u00fcr Burgen halten, die &#8222;erobert&#8220;, &#8222;erst\u00fcrmt&#8220;, &#8222;genommen&#8220;, &#8222;geschleift&#8220;, &#8222;flachgelegt&#8220; werden m\u00fcssten; f\u00fcr all jene, die &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; Frauen als jene H\u00e4lfte der Menschheit betrachten, die der anderen H\u00e4lfte vom lieben Gott als dienstbarer Geist und frei verf\u00fcgbarer Leib zur Seite gestellt seien.<\/p>\n<p>Das Gen\u00f6hle \u00fcber die &#8222;neue Verunsicherung&#8220; des armen Mannes wird in dem Moment belanglos, da man(n) sich vor Augen h\u00e4lt, wie schwierig, m\u00fchsam, anstrengend es seit Jahrhunderten f\u00fcr Frauen ist, sich gegen die Anma\u00dfungen und Verwundungen durch das &#8222;starke Geschlecht&#8220; zu behaupten. Nein, das Flirten wird jetzt nicht verboten, sondern nur das Verletzen ge\u00e4chtet. Wer nicht begreifen will, dass der Flirt heutzutage ein wunderbares Spiel gleichberechtigter Menschen auf gleicher Augenh\u00f6he und in Respekt voreinander sein kann, der sollte nicht greinen, wenn er am Pranger landet.<\/p>\n<p>Ja, die Natur hat dem Mann einen heftigen Trieb eingepflanzt: Schon das \u00e4u\u00dfere Bild der Frau entz\u00fcckt ihn, lockt ihn, zieht ihn magisch an. Doch wie mannhaft der Mann ist, erweist sich dadurch, wie gut er den Trieb zu zivilisieren und zu kultivieren wei\u00df. Und ein wie wertvoller Mensch der Mann ist, erweist sich in der Wertsch\u00e4tzung, die er der Frau als ebenb\u00fcrtigem Menschen von v\u00f6llig gleichem Recht auf W\u00fcrde, Unverletzlichkeit, Respekt und Eigenst\u00e4ndigkeit entgegen bringt. Dies als Grundsatz angenommen, k\u00f6nnen die Beziehungen der Geschlechter &#8211; die in jedem Einzelfall v\u00f6llg verschieden sind &#8211; leichter, interessanter, anregender, unverkrampfter werden: f\u00fcr beide Seiten.<\/p>\n<p class=\"rteright\">Andreas Pecht<\/p>\n<p class=\"rtecenter\">***<\/p>\n<h4>Nachtrag am 28.10.2017:<\/h4>\n<p>Es wird jetzt der Ruf laut nach neuen gesetzlichen Regelungen wider sexistische \u00dcbergriffigkeit. Man kann das \u00fcberlegen, vielleicht w\u00e4re es im einen oder anderen Bereich sinnvoll bzw. hilfreich. Nach meinem Daf\u00fcrhalten ist das derzeit hierzulande aber nicht der entscheidende Punkt.<\/p>\n<p>Man mag sich das der Einfachheit halber w\u00fcnschen, aber es lassen sich \u00fcber Jahrhunderte des Patriarchats gewachsene Unkultur-Praktiken nunmal kaum mit ein paar formalen Federstrichen aus der Welt schaffen. Dazu bedarf es vielmehr einer Art Kulturrevolution der Geschlechterbeziehung, eines gesellschaftlichen Prozesses hin zur allgemeinen \u00c4chtung sexistischer \u00dcbergriffigkeit in Wort und Tat. (Dass m\u00e4nnliche Macht-, Dominanz- und Privilegstrukturen in Wirtschaft, Politik und \u00f6ffentlichem Leben aufgebrochen und zerbrochen werden m\u00fcssen, habe ich nicht eigens thematisiert, weil: Den Kampf darum betrachte ich als Selbstverst\u00e4ndlichkeit.)<\/p>\n<p>Und dies noch, das auch ich \u00fcber die Jahrzehnte erst lernen musste und alle Tage wieder bedenken muss: Jede Frau hat das Recht, ihre ganz eigenen individuellen Grenzen zu ziehen. Die k\u00f6nnen obendrein in jedem Einzelfall gegen\u00fcber verschiedenen M\u00e4nnern auch noch v\u00f6llig unterschiedlich verlaufen. Im einen Fall erlauben Vertrautheit, Vertrauen, Freundschaft, N\u00e4he, wechselseitige Zuneigung Umarmungen, K\u00fcsschen, geziemendes Anfassen oder sogar mal verspielt frivole Bemerkungen. Im anderen Fall verletzt dies, das oder jenes einige bzw. alle Grenzlinien.<\/p>\n<p>Gewiss, es ist nicht immer einfach, herauszufinden, was, wann bei wem gilt. Aber: Selbst chauvenistische Dickh\u00e4uter k\u00f6nnten &#8211; wenn sie mannhaft genug w\u00e4ren, es zu wollen &#8211; Distanzverhalten, abwehrende Blicke und Gesten, missbilligende Bemerkungen als das verstehen, was sie sind: ein NEIN. Und nein hei\u00dft nein &#8211; ist das genaue Gegenteil von Ja.<\/p>\n<p class=\"rteright\">ape<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer von #metoo noch nicht geh\u00f6rt hat: &gt; Hier eine Erkl\u00e4rung mit Beispielen ape. Diese aktuelle #metoo-Bewegung finde ich gut &#8211; auch wenn ich \u00fcber die Jahrzehnte sehr viele Frauen getroffen habe, bei denen Mannsversuche verbaler oder gar h\u00e4ndischer \u00dcbergriffigkeit keinesfalls ungestraft blieben. 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