{"id":109,"date":"2018-08-22T22:00:00","date_gmt":"2018-08-22T21:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/08\/22\/neuwieder-gotteshaus-wird-freier-kunstraum\/"},"modified":"2018-08-22T22:00:00","modified_gmt":"2018-08-22T21:00:00","slug":"neuwieder-gotteshaus-wird-freier-kunstraum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/08\/22\/neuwieder-gotteshaus-wird-freier-kunstraum\/","title":{"rendered":"Neuwieder Gotteshaus wird freier Kunstraum"},"content":{"rendered":"<p><strong>ape<\/strong>. Neuwied. \u201e40 Freiwillige werden helfen. Wir r\u00e4umen alles raus: S\u00e4mtliche Kirchenb\u00e4nke, Wandbilder, bewegliche Skulpturen. Nur die fest eingebauten Alt\u00e4re und die gro\u00dfe Klais-Orgel bleiben. Ansonsten wird der Raum leer sein. 19 000 Quadratmeter Leerraum.\u201c So beschreibt Oliver Seis mir beim Ortstermin in der Neuwieder Matthiaskirche den r\u00e4umlichen Aspekt des \u201eProjekts ION\u201c \u2013 in dessen Verlauf sechs K\u00fcnstler unterschiedlicher Sparten die ausger\u00e4umte Kirche f\u00fcr eine Weile vereinnahmen und \u201ebespielen\u201c werden. Was der 39-j\u00e4hrige Kaplan der katholischen Pfarrgemeinschaft Neuwied und Projektleiter f\u00fcr ION so gelassen ausspricht, bedeutet eine Menge Arbeit. Das ist unschwer erkennbar bei unserem Besuch einige Tage vor Beginn der Aktion in dem da noch vollst\u00e4ndig ausgestatteten, sp\u00e4tgotischem Stil folgenden und unter Denkmalschutz stehenden Gotteshaus aus dem Jahr 1901.<\/p>\n<p>Bild<\/p>\n<p>So vermeintlich r\u00fcde wie auf diesem gestellten Foto vor der Neuwieder Matthiaskirche geht es beim tats\u00e4chlichen Ausr\u00e4umen von 101 Kirchenb\u00e4nken nat\u00fcrlich nicht zu. Foto: Thomas Sorger<\/p>\n<p>Denn St. Matthias ist eine der gr\u00f6\u00dften Kirchen in der Region; 101 Kirchenb\u00e4nke sind abzumontieren, rauszutragen und in eine Lagerhalle au\u00dferorts zu transportieren. Ein paar der kleineren Seitenb\u00e4nke fehlen schon, stehen als werbende Botschafter f\u00fcr ION in Geldinstituten, Bildungsst\u00e4tten, Caf\u00e9s. Eine hatten unl\u00e4ngst Ministranten der Gemeinde mit zur Wallfahrt nach Rom genommen. Sie h\u00e4tten gern den Papst darauf gesetzt und fotografiert. Doch der vatikanische Sicherheitsdienst war wenig amused, als die Deichstadtministranten mitsamt Kirchenbank Einlass zur Audienz beim Pontifex Maximus begehrten. Die Bank musste drau\u00dfen bleiben.<\/p>\n<p>Wenig amused sind auch einige konservative Gemeindemitglieder in Neuwied \u00fcber das ungew\u00f6hnliche Projekt in ihrer Kirche, r\u00e4umt Seis ein. Einer meint, die Leute sollten gef\u00e4lligst beten und keinen Firlefanz veranstalten. Ein anderer beklagt, dass man ihm den seit Jahrzehnten angestammte Platz in der Kirche buchst\u00e4blich unterm Hintern wegziehe. Der Kaplan in weltlicher Kluft aus Jeans und kariertem Hemd erkl\u00e4rt indes (sinngem\u00e4\u00df): Wie die Zeiten sich \u00e4ndern \u2013 und die Gemeinden anhaltend schrumpfen \u2013, so muss auch Kirche neue Formen und Wege erproben, finden, gehen, um die Menschen von heute zu erreichen. Weshalb ION, so ungew\u00f6hnlich und vielleicht gewagt die Unternehmung manchem erscheinen mag, doch betr\u00e4chtlich Unterst\u00fctzung und Zuspruch aus Gemeinde und \u00d6ffentlichkeit erf\u00e4hrt. Der Gemeindepfarrer Thomas Darscheid (55) hat h\u00f6chstselbst das Projekt in Auftrag gegeben und ist engagiertes Mitglied des siebenk\u00f6pfigen Projektteams aus Kirchenvertretern und \u00f6rtlichen Kulturschaffenden.<\/p>\n<p>Sogleich jedoch unterstreicht Seis: \u201eION ist kein Missionierungsprojekt, sondern ein Kunstprojekt. Aber Kirche und Kunst verbindet viel miteinander.\u201c Der seit zwei Jahren in Neuwied Dienst tuende Geistliche bezieht sich auf bisherige Erfahrungen mit zeitgen\u00f6ssischen Kunstausstellungen oder Tanzperformances im Gotteshaus. Musikalische Orte sind die Gottesh\u00e4user ohnehin schier seit Anbeginn der Christianisierung Europas. Wir sprechen \u00fcber das ganz eigene Gesp\u00fcr, das K\u00fcnstler oft haben auf Feldern, die auch heutiger Kirche besonders am Herzen liegen: Befindlichkeiten und Entwicklungen der Gesellschaft; Verlorenheit, Sinn- und Haltsuche Einzelner; Bed\u00fcrfnis nach Beruhigung durch kontemplative. meditative Versenkung; Freude am gemeinsamen Tun, am konzentrierten Sehen, H\u00f6ren, F\u00fchlen, am gel\u00f6sten Feiern \u2026<\/p>\n<p>Wie aber wird ION konkret aussehen? Das kann Oliver Seis nur f\u00fcr die erste, die Prologwoche (1.9. \u2013 8.9.) sagen. Sie wird vorwiegend von Neuwieder K\u00fcnstlern und Ensembles in teils ungew\u00f6hnlicher Form gestaltet mit Konzert, Vortrag, Workshop, Poetry Slam, Performances im Kirchenraum und Aktionen au\u00dferhalb. Ab 9.9. nehmen dann f\u00fcr drei Wochen sechs eigens engagierte ausw\u00e4rtige K\u00fcnstler verschiedener Sparten St. Matthias ein. Die da w\u00e4ren: Nathalia Grotenhuis (Schlagwerk\/Klangkunst), das Gespann Berit J\u00e4ger (Foto\/Video\/Installation) und Joachim Schneider (Komposition), Paula M\u00fcller (Zeichnung\/Malerei), Andreas Reichel (Malerei\/Installation) sowie Jana Schm\u00fcck (Tanzperformance). Hinsichtlich dessen, was diese sechs dann mit 19 000 Quadratmetern kirchlichem Leerraum anfangen, erkl\u00e4rt Seis: \u201eIch wei\u00df nicht, was da kommen wird. Wir schaffen mit der ausger\u00e4umten Kirche nur einen besonderen Rahmen, eine v\u00f6llig offene M\u00f6glichkeit. Was die K\u00fcnstler damit machen, liegt ganz in deren H\u00e4nden.\u201c<\/p>\n<p>Was meinen eigentlich die drei Buchstaben ION? Die sind eine Anleihe bei der Naturwissenschaft und werden auf der Projekt-Website so erkl\u00e4rt: \u201eEin Ion ist ein aufgeladenes Teilchen, das sich in Bewegung setzt. Wir wollen auch etwas in Bewegung bringen. (\u2026) Platz f\u00fcr Neues und Aufregendes soll geschaffen werden.\u201c Es wird in der Tat spannend sein, zu erleben, wie die K\u00fcnstler diesen Rahmen nutzen. Wie und wozu sie sich von einem Raum inspirieren lassen, der einerseits eine gewaltige leere Halle sein wird, andererseits allein schon von der baulichen Gotik-Struktur her doch seinen Charakter als dem Himmel zustrebendes Gotteshaus beh\u00e4lt. Wer mag, kann den k\u00fcnstlerischen Schaffensprozess w\u00e4hrend der beiden \u201eWochen des Wirkens\u201c (9.9. \u2013 22.9.) umstandslos live am Ort des Geschehens beobachten. K\u00f6nnen Besucher auch selbst mitwirken? \u201eDas m\u00fcssen K\u00fcnstler und Interessierte miteinander besprechen\u201c, sagt Seis. \u201eWir machen da keine Vorgaben.\u201c Jedenfalls ist St. Matthias tagt\u00e4glich von 9 bis 21.30 Uhr ge\u00f6ffnet. Dies auch in der \u201eWoche der Pr\u00e4sentation\u201c (23. \u2013 28.9.), w\u00e4hrend der die k\u00fcnstlerischen Schaffensergebnisse tags\u00fcber sowie bei abendlichen Veranstaltungen zu sehen und zu erleben sein werden. S\u00e4mtliche ION-Veranstaltungen sind eintrittsfrei.<\/p>\n<p>Wie sich die ION-Sache im Laufe des September entwickeln wird und was dabei herauskommt, wei\u00df vorab niemand. Das ist nunmal so bei freien Prozessen des Kunstschaffens \u2013 und eben dies macht ein derartiges Projekt auch so spannend. Pfarrer Darscheid erkl\u00e4rt dazu: \u201eSo etwas habe ich noch nicht erlebt in Neuwied. Ich freue mich riesig darauf. Es soll ein gro\u00dfes Fest werden und ein Experiment zugleich und eine Anregung und ein Dialog und ein Weg und ein \u2026 Alles kann, nichts muss.\u201c In diesem Sinne sei der ungew\u00f6hnlichen, mutigen, interessanten Unternehmung gutes Gelingen gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p class=\"rteright\"><strong>Andreas Pecht<\/strong><\/p>\n<p>Infos: <a href=\"https:\/\/www.projekt-ion.org\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.projekt-ion.org<\/a>&nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p><em>Erstver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 34.\/35. Woche im August 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>ape. Neuwied. \u201e40 Freiwillige werden helfen. Wir r\u00e4umen alles raus: S\u00e4mtliche Kirchenb\u00e4nke, Wandbilder, bewegliche Skulpturen. Nur die fest eingebauten Alt\u00e4re und die gro\u00dfe Klais-Orgel bleiben. 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