{"id":107,"date":"2018-07-29T23:00:00","date_gmt":"2018-07-29T22:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/07\/29\/25-jahre-foerderverein-kultur-im-cafe-hahn\/"},"modified":"2018-07-29T23:00:00","modified_gmt":"2018-07-29T22:00:00","slug":"25-jahre-foerderverein-kultur-im-cafe-hahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.pecht.info\/wordpress\/2018\/07\/29\/25-jahre-foerderverein-kultur-im-cafe-hahn\/","title":{"rendered":"25 Jahre F\u00f6rderverein Kultur im Caf\u00e9 Hahn"},"content":{"rendered":"<p>Im Besprechungszimmer des \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c zu Koblenz-G\u00fcls stecken einige Leute die K\u00f6pfe zusammen. Zwei Plakatentw\u00fcrfe werden diskutiert und verworfen. \u201eDer Farbkontrast zwischen Hintergrund und Schrift ist zu schwach\u201c, wird bem\u00e4ngelt. Oder: \u201eZu viele pisselige Infos drauf; das ist kein Flyer, sondern ein Plakat; das Wichtigste muss im Vorbeifahren erfassbar sein.\u201c Und: \u201eDie zentralen Stichworte m\u00fcssen mehr in den Fordergrund: 25 Jahre F\u00f6rderverein Kultur im Caf\u00e9 Hahn \u2013 Jubil\u00e4umsfestival auf der Festung Ehrenbreitstein \u2013 1. September \u2013 Eintritt frei.\u201c Ich bin zuf\u00e4lliger Beobachter dieser ebenso freundlich wie zielorient verlaufenden F\u00fcnf-Minuten-Szene. Danach Umschalten auf den eigentlichen Anlass der Zusammenkunft: Gespr\u00e4ch mit Saskia Scherhag-K\u00f6nig, Frank Tiedemann und Berti Hahn, jenem Trio, das heute an der Spitze des F\u00f6rdervereins Kultur im Caf\u00e9 Hahn steht. Wir bleiben beim Thema: dem Vierteljahrhundert-Jubil\u00e4um eben dieses Vereins.<\/p>\n<p>Bild<\/p>\n<p>Was tut der F\u00f6rderverein? Wozu wurde er 1993 gegr\u00fcndet? Noch bevor die Fragen gestellt sind, gibt Hausherr Berti Hahn, der zugleich Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Vereins ist, Antworten. \u201eErstens, um auch Veranstaltungen durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen, die kulturell wertvoll sind, sich aber wirtschaftlich nicht tragen. Zweitens, um die Vielfalt von Kabarett bis Rock und mehr abbilden zu k\u00f6nnen. Drittens, um auch Nachwuchsk\u00fcnstler zu f\u00f6rdern, die den Laden eventuell noch nicht f\u00fcllen.\u201c<\/p>\n<p>Soweit, so sinngem\u00e4\u00df in den Statuten des \u201eeingetragenen Vereins\u201c verankert. Und so auch verst\u00e4ndlich: Als privatwirtschaftliches Unternehmen muss der Betrieb des Caf\u00e9 Hahn selbst sich rechnen, muss Berti also Programme auflegen, die in der Gesamtbilanz f\u00fcr \u00f6konomische Rentabilit\u00e4t hinreichend Publikum anziehen. Der F\u00f6rderverein Kultur im Caf\u00e9 Hahn e.V. hat da etwas andere Spielr\u00e4ume. Zwar muss auch dessen Vorstand die Lage der Vereinskasse im Auge behalten. Aber die vom Verein unterst\u00fctzten sowie selbst veranstalteten Acts d\u00fcrfen und sollen immer wieder auch Events der ausgefallenen Art sein. Dann ist es sch\u00f6n, wenn viele Leute kommen, aber kein Beinbruch, wenn weniger gefragte K\u00fcnstler mal vor einer eher kleinen Besucherschar auftreten.<\/p>\n<p>Wir spinnen den Gespr\u00e4chsfaden zur\u00fcck in die Fr\u00fchzeit des Vereins. Wann und warum ist die Idee f\u00fcr seine Gr\u00fcndung gereift? \u201eAls wir kurz vor der Pleite standen\u201c, kalauert Berti, ruft dann aber ernsthaft den \u00dcbergangsprozess vom Konditorencaf\u00e9 zum Musik- und Kleinkunstclub in Erinnerung. Das war in 80ern\/fr\u00fchen 90ern eine spannende, aber \u00f6konomisch f\u00fcr den gelernten Konditor, im Veranstaltungsgetriebe indes noch unerfahrenen&nbsp; Berti selten einfache Zeit. Hier kam nun Dr. Frank Tiedemann ins Spiel, Mediziner und nachher langj\u00e4hriger Vorsitzender des F\u00f6rdervereins. Der war Stammgast im Hahn \u2013&nbsp; nicht des Kuchens wegen, der dort tags\u00fcber noch immer nach altv\u00e4terlicher Tradition serviert wurde, sondern um interessante K\u00fcnstler zu erleben. Tiedemann sah die Probleme und hob mit sieben anderen Hahn-Freunden den F\u00f6rderverein aus der Taufe. Der wuchs rasch auf 50, 100 und mehr Mitglieder an, ist heute mit weit \u00fcber 2000 eine der gr\u00f6\u00dften gemeinn\u00fctzigen Vereine dieser Art in Rheinland-Pfalz ist.<\/p>\n<p>\u201eSolche Solidarit\u00e4t im R\u00fccken, mitsamt der finanziellen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Auftritte, die sich nicht rechneten, gab uns damals den Mut als reine Veranstaltungseinrichtung weiterzumachen,\u201c erkl\u00e4rt Berti. Und pl\u00f6tzlich steht auch dieser Satz im Raum: \u201eOhne den F\u00f6rderverein g\u00e4be es Horizonte-Festival und Gauklerfestival nicht mehr. Ohne den Verein h\u00e4tte ich das nie gemacht!\u201c Das Gauklermeeting geh\u00f6rt seit 1992 zu den gro\u00dfen kulturellen Sommerevents in Koblenz, das Weltmusikfestival Horizonte kam vor 16 Jahren dazu. Die Gr\u00f6\u00dfenordnung beider Veranstaltungen \u2013 heute auf der Festung Ehrenbreitstein angesiedelt \u2013 mit je 15 000 bis 30 000 Besuchern w\u00e4re ohne Mitwirkung und finanzielle R\u00fcckversicherung durch den F\u00f6rderverein Kultur im Caf\u00e9 Hahn gar nicht m\u00f6glich. Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Sponsoren, Zusch\u00fcsse aus Kulturf\u00f6rdert\u00f6pfen sowie ein opulentes Netzwerk von F\u00fcrsprechern&nbsp; und Mistreitern: Der Verein kann einiges Gewicht zugunsten des kulturellen Lebens am Mittelrhein in die Waagschale werfen. Eine Messzahl: Vereinskassenwart Achim Friedel Vetters hat j\u00e4hrlich rund 600 000 Euro Umsatz zu verwalten.<\/p>\n<p>Horizonte\/Weltmusik sind das Stichwort f\u00fcr Frank Tiedemann \u2013 dereinst in den sp\u00e4ten 1960ern als Sch\u00fcler beim linkspluralistischen Kultur- und Debattierzirkel \u201eClub Humanit\u00e9 Koblenz\u201c engagiert und dort verantwortlich f\u00fcr die Organisation von Konzerten sowie politischen Veranstaltungen. Aus jenem intensiv mit den Entwicklungen in Asien, Afrika und Lateinamerika befassten Umfeld stammt Tiedemanns Vorliebe f\u00fcr Weltmusik sowie die Offenheit f\u00fcr andere Kulturaspekte jenseits des Mainstreams. Diese Neigung brachte er ins Amt des Vereinsvorsitzenden ein, motivierte dort einen entsprechenden Schwerpunkt im Veranstaltungsprogramm.<\/p>\n<p>\u201eDer Verein brachte auch abgefahrenes Zeug nach Koblenz\u201c kommentiert Berti Tiedemanns Erinnerungen an Auftritte etwa von \u201eBallhaus\u201c mit Texten Tucholskys und Brechts,&nbsp; von Roland Neuwirth und den \u201eWiener Extremschrammeln\u201c, an skurrile Filmvorf\u00fchrungen, an afrikanische und j\u00fcdisch\/arabische Abende oder solche mit Akkordeonmusik und rum\u00e4nischen Liedern. Man merkt Hahn an, dass er seine Freude an solcher Vielfalt hat, auch wenn er bisweilen den Kopf sch\u00fctteln mag. Doch ohne Tiedemann und den F\u00f6rderverein h\u00e4tte es auch die Reihen Kabarett am Montag, Kabarett-Bundesliga, Comedy-Club am Sonntag und das Blumenhof-Festival, aus dem das Horizonte-Festival hervorging, ebenso wenig geben k\u00f6nnen wie die aktuelle Kooperation mit Rockbuster, dem Landesprogramm f\u00fcr Newcomer-Bands. &nbsp;<\/p>\n<p>Saskia Scherhag-K\u00f6nig lauscht gespannt den Erinnerungen der zwei Herrn. Die jetzige erste Vorsitzende des F\u00f6rdervereins ist eine halbe Generation j\u00fcnger, lag noch in den Windeln als Frank Tiedemann seine Veranstaltungen f\u00fcr den Club Humanit\u00e9 organisierte oder Berti Hahn die v\u00e4terliche Konditorei \u00fcbernahm. Die hellwach, gut gelaunt, zugleich umg\u00e4nglich und zielstrebig wirkende Anw\u00e4ltin ist nach eigenen Worten kulturell vor allem von Pop und Klassik gepr\u00e4gt, gleichwohl Stammgast im Hahn quasi von Jugend an. 2014\/15 fragte man sie, ob sie im Vorstand des F\u00f6rdervereins mitmachen wolle. Sie wollte und wurde zur zweiten Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Kurz darauf r\u00fcckte Scherhag-K\u00f6nig an die erste Stelle auf, weil ihr Vorg\u00e4nger schwer erkrankte. Gott sei Dank sprang Tiedemann dem Teufel wieder von der Schippe \u2013 nimmt jetzt einvernehmlich die Position des zweiten Vorsitzenden im verj\u00fcngten Vereinsvorstand ein.<\/p>\n<p>Am 1. September feiert der F\u00f6rderverein Kultur im Caf\u00e9 Hahn e.V. also angemessen seinen 25. Geburtstag. Auf drei B\u00fchnen in der Festung Ehrenbreitstein werden Bands und Acts zuhauf aufgefahren, darunter alte Hahn-Bekannte wie auch Neu-Innovative. Sch\u00f6n w\u00e4re es, w\u00fcrde dann inmitten von Festivalfreuden der eine oder andere daran denken: Auch dies ist nur m\u00f6glich, weil anno dunnemals einige kultursinnige B\u00fcrger sich selbstlos ins Zeug gelegt haben. &nbsp;<\/p>\n<p class=\"rteright\"><strong>Andreas Pecht<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.cafehahn.de\/foerderverein_8.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.cafehahn.de\/foerderverein_8.html<\/a><\/p>\n<p><em>Erstver\u00f6ffentlichung in einem Pressemedium au\u00dferhalb dieser website 30. Woche im Juli 2018<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Besprechungszimmer des \u201eCaf\u00e9 Hahn\u201c zu Koblenz-G\u00fcls stecken einige Leute die K\u00f6pfe zusammen. Zwei Plakatentw\u00fcrfe werden diskutiert und verworfen. \u201eDer Farbkontrast zwischen Hintergrund und Schrift ist zu schwach\u201c, wird bem\u00e4ngelt. 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