{"id":155,"date":"2017-11-25T23:00:00","date_gmt":"2017-11-25T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/11\/25\/oh-du-suesses-klingeling-bimbim\/"},"modified":"2022-03-15T16:24:13","modified_gmt":"2022-03-15T15:24:13","slug":"oh-du-suesses-klingeling-bimbim","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2017\/11\/25\/oh-du-suesses-klingeling-bimbim\/","title":{"rendered":"Oh du s\u00fc\u00dfes Klingeling-bimbim"},"content":{"rendered":"<p><a class=\"colorbox colorbox-insert-image\" href=\"http:\/\/pecht.koblenz-net.de\/D7\/sites\/default\/files\/styles\/thumbnail\/public\/quergedanken_logo.jpg?itok=hEG8jpXv\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" size-full wp-image-47\" alt=\"\" class=\"image-thumbnail\" src=\"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/01\/quergedanken_logo_0.jpg\" style=\"float:left; height:100px; margin:5px; width:90px\" width=\"90\" height=\"100\" \/> <\/a><\/p>\n<p><strong>ape<\/strong>. Obwohl von Religiosit\u00e4t bekannterma\u00dfen g\u00e4nzlich unbeleckt, habe ich gar nichts gegen Weihnachten. Der lebensfrohe Grundsatz \u201eman soll die Feste feiern wie sie fallen\u201c gilt mir viel; sofern es sich nicht gerade um Kaisers oder F\u00fchrers Geburtstag handelt. Der strenggl\u00e4ubige Einwand sticht nicht, wonach nur derjenige Anrecht auf weihnachtliche Festivit\u00e4t habe, der an die Jungfrauengeburt Christi glaubt. Es ist n\u00e4mlich so: Just selbige Nacht feierten Menschen schon lange bevor die erste Bibelzeile auf eine Kuhhaut geschrieben ward. Sie begehen diese Weihe-Nacht seit sie wissen, dass es die l\u00e4ngste im Jahreskreis ist, dessen Zyklus sich nun, an Mittwinter, wendet. Und das Wissen darum reicht durchaus zur\u00fcck auf bald 50 000 Jahre ante domini.<\/p>\n<p>Gerne schaue, rieche, schmecke, genie\u00dfe ich jene zur Weihnacht von den Altvorderen \u00fcberlieferten Dinge und Gebr\u00e4uche: die besonderen Spezereien wie Pl\u00e4tzchen, Stollen, Lebkuchen; Adventskranz und Weihnachtsbaum; Kerzenlicht und Feuerschein; das \u201eHo-hoo\u201c des Weihnachtsmannes und das \u201eSapperlott\u201c des Ruprecht; die Winterges\u00e4nge nebst gemeinsamem Schmausen und S\u00fcffeln; die kleinen Liebesgaben von jedem an jeden. War es nicht ein sch\u00f6ner Zug des aus dem Nahen Osten eingewanderten Christentums, all diese Traditionen aus \u00e4lteren und anderen Kulturen zu \u00fcbernehmen \u2013 und sie seinerseits um das Krippenspiel zu bereichern?<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6r auf! H\u00f6r blo\u00df auf mit dem Schmus!\u201c Freund Walter wirkt \u2013 nach dem Genuss der zweiten Grillwurst, einer T\u00fcte gebrannter Mandeln sowie des vierten Bechers Gl\u00fchwein \u2013 sagen wir: unwillig zerzaust. Er meint, das sei zwar nett gedacht und historisch richtig, was ich von mir gebe. \u201eMit dem Hier und Heute hat dein Ges\u00e4usel aber gar nichts mehr gemein.\u201c Dann umfasst er vom Gl\u00fchweinstand aus mit unwirscher Geste die ganze Stadt und zischt b\u00f6se: \u201eDas schreit doch alles nur noch: kaufen! kaufen! kaufen! \u2013 fressen! fressen! fressen! \u2013&nbsp; saufen! saufen! saufen!\u201c&nbsp; Und das f\u00e4nde er \u201ezum Kotzen, Kotzen, Kotzen!\u201c<\/p>\n<p>Walters Zungenschlag mag etwas deftig sein. Doch schupst er meine Gedanken in Richtung eines seltsam widersinnigen Ph\u00e4nomens. Ob christlich oder sonstwie orientiert: Wir alle verbinden mit&nbsp; Weihnachten\/Mittwinter das Ideal einer ruhigen, stillen, besch\u00fctzten, friedvollen Zeit \u2013 deren Begl\u00fcckung vor allem dem schlichtem Brauchtum ehedem b\u00e4uerlicher und handwerklicher Art entspringt. Unsere Sehnsucht danach ist so gro\u00df, dass Reklame, Stra\u00dfenschmuck,&nbsp; Schaufensterdekorationen und sowieso jedweder Weihnachtsmarkt diese Art mit erheblichem Bem\u00fchen nach\u00e4ffen. Heraus kommt indes nicht wohlige Schlichtheit, sondern blo\u00df eine absurd banale Schlichtheitsmaske, hinter der sich gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige Tobsucht \u2013 inzwischen oft schon im September ausbrechend \u2013 kaum noch verbergen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Die Menschen sind eine eigenartige Spezies (geworden). Ausgerechnet w\u00e4hrend der k\u00fcrzesten Tage und l\u00e4ngsten N\u00e4chte, die sie von Natur und von alters her eigentlich vor allem Geborgenheit, Behaglichkeit, Besinnlichkeit w\u00fcnschen lassen \u2013 ausgerechnet zu dieser Zeit st\u00fcrzen sie sich heute in die unglaublichsten Turbulenzen. Sofern noch von einem Weihnachtswunder gesprochen werden kann, dann von dem: Mittels s\u00fc\u00dflichem Klingelingbimbim ist es gelungen, uns derart zu konditionieren, dass wir mit Freuden das genaue Gegenteil von dem tun, wonach wir uns so sehr sehnen. Walter nickt und lallt: \u201eDarauf noch zwei W\u00fcrste und eine Runde Gl\u00fchwein!\u201c<\/p>\n<p><em>Erstabdruck\/-ver\u00f6ffentlichung au\u00dferhalb dieser website 48. Woche im Oktober 2017<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Obwohl von Religiosit\u00e4t bekannterma\u00dfen g\u00e4nzlich unbeleckt, habe ich gar nichts gegen Weihnachten. 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